Kaiser-Therme Bad Abbach: Unterstützer machen Druck – und strengen Petition an Landtag an

Es scheint ein Kampf gegen Windmühlen: Die Initiative „ProTherme“ macht sich weiterhin stark für den Erhalt der Bad Abbacher Kaiser-Therme (Landkreis Kelheim) in ihrer bisherigen Form – obwohl ein Verkauf beschlossene Sache ist. „Beschlüsse können rückgängig gemacht werden“, sagen die Initiatoren Jochen Wollenweber und Josef Geitner.
Die Kaiser-Therme soll in den nächsten zwei Jahren an einen Privatinvestor gehen. Diesen Weg haben Niederbayerns Bezirkstag (19:3 Stimmen) und Marktgemeinderat Bad Abbach (17:7) mit ihren Entscheidungen Anfang Juli 2024 vorgezeichnet. Der Zweckverband Kurmittelhaus Bad Abbach löst sich nach den zwei Jahren auf. Ohne Käufer wäre dann das Aus der Therme besiegelt.
Mitarbeiter bangen um Job
Die Aktionsgruppe „ProTherme“ will sich mit diesem Prozedere weiterhin nicht abfinden. Sie plädiert für einen Erhalt der Einrichtung in öffentlicher Trägerschaft, wie die Initiatoren Josef Geitner und Jochen Wollenweber nach einer Sitzung mitteilen. Beim Treffen waren auch „Mitarbeiter der Therme, die um ihren Arbeitsplatz und ihre Existenz fürchten“, anwesend, so die beiden Herren.
Die Initiatoren kritisieren nach wie vor den Ablauf der Entscheidungsfindung. So hinterfragen sie, ob ein Gutachten zur erforderlichen 50-Millionen-Euro-Sanierung je überprüft wurde. Bekanntlich haben Bezirkstag und Marktgemeinderat wegen dieser hohen Kosten den Ausstieg beschlossen.
Drei Gutachten zu 50-Millionen-Euro-Sanierung
Katrin Landes, Geschäftsführerin des Zweckverbands, erklärt auf Anfrage der Mediengruppe Bayern, dass es „drei externe Gutachten“ gab: jeweils eines für den Bereich Heizung-Lüftung-Sanitär und Elektro und ein zweites für alle Leistungsbereiche. Die Expertisen seien durch das Bezirksreferat für Bauen und Umweltschutz überprüft worden und führten „zu einer ähnlichen Kosteneinschätzung“.
Dem Marktrat und Bürgermeister Benedikt Grünewald werfen Wollenweber und Geitner vor, „das Verkaufsvorhaben ohne Einbindung der Bürger schnell angeschoben zu haben“. Auch deshalb strengt „ProTherme“ eine außerordentliche Bürgerversammlung an. Zwar gab es Ende Juli eine Veranstaltung, „doch das war eine reine Werbeaktion für den Verkauf“, sagt Wollenweber.
Außerordentliche Bürgerversammlung über Unterschriften
Über „Open Petition“ will man ein Quorum von 340 Befürwortern erreichen. Mit dieser Zahl an Online-Unterschriften – bisher sind es 152 – könne man eine außerordentliche Bürgerversammlung beantragen. „Die 600 Unterschriften, die wir an Infoständen gesammelt haben, helfen uns leider nicht.“
Bürgermeister Grünewald sieht keinen Anlass für eine erneute Info-Veranstaltung. „Die abgehaltene Bürgerversammlung war mit über 150 Zuhörern nicht nur gut besucht, sondern hat auch laut den bei mir eingegangenen Rückmeldungen ganz offensichtlich für viel Klarheit gesorgt.“ Die Bürger wurden und werden umfassend informiert, so Grünewald.
„ProTherme“ sieht Neubau als mögliche Option
„ProTherme“ brennen noch weitere Punkte unter den Fingernägeln. So habe man recherchiert, dass neue Thermen in Bad Dürkheim und Bad Nauheim für rund 45 Millionen Euro errichtet wurden – was unter den für Bad Abbach genannten Sanierungskosten liege. „Warum hat man einen Neubau nicht geprüft?“
Katrin Landes antwortet dazu: „Nachdem bezüglich der Bausubstanz keine grundsätzlichen Mängel hervorgetreten sind und die Kosten für Rück- und anschließendem Neubau bei einem Vielfachen der Kosten für die Komplettsanierung liegen werden, wurden hier keine vertiefenden Überlegungen angestellt.“
Stiehlt sich Zweckverband aus Gesundheitsvorsorge?
Auch an anderer Stelle legt die Aktionsgruppe nach: „Darf sich ein Zweckverband mit unmittelbarer Zielrichtung Gesundheitsvorsorge so schnell auflösen und die Leistungserbringung verweigern?“ Laut Landes hat der Zweckverband „die Aufgabe, den hochstehenden medizinischen Standard der Rheumabehandlungen in Bad Abbach sicher zu stellen und weiter zu entwickeln“. Aber mit einer Auflösung ist die Aufgabenstellung hinfällig.
Um „Druck von oben zu erzeugen“, so Geitner und Wollenweber, soll auch eine Petition an den Bayerischen Landtag eingereicht werden. „Die Abgeordneten sollen mitbekommen, was hier mit einer Einrichtung für die Gesundheitsfürsorge geschieht.“ All dies sei aber nur möglich, „wenn die Bad Abbacher Bevölkerung mitzieht“. Aktuell spüre man eine „zunehmend positive Resonanz“, so „ProTherme“.
Bürgermeister: Bad Abbacher wollen kein „Weiter so“
Bürgermeister Grünewald spürt selbige auch – allerdings im Sinne eines Verkaufs. „Die Stimmung in der Bevölkerung ist zuversichtlich, wie mir in vielen Gesprächen deutlich gemacht wurde. Die Menschen verstehen, dass ein einfaches ,Weiter so‘ angesichts der wirtschaftlichen Situation der Gemeinde und der Vielzahl von Aufgaben nicht mehr geht.“
In der Investorensuche gibt es derweil wenig Bewegung. Derzeit werden für den strukturierten Verkaufsprozess die notwendigen Unterlagen, insbesondere ein entsprechendes Exposé, erarbeitet, sagt der Bürgermeister. Danach fänden erste Gespräche statt. Interessenten hätten sich „proaktiv“ bereits gemeldet.
Am Donnerstag im Kreisausschuss
Sitzung: Am Donnerstag, 19. September, steht im Kreisausschuss ab 15 Uhr unter anderem die „Auflösung des Zweckverbands Kurmittelhaus Bad Abbach (Kaiser-Therme); weiteres Vorgehen“ auf der Agenda. Getagt wird im kleinen Sitzungssaal des Landratsamtes Kelheim.
Sachlage: Sowohl der Bezirk Niederbayern als auch der Markt Bad Abbach haben ihren Ausstieg aus dem Zweckverband beschlossen. Folgt der Landkreis diesem Beispiel, verabschiedet sich auch der letzte Träger des Zweckverbands, der dann in zwei Jahren aufgelöst wird.