Häufiger, länger und am Wochenende: Neumarkt weitet den Stadtbus massiv aus

Von Wolfgang Endlein · 25. Juli 2024 um 18:38

Die Kritik am Stadtbus in Neumarkt ist alt. Viele Bürger finden das Liniensystem und die Fahrzeiten unpraktisch. Dass die Kritik nicht unbegründet ist, bestätigt der überarbeitete Nahverkehrsplan. Er war am Mittwoch im Stadtrat Thema, der große Veränderungen beschloss. Was alles geplant ist.

In mehreren Treffen hatte ein Arbeitskreis daran gearbeitet, den Stadtbus neu aufzustellen. Dazu gehörte eine Analyse des Ist-Zustands. Echt erschrocken sei er gewesen, dass der Stadtbus in manchen Stadtteilen nicht mal die Mindeststandard erfülle, sagte Roland Kuß (CSU).

Den Mindeststandard bemisst der Nahverkehrsplan daran, welche Bereiche der Stadt die Busse bedienen und wie häufig. Zudem definiert er den Anspruch, dass die Zielorte Altstadt und Bahnhof (und darüber Nürnberg und Regensburg) erreichbar sein müssen.

Was nicht so gut beim Stadtbus in Neumarkt läuft

Das Ergebnis der Analyse: Schlecht erschlossen sind vor allem Gewerbegebiete. In den Nebenzeiten unter der Woche gibt es generell deutlichen Verbesserungsbedarf, wie der Bus manche Bereiche der Stadt bedient. Abends und am Wochenende sieht es noch mauer aus. Den Mindeststandard hält der Nahverkehr unter der Woche ein, wenn es darum geht, dass Nürnberg und Regensburg aus dem Großteil des Stadtbusgebiets erreicht werden können. Bei den Zielen Altstadt und Bahnhof sei der Standard gut. Am Wochenende sieht es hingegen schlecht aus.

Der Nahverkehrsplan hat sich zum Ziel gesetzt, die Mindeststandards zu erreichen. Wichtig dabei: Die Maßnahmen werden nicht alle auf einmal kommen, sondern schrittweise. All das hat seinen Preis: 1,3 Millionen Euro pro Jahr wird die Stadt an die Stadtwerke überweisen, die vorerst bis zur nächsten Ausschreibung des Stadtbusverkehrs in 2026 diese Aufgabe übernimmt.

Verbesserungen beim Stadtbus in Neumarkt kommen ab 2025 schrittweise

Dass der Nahverkehr eine defizitäre Einrichtung ist, brachte Stadtwerke-Chef Dominique Kinzkofer den Stadträten in Erinnerung. „Ihnen muss klar sein, dass dieses Defizit nur eine Richtung kennt.“ Nach oben. Im Stadtrat war man sich aber einig, dass dies gut investiertes Geld sei.

Kinzkofer erläuterte zudem, dass es neben dem Geld noch die Frage des Personals gebe. Acht neue Stellen müssten besetzt werden. Busfahrer „wachsen nicht auf den Bäumen“, sagte Kinzkofer, der aber dennoch optimistisch ist. Er rechnet damit, dass ab 2025 schrittweise die Verbesserungen umgesetzt werden können.

Was ist konkret geplant? Aktuell fahren die Stadtbusse unter der Woche bis 19 Uhr. Am Wochenende verkehren die Busse nur am Samstag und da nur bis Mittag. Künftig sollen die Busse unter der Woche von 5.40 bis 20.30 Uhr fahren, am Samstag bis 18 Uhr. Für die Gewerbegebiete in Stauf und an der Dreichlinger Straße soll es eine eigene Linie geben.

Insgesamt sollen die Stadtbuslinien unter der Woche in den meisten Stadtgebieten etwas häufiger fahren. In den Außenbereichen im Nordosten soll es deutlich mehr Fahrten geben. Am Wochenende im gesamten Stadtgebiet.

Pendelbus wird in Neumarkt getestet

Probeweise wird ein Pendelbus eingeführt, der werktags von 8 bis 19 Uhr und samstags bis 16 Uhr zwischen Volksfestplatz und Ärztehaus in der Regensburger Straße fährt (über Woffenbacher Straße, Nürnberger Straße, Marktstraße und Ingolstädter Straße). Der Test ist auf zwei Jahre angelegt.

Neu ist auch: Sind die Linienbusse im Depot, übernehmen werktags ab 21 Uhr bis 23 Uhr die Rufbusse. Samstags verkehren die Rufbusse zwischen 19 und 23 Uhr. Freitags und samstags kommt ein erweitertes Angebot bis 2 Uhr hinzu. An Sonn- und Feiertagen fahren die Rufbusse von 8 bis 23 Uhr.

Für die Bereiche im fernen Osten des Stadtgebiets sind zwei Rufbus-Linien vorgesehen, die werktags und samstags zwischen 6 und 23 Uhr fahren. Am Sonntag startet der Betrieb zwei Stunden später. Freitags und samstags ist ein spätes Angebot bis 2 Uhr angedacht.

Angesichts all dessen formulierte André Madeisky (SPD) seine Erwartung an die Bürger: „Fahren Sie mehr Bus!“