Junge Igel aufpäppeln: „Igelmama“ aus Elsendorf braucht dringend Hilfe

Von Lucia Pirkl · 11. September 2024 um 19:00

Die Igelstation in Elsendorf (Landkreis Kelheim) platzt aus allen Nähten: Wer möchte junge Igel durch den Winter füttern?

Wohlig strecken sie ihre Beinchen in die Luft, lassen sich den Bauch massieren und anschließend mit einer Pipette füttern. Die Äuglein bleiben dabei fast geschlossen, denn so lässt es sich schön weiterschlummern im warmen Inkubator. Was putzig aussieht, ist für Carmen Majehrke jede Menge Arbeit. Schon einmal hatten wir über die Elsendorferin berichtet. Nun bittet sie um Hilfe: Weil es eine regelrechte Igelschwemme mit kleinen Igeln gibt, sucht sie gerade händeringend nach Igelpaten. „Die Igel werden zwar größer, aber man müsste sie unbedingt durch den Winter füttern.“

Seit Majehrke 14 ist, kümmert sie sich selbst um Igel, seit 30 Jahren also. Ihr Wissen dazu hat sie von einer anderen Igel-Expertin. Ein Leben ohne sie? Für Majehrke unvorstellbar. Auch, wenn sie alles den putzigen Gesellen unterordnen muss, das Versorgen von kleinen oder großen, kranken Igeln ihren Tagesablauf diktiert. Selbst im Urlaub, „heuer das erste Mal nach zehn Jahren“, stand dann da plötzlich die Box mit einem versehrten Igel auf der Terrasse.

Wie am Fließband

Wenn Igel noch sehr klein gefunden werden, müssen sie stündlich gefüttert werden, „und zwar Tag und Nacht“. Bei den zwei bis vier Wochen alten Igelbabys, die Majehrke gerade versorgt, reicht es aus, sie alle drei Stunden zu füttern. Weil sie aber derzeit 48 Igelbabys hat, geht das Ganze von vorne los, sobald sie fertig ist – fast wie am Fließband.

20 Gramm Igel mag sich in der Hand sehr bedürftig, sehr herzig anfühlen. Und dennoch: Igel sind keine Kuschel-, sondern Wildtiere. „Meine Haustiere sind drei Hunde und eine Katze, aber nicht die Igel.“ Es gibt nur einen Grund, warum die stacheligen Gesellen bei Menschen unterkommen: Weil sie in der Wildnis noch nicht zurechtkommen, weil die Mutter verletzt, die Kleinen krank oder eben noch zu schwach sind.

Weil die vergangenen Wochen zu trocken waren, finden die Igel, die vor allem Larven und Käfer fressen, zu wenig Nahrung und Wasser, ist die „Igelmama“ überzeugt. Monotone Gärten mit vielen Steinen und eine frühe Mahd tun ihr Übriges. Laubbläser verjagen auch die Insektenbrut und der Pestizideinsatz sorgt dafür, dass immer weniger Insekten als natürliche Nahrungsgrundlage vorhanden sind. Oft finden die Tiere auch keinen geeigneten Unterschlupf mehr, „ich hatte schon Tiere, die ihre Jungen ins Rasenmäherlaufwerk reingelegt haben, einfach, weil sie nichts anderes gefunden haben.“ Umsiedeln sei auch immer schlecht bei den ortstreuen Tieren.

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Der größte Feind des Igels sind aber Mähroboter, die über Nacht eingesetzt sind. Sie verletzen die Tiere teilweise so sehr, dass ihnen nicht mehr zu helfen ist, oft sterben sie auch einen langsamen und qualvollen Tod. Majehrke hat ein Panoptikum des Grauens auf ihrem Handy: „Die Leute wollen immer nur süße Igelbabys sehen.“ Aber welches Leid das Tier des Jahres 2024 nicht selten durch den Menschen ertragen muss, das sei vielen nicht so klar.

Majehrke wird in so einem Fall oft zu Hilfe gerufen. Sie betont aber auch: „Ich helfe kranken und zu kleinen Tieren.“ Ein Tierheim sei sie nicht. Auch sie kommt an ihre Grenzen, „ich kann nur helfen, wenn man mir hilft“, sagt sie und appelliert deshalb an die Bevölkerung: Wer kann einen Igel in einem Kellerraum mit Fenster überwintern? Dazu bräuchte es nur einen Meerschweinchenkäfig, etwa 120 mal 60 Zentimeter groß. Tierarztkosten, falls sie denn anfallen, würde Majehrke tragen. Und dazu gibt es auch ganz viel Unterstützung von ihr, auch im Notfall.

Paten dringend gesucht

Zu viel Arbeit machen die kleinen Gesellen dann, sobald sie Majehrke in Pflege abgibt, auch nicht mehr, denn mit etwa 300 Gramm Gewicht sind sie schon aus dem Gröbsten heraus, müssen auch nicht mehr mit der Hand gefüttert werden.

Nach dem monatelangen Füttern und Versorgen mögen ihr die Tiere ans Herz gewachsen sein: Namen habe „ihre“ Igel aber nicht, „denn was einen Namen hat, das bleibt“ und das soll ja nicht sein. Also nach all der Hege und Pflege schubst sie Majehrke, wenn sie groß genug sind und solange es noch nicht friert, zurück in die Wildnis, am besten auf eine Fallobstwiese in der Nähe eines Gewässers.

Igel haben es oft schwer:

„Hochsaison“: Igel werfen im August/September und zwar zwischen drei und zehn Junge.

Milch oder Babynahrung schadet ihnen, weil sie keine Laktose vertragen. Schnecken frisst der Igel nur zur Not und die übertragen nicht selten Innenparasiten. Vor allem kleine Igel brauchen eine Spezialnahrung. Igeltrockenfutter aus dem Handel ist aber meist ungeeignet.

Nachtaktive Tiere: „Jeder tagaktive Igel ist krank“, sagt Majehrke. Auch, wenn ein Hund einen Igel gefunden oder ihn vielleicht versehentlich verletzt hat, müsse man den Igel zu einer Igelstation bringen, „das kann ja durchaus passieren“, aber unbehandelt könnte so eine Verletzung zu einer Infektion führen.

Mehr Infos: Majehrke ist auch auf Tiktok zu sehen. Wer sie unterstützen mag, Majehrke trägt alle Kosten alleine: Es gibt eine Amazonwunschliste und bei Paypal kann man sie mit @albinoigel unterstützen.

Kontakt: Telefon/Whatsapp (0176) 41984700 oder per E-Mail: carmen-majehrke@t-online.de

In der Natur würde die Igelmama den Stuhlgang stimulieren, jetzt muss Majehrke das machen und die Igel massieren.
Alle drei Stunden muss sie diese zwei bis vier Wochen alten Tiere mit der Hand füttern, weil sie noch sehr klein sind.
Geballtes Igelglück: Ohne Igel ginge es für Majehrke nicht mehr, auch, wenn die Tiere viel Arbeit bedeuten. Haustiere sind es dennoch keine.
Der Inkubator hält die Igelbabies warm und muss täglich gereinigt werden. Majehrke hat ihn selbst gekauft.