Johann Dichtl aus Neustadt bewahrt eine alte Hühnerrasse vorm Aussterben

Was macht ein ehemaliger Landwirt, der die letzten 25 Jahre im Nebenerwerb tätig war, in seiner Rente mit seiner Hofstelle und seiner Freizeit, wenn keines der Kinder weitermacht? Johann Dichtl aus dem Neustädter Ortsteil Heiligenstadt (Landkreis Kelheim) wollte etwas Besonderes machen und entdeckte mit den Dorking-Hühnern eine alte Hühnerrasse, die er vor dem Aussterben bewahren will.
Nachdem er bereits einige Jahre bei einem Entsorgungsunternehmen in Vollzeit gearbeitet hatte, begann der gelernte Landwirt im Jahre 2013 mit der Aufgabe der Schweinezucht den langsamen Rückzug aus der Landwirtschaft. Für ihn war klar, dass der landwirtschaftliche Betrieb am „Auslaufen“ ist und er machte sich auf die Suche nach einer neuen Aufgabe.
In Bibliothek nachgeforscht
„Warum es die Hühner waren, weiß ich gar nicht mehr so genau. Ich wollte was Besonderes machen“, gibt er ehrlich zu. Ein Bericht über die Dorking-Hühner und die Tatsache, dass es eine der ältesten Rassen in Europa ist, machte ihm klar: „Des is genau des, was ich suche.“ Bei seinen Nachforschungen in der „Agrarhistorischen Bibliothek“ in Herrsching am Ammersee hat er herausgefunden, dass die Rasse von den Römern in England eingeführt und um das Jahr 1860 erstmals in Deutschland erwähnt und auf einer Ausstellung präsentiert wurde.
Seine ersten Zuchtversuche machte Dichtl mit Bruteiern, die er sich von zwei Züchtern aus Ostdeutschland schicken ließ. Ein ausgedienter, runder Hochsilo war der erste Hühnerstall, ein kleiner Durchbruch in der Betonwand ermöglichte den Hühnern den Weg in das angrenzende Freigehege.
Heute sind in den ehemaligen Ställen und landwirtschaftlichen Nebengebäuden vier Unterkünfte für die jungen Hähnchen, Hühner, Junghennen und Zuchttiere sowie die Futtervorräte untergebracht.
Mit dem 2017 gegründeten „Sonderverein zur Erhaltung der Zucht der Dorking und Zwerg-Dorking“ fand er rund 25 Gleichgesinnte aus Nord- und Ostdeutschland, einige sogar aus Niederlande, Belgien, Luxemburg und Portugal. In Bayern gibt es neben ihm noch einen weiteren Züchter in Waldsassen.
Dementsprechend war Hans Dichtl bei den jährlichen Ausstellungen unter anderem in Hannover, Oldenburg und Leipzig unterwegs. Heuer erwartet er nun rund die Hälfte der Vereinsmitglieder zum Sommertreffen vom heutigen Freitag bis zum Sonntag auf seinem Hof in Heiligenstadt dem ersten Züchtertreffen seit Gründung des Vereins.
In der „Tierbesprechung“ werden die Erfahrungen bei der Zucht der silberhalsigen, silber-wildfarbigen, goldhalsigen, gold-wildfarbigen, gesperberten und weißen „Farbschläge“ ausgetauscht. Letzterem gilt die Vorliebe von Hans Dichtl, auch wenn dieser nicht einfach zu züchten ist. Was die Tiere von den sonstigen Hühnerrassen grundsätzlich unterscheidet ist die „Fünfzehigkeit“ – sie besitzen fünf Zehen statt der üblichen vier. Dies ist ein Zeichen, dass es sich um eine Ursprungsrasse handelt.
Mit dem Ausbrüten von rund 50 Bruteiern versucht Hans Dichtl im Laufe einer Brutsaison diese strengen Kriterien zu erfüllen. Allerdings gelingt das meist nur mit ein bis zwei Hähnen. So bleiben genügend Tiere für die Versorgung der Familien der Kinder mit Hähnchenfleisch übrig.
Seine Frau Waltraud, die in einem Hofladen Hopfenkränze, Blumengestecke, Eier aus Freilandhaltung und Kartoffeln aus eigenem Anbau anbietet, schätzt vor allem das zarte, saftige, wohlschmeckende Hähnchenfleisch und die etwas kleineren Eier mit intensiven Dottergeschmack.
Halle vorbereitet
Gemeinsam bereiteten sie zwei Hallenbereiche für das Beisammensein mit den Gästen und für eine Ausstellung vor. Aufgrund der Lage des Hofes am Ortsrand gibt es keine Beschwerden von den Nachbarn, wenn in der Morgendämmerung die Junghähne um die Wette krähen.
