Stockschützen stemmen sich gegen den Niedergang – Am Samstag Dorfmeisterschaft in Schwaig

Seit die Winter immer wärmer werden und Gewässer nicht mehr zufrieren, ist das Stockschießen eine bedrohte Sportart. Als Eisstockschießen ist es außerhalb geschlossener Hallen schon gar nicht mehr anzutreffen und die Sommervariante des Stocksports fristet vielerorts auch ein bescheidenes Dasein. Im Neustädter Ortsteil Schwaig stemmt man sich dagegen.
Stockschießen war einst eines der beliebtesten Wintervergnügen. Man brauchte keine teuere Ausrüstung, keinen Pistenpass und man musste nicht weit fahren, um den Sport auszuüben. Gelegenheiten gab es meist vor der Haustür. Auf Teichen, Bächen und überfluteten Wiesen wurde, sobald es auch nur ein paar Tage Frost gegeben hatte und die Gewässer zugefroren waren, der Eisstock geschwungen. Stockschießen versprach Sport, Spaß und Unterhaltung.
Die Situation für den Sport hat sich grundlegend geändert. „Ich habe als Kind im Winter auf zugefrorenen Weihern das Stockschießen gelernt“, sagt Mike Hartl (62), Abteilungsleiter der Stockschützen des SV Schwaig. 93 Mitglieder hat die Abteilung, der jüngste ist 17, der älteste 80 Jahre alt, wobei die überwiegende Mehrheit der Mitglieder längst in der zweiten Lebenshälfte angekommen ist.
Ausdauer und Konzentration
Kurz: Es steht schlecht um den Nachwuchs. Die Situation beim Nachwuchs ist so, dass Mike Hartl sagt: „Heute wissen Kinder gar nicht mehr, was Stockschießen ist.“
Auch bei den Erwachsenen gibt es Rückgänge. Früher hatte der SV Schwaig zwei Damen-Mannschaften zu je vier Spielerinnen. Heute sind nur noch drei Frauen aktiv. Das reicht nicht einmal mehr für eine Mannschaft.
Stockschießen, einst Volkssport, droht ins Hintertreffen zu geraten. Die Konkurrenz ist nicht nur der Fußball. Im eigenen Verein erlebt Mike Hartl, wie eine Sportart, die eher als Randsportart gehandelt wird, Zulauf hat und Erfolge einheimst: Die Einradfahrer aus dem kleinen Schwaig (1100 Einwohner) haben es sogar schon zu Medaillen bei Weltmeisterschaften gebracht.
Max Moritz, ehemals Technikchef des Weltverbandes der Stockschützen und früherer Stadtbaumeister in Neustadt a.d. Donau, weiß, dass Stockschießen echter Leistungssport sein kann. „Man braucht Kraft, Ausdauer und Konzentration“, stellt er fest, „und es ist ein Mannschaftssport.“ Turniere dauern oft fünf, sechs Stunden. Mit den Bundesliga-Stockschützen des SV Mühlhausen spielte Max Moritz bereits in der Champions League.
In Schwaig denkt man in anderen Dimensionen. Hier spielt man in der Bezirksoberliga, der fünfthöchsten Spielklasse. Für die meisten Aktiven geht es vor allem um den Spaß am Sport und das Miteinander.
Brotzeiten zu gewinnen
So gibt es beim SV Schwaig eine Mannschaft, in der Opa, Oma, Sohn und Enkel spielen, was ganz besonders auch die Großeltern freut. Und der Opa stellt fest: „Unser Enkel hat Talent.“ Max Moritz bestätigt: „Als 13-, 14-Jähriger hat der Bub das Schießen beim Adventsmarkt öfter gewonnen.“ Zugleich gilt auch bei diesem Jugendlichen, dass es noch Alternativen zum Stocksport gibt, wenn es um die Freizeitbeschäftigung geht.
Der ehemalige Stadtbaumeister ist überzeugt, dass das Stockschießen eine gute Zukunft haben sollte. „Mittlerweile wir das ganze Jahr gespielt“, sagt der 72-Jährige. Und Möglichkeiten gibt es in Neustadt a,.d. Donau viele. „Es gibt kaum eine Stadt, wo so viel für den Stocksport geboten ist. Du kannst jeden Tag wo spielen.“
Um den möglichen weiteren Niedergang des Stocksports zu stoppen geht Mike Hartl mit seinen Stockschützen jetzt in die Offensive. An diesem Samstag wird die Dorfmeisterschaft stattfinden. Teilnehmen können vor allem Sportler aus dem Neustädter Ortsteil. Zu gewinnen gibt es einen Wanderpokal, der für ein Jahr im Besitz der Sieger bleibt, und Brotzeiten. Zinnbecher und -krüge, so die Erfahrung, stehen irgendwann doch nur noch als Staubfänger herum.
Anmeldungen sind bis Donnerstabend am Sportheim des Sv Schwaig möglich. Das Turnier beginnt am Samstag um 14 Uhr.


