„Die Eisenbahn demokratisierte das Reisen“: Wie Abensberg an den Fortschritt andockte

150 Jahre Donautalbahn: Eine Sonderausstellung im Herzogskasten in Abensberg erzählt von der bewegten Geschichte der Eisenbahn zwischen Ingolstadt und Regensburg.
Böse Zungen würden behaupten, in diesen Tagen ist es schon eine Sensation, wenn ein Zug überhaupt einfährt. Als aber vor 150 Jahren die erste Lok in den Abensberger Bahnhof dampfte, war das für die vielen Schaulustigen wirklich eine Sensation.
Den Geist dieser vergangenen Tage will eine Sonderausstellung im Herzogskasten nun wieder aufleben lassen, mehr noch: Sie will einen Bogen spannen vom Beginn der Unteren Donaubahn zwischen Ingolstadt und Regensburg bis in die Gegenwart und auch in die Zukunft.
Noch wird eifrig gewerkelt. Museumsleiterin Beatrice Wichmann hat sich den RSWE e.V., die Regensburger Straßenbahn-, Walhallabahn- und Eisenbahnfreunde dafür mit ins Boot geholt.
Sie bereichern die Ausstellung mit verschiedenen Modellen aus den Epochen eins bis sechs, also von 1835 bis heute, und auch mit einer Holzbank, wie sie ursprünglich in vielen Waggons zu finden war. Bernd Heinrich vom RSWE e.V. musste erst einmal überlegen, welche Modelle für die Ausstellung interessant sein könnten, und vor allem, welche Vereinsmitglieder Exemplare zur Verfügung stellen könnten. So kamen einige Modelle unterschiedlichster Epochen mit der Spur HO im Maßstab 1:87 zusammen, die nun die Ausstellung noch lebendiger machen.
Für Lebendigkeit sorgt auch Modellbauer Sascha Lautenschläger aus Ingolstadt mit einer Modelllandschaft, die die Geschichte der Strecke von der Epoche eins bis in die 1950er Jahre anschaulich machen soll. „Das ist ein Stück weit ein Passionsprojekt von mir“, sagt der Eisenbahnfan.
Archive durchstöbert
Viel Zeit steckte freilich auch Wichmann in die Konzeption der Sonderausstellung. „Wir haben sämtliche Archive nach Material und Korrespondenz durchgestreift“, so Wichmann. Nachdrucke dieser Korrespondenzen sind auch in der Ausstellung zu sehen und zeigen, dass es nicht einfach war, die Eisenbahn nach Abensberg zu holen. „Kelheim wollte sie und Abensberg auch.“ Die beiden Städte standen miteinander im Wettstreit um den besseren Standort an einer Bahnstrecke und lieferten sich Wortgefechte in schriftlicher Form. Auch so manche Frotzelei und Spott gehörte dazu. „Die Bahn war für die Städte überlebenswichtig“, sagt Wichmann.
Der Naturschutz spielte dagegen nur eine untergeordnete Rolle. „Es gab Überlegungen, die Linie entlang des Donaudurchbruchs zu führen, mit Felsensprengungen und Tunneln“, weiß Wichmann. Ein Vorhaben, dass der damalige Abensberger Bürgermeisters Nikolaus Stark mit einem Clou vereitelte, wenngleich es mehr um wirtschaftliche denn um umwelttechnische Aspekte ging. Stark ließ einen Ingenieur eine Wirtschaftlichkeitsberechnung zur Streckenführung durch Abensberg machen und überzeugte schließlich die Ministerialbeauftragten in München.
Aber auch danach war man nicht zimperlich in Naturschutzbelangen: „Weil die Abens schlängelnd verlief und der Untergrund eher sandig war, wurde sie begradigt, damit man die Eisenbahnbrücke bei Aunkofen bauen konnte“, so Wichmann.
Nur vier Jahre vergingen zwischen Planung und Bau, Proteste gab es keine. Schließlich hielt der erste Zug hielt am 1. Juni 1874 im neu gebauten Bahnhof Abensberg mit einem rauschenden Empfang.
In dem Folgejahren veränderte sich auch für Abensberg viel. „Die Eisenbahn demokratisierte das Reisen“, erzählt Wichmann. Nun war es nicht mehr eine Tagesreise, um etwa einen Arzt in Regensburg aufzusuchen. Und auch die Arbeitsmigration wurde befeuert, wenngleich zum Beispiel Hopfenzupfer erst Jahre später mit dem Zug kamen, „Erst 1890 wurden Arbeitsfahrkarten eingeführt“, sagt Wichmann.
In der Ausstellung werden auch Anschlussstrecken thematisiert. Eine davon war Steinbruchbahn in Offenstetten, die zum Steinbruch führte und dem zu wirtschaftlichen Aufschwung verhalf: „Das war eine der ersten elektrifizierten Strecken Deutschlands“, so Wichmann.
Kriegswichtige Eisenbahn
Später dann war die Eisenbahn „kriegswichtig“. Die Bahnhofstraße hieß zwischen 1933 und 1945 Adolf-Hitler-Straße.
Schließlich spannt die Ausstellung auch einen Bogen, zeigt, was die KI aus dem Bahnhof der Zukunft macht. Und verweist einmal mehr auf die Vergangenheit, nämlich als der Verschönerungs- und Fremdenverkehrsverein Abensberg sich am 12. Dezember 1907 an den Stadtmagistrat wandte und das nicht gerade einladende Bahnhofsumfeld bemängelte. Ein Blick in soziale Medien zeigt, dass die Thematik nichts an Aktualität eingebüßt hat.
Nicht nur für Museumsleiterin Wichmann dürfte das Thema Eisenbahn ein sehr besonderes sein. Das Bahnthema knüpfe an allen gesellschaftlichen Themen an, an der Frage der Mobilität, der Technik und der Kulturgeschichte, „das macht es auch so spannend“. Nicht zuletzt deshalb wird die Ausstellung diesmal ein Dreivierteljahr zu sehen sein, viel länger als andere Sonderausstellungen.
Die Ausstellung beginnt am 19. September:
Ausstellung: „Zum Zug gekommen - 150 Jahre Eisenbahn in Abensberg“ heißt die Sonderausstellung, die vom 20. September 2024 bis 1. Juni 2025 im Herzogskasten zu sehen sein wrid. Die Eröffnung ist am 19. September um 19 Uhr. Das Museum ist Dienstag bis Sonntag von
10 bis 17 Uhr geöffnet.
Tag der Schiene: Am ersten Wochenende der Ausstellung findet zudem der bundesweite „Tag der Schiene“ statt: Die Ausstellung ist Teil des Programms. Von 20. Bis 22. September ist der Besuch der Ausstellung daher frei.
Mehr Infos dazu gibt es auch auf www. tag-der-schiene.de.

