Ein Einkaufszentrum ist nicht erlaubt: Das plant Mühlhausen jetzt

Gegen die geplanten Einkaufsmärkte in Mühlhausen Nord gibt es zahlreiche Bedenken und Einwände. Welche das sind und wie der Städteplaner Bernhard Bartsch mit Planänderungen reagiert – das war Thema in der Gemeinderatsitzung.
Formal ging es um die Änderung des Bebauungsplanes „Sondergebiet Nahversorgung“. Wie mehrfach berichtet, sollen sich nördlich von Mühlhausen am Alten Kanal ein Lebensmittel-, ein Getränke- sowie ein Drogeriemarkt ansiedeln. Nach einem Bürgerentscheid wurden Gespräche mit Fachstellen und Bürgern geführt, deren Ergebnisse nun in die weitere Planung eingeflossen sind. Dieser überarbeitete Plan wird zu gegebener Zeit öffentlich ausgelegt.
Der wichtigste Einwand kam von der Regierung der Oberpfalz. Demnach darf keine Agglomeration in Form eines Einkaufszentrum stattfinden, dieses würde zu einer Überversorgung führen. Als Konsequenz daraus sind nun zwei räumlich voneinander getrennte Flächen ohne gemeinsamen Parkplatz geplant.
„Intensiverer Wettbewerb“
Die IHK, Handwerkskammer und Teile der Öffentlichkeit fordern, dass die beiden bestehenden Märkte in Mühlhausen nicht gefährdet werden dürfen. Bartsch sagte hierzu, dass kein grundsätzlicher Konkurrenzschutz gewährleistet werden könne. Durch das Sondergebiet seien aber keine erheblichen städtebaulichen Auswirkungen zu erwarten. Überdies seien innerorts keine geeigneten Flächen für das Vorhaben vorhanden. Die von der Gemeinde beauftragte Auswertungsanalyse sehe keine Gefährdung, sondern lediglich eine „Intensivierung des Wettbewerbs“.
Die Verantwortlichen der beiden bestehenden Märkte lehnen hingegen das Sondergebiet ab und hatten eine eigene Auswertungsanalyse erstellen lassen, die zu einem anderen Ergebnis gekommen ist. Manfred Schreiner (FW) sagte hierzu: „Wenn sich die beiden Gutachten widersprechen, sollte man doch auf die Regierung hören, die auf eine Überversorgung hingewiesen hat.“
Hundsdorfer: 65 Prozent Unterversorgung in Mühlhausen
Bartsch wies erneut auf die räumliche Trennung der Märkte hin, die dies verhindere. Bürgermeister Martin Hundsdorfer antwortete: „Wir haben 65 Prozent Unterversorgung in Mühlhausen, die Menschen fahren aus der Gemeinde zum Einkaufen heraus.“ Die Bürger hätten sich für die neuen Einkaufsmöglichkeiten ausgesprochen. „Wir haben die Pflicht, diesen Auftrag zu erfüllen.“
Ein weiterer Einwand betraf den Aspekt, dass mit dem Vorhaben gegen das Anbindegebot und den Vorrang der Innenentwicklung verstoßen werde. Hierzu sagte Bartsch, dass die Fläche angebunden sei, die Entwicklung der Industriegebietsbrache entspreche der Innenentwicklung.
Gemeinderätin Sigrid Schindler ließ sich daraufhin ausdrücklich bestätigen, dass das Vorhaben der Innenentwicklung Mühlhausens förderlich sei.
Als einzige Nachbargemeinde hatte sich Sengenthal gegen den Vorentwurf der Planung ausgesprochen. Die Argumente lauteten, dass der Standort nicht integriert sei, landesplanerisch unzulässig und eine unzulässige Kaufkraftabschöpfung zum Nachteil Sengenthals befürchtet werde. Tatsächlich werden berechnet rund 0,7 Millionen Euro pro Jahr dann in Mühlhausen statt in Sengenthal ausgegeben. Damit seien schädliche Auswirkungen zu erwarten, so Bartsch.
Dennoch seien die Sengenthaler Betriebe nicht gefährdet, da sie sich unmittelbar an der B299 befinden. Außerdem befinden sie sich außerhalb zentraler Versorgungsbereiche, seien somit nicht schutzbedürftig. Hundsdorfer sagte: „Wir holen uns nur unsere Kaufkraft zurück. Mühlhausen hat damals auch keinen Mucks getan, als in Sengenthal die Norma gebaut wurde.“
Nachteile für Freystadt
Die größte Umsatzverteilung ist für Freystadt zu erwarten. Von 29,5 Millionen Euro Umsatz könnten 2,8 Millionen Euro pro Jahr nach Mühlhausen fließen. Insgesamt könnten in den neuen Märkten 11,7 Millionen Euro Umsatz gemacht werden, die aus Freystadt, Berching, Deining, Sengenthal und Neumarkt abfließen.
Im Innenort von Mühlhausen wird derzeit ein Umsatz von 11,8 Millionen Euro pro Jahr generiert, 1,1 Millionen Euro (9,5 Prozent) würden laut Prognose in den neuen Märkten ausgegeben werden.
Die Denkmalpflege lehnt das Vorhaben wegen der Nähe zum Alten Kanal ab. Die Auswirkung seien mit dem geänderten Bebauungsplan abgemildert, sagte Bartsch. Das Staatliche Bauamt sieht die Lage der zukünftigen Zufahrt als ungünstig ab. Hierzu habe man einen Gutachter beauftragt, demnach werde der maximale Rückstau ein bis zwei Fahrzeuge betragen.
Manfred Schreiner befürchtete, dass es einen Stau für Linksabbieger in Richtung Neumarkt geben werde. Auch der Bund Naturschutz lehnt das Vorhaben komplett ab und forderte innerörtliche Flächen zu berücksichtigen.
Mit den Gegenstimmen der Freien Wähler und der fraktionslosen Sigrid Schindler wurde die Planänderung beschlossen.