Wie viel Land verbraucht der Mensch? Die Faire Woche in Abensberg widmet sich auch dieser Frage

Von Lucia Pirkl · 12. September 2024 um 15:00

Faire Woche: Der Weltacker Landshut ist „zu Besuch“ in Abensberg, und zwar im Rahmen eines Vortrags.

Wie groß ist die Fläche, die jeder Erdenbürger pro Jahr zum Leben bräuchte? Eine komplexe Frage, der man sich mit dem Weltacker bei Landshut versucht, anzunähern.

Einer, der sich bestens mit der Thematik auskennt, ist Klaus Karg. Karg kommt im Rahmen der Fairen Woche nach Abensberg und erzählt in seinem Vortrag am 26. September, was genau der Weltacker ist. Schon einmal war er für die VHS in Abensberg zu Gast. Also kontaktierte ihn Katrin Koller-Ferch erneut.

Karg gehört zum Team, das den Weltacker betreut. Auf 2000 Quadratmetern werden dort die Früchte angebaut, die einem Menschen theoretisch jedes Jahr zur Verfügung stehen würden, rechnete man alle Ackerbauflächen der Welt zusammen. Beim Verbrauch geht es nicht nur um Nahrung, sondern etwa auch um Kleidung, Tierfutter oder Energie. Die derzeit wichtigsten Kulturpflanzen werden auf dieser Fläche maßstabsgetreu zu ihrer globalen Anbaufläche angebaut. Den Gästen, darunter Schulklassen oder auch Privatpersonen, soll so anschaulich gezeigt werden, wie klein die Fläche ist, auf der das angebaut wird, was der Mensch zum Leben braucht.

Zu Lasten der Armen

Aber natürlich ist der Verbrauch in den Industrieländern pro Kopf weitaus höher, was wiederum zu Lasten der ärmeren Länder geht.

Und so schlägt der Weltacker die Brücke zum Fairen Handel und zum Eine-Welt-Forum in Abensberg, das jedes Jahr die Faire Woche zum Anlass nimmt, um auf die Diskrepanz zwischen Erster und Dritter Welt hinzuweisen, um zu verdeutlichen, dass wir alle miteinander verbunden sind. „Wir leben in den westlichen Ländern ja auf Kosten des globalen Südens, weil die dann prozentual weniger Anbaufläche zur Verfügung haben, wenn wir etwa 5000 Hektar pro Person verbrauchen“, sagt Klara Wirthensohn vom Eine-Welt-Forum.

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Der Faire Handel ist eine Möglichkeit, dieser Ungleichverteilung entgegen zu wirken. „Das GEPA-Siegel beispielsweise setzt sich dafür ein, dass ein bestimmter Anteil der Anbaufläche für den eigenen Lebensunterhalt genutzt wird“, weiß Albert Steber vom Eine-Welt-Forum. Damit sollen die armen Bauern in den Dritte-Welt-Ländern aus der Abhängigkeitsspirale herausfinden und nicht nur für den Export anbauen. Faire Preise für die Bauern und dadurch ein selbstbestimmteres Leben, das ist das Ziel des Fairen Handels.

Die Bedingungen indes werden nicht zuletzt auch durch den Klimawandel schwerer für den Fairen Handel. Denn der Anbau von Kakao oder Kaffee beispielsweise leidet unter der Klimaerwärmung. „Deshalb gehen die Kakao- und Kaffeepreise auch nach oben“, so Wirthensohn. Im vergangenen Jahr hieß das Motto der Fairen Woche im Übrigen „Fair und kein Grad mehr“.

Viele Folgen für uns

Angesichts der Dringlichkeit wird dieses Motto wieder aufgegriffen, „und es ist ja auch vielseitig in der Ausgestaltung“, so Wirthensohn. Am Rande des Vortrags soll deshalb auch der Bogen gespannt werden zu unserer Region, gezeigt werden, wie unsere Lebensweise, unser Hunger nach Ressourcen auch hier nicht folgenlos bleibt. Denn auch hier gibt es negative Auswirkungen auf das Klima. Niederschlag und Starkregenereignisse nehmen in der Donauregion zu, ebenso heiße Sommer, das zeigen Schaubilder vom Landesamt für Umwelt, die den Vortrag flankieren sollen.

Das Eine-Welt-Forum würde sich Nachwuchs wünschen:

Nachwuchs gesucht: Junge Leute für die Arbeit im Eine-Welt-Forum zu gewinnen, sei nach wie vor schwer, sagen Klara Wirthensohn und Albert Steber. Dabei wäre das ungeheuer wichtig, denn „die haben einen ganz anderen Fokus auf das alles“, so Steber. Wer Interesse hat, wendet sich an Klara Wirthensohn unter Telefon (09443) 6582.

Mehr als Verkauf: Der Faire Handel, das ist so viel mehr als nur der Verkauf, betonen Steber und Wirthensohn. Es geht auch um Umdenken, um eine gerechtere Umverteilung, um bessere Lebensbedingungen in der Dritten Welt und vor allem um ganz viel Wissensvermittlung, um Aufklärung, wie die Welt zusammenhängt.