Schützen kämpfen um Nachwuchs – Ferienaktion soll Hemmschwelle senken

Seit fast 150 Jahren gibt es die Feuerschützengesellschaft (FSG) in Neustadt a.d. Donau. Um den weiteren Bestand des Vereins zu sichern, beteiligt man sich jedes Jahr in den Sommerferien an der Ferienaktion der Stadt Neustadt a.d. Donau.
Schießausbilder Charly Probst erklärt den Kindern den Umgang mit dem Gewehr. Kimme, Korn, das Ziel anvisieren und ganz entspannt den Abzugshahn ziehen. Eigentlich ganz einfach. Die Jungs, mit denen Charly Probst am Stand steht, wissen bereits einiges, doch in der Praxis sieht das dann ganz anders aus.
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Der Lauf des Lichtgewehrs wackelt. Mal geht der Treffer zu hoch, mal ist er nicht in der Mitte. Dennoch schafft es Benedikt schließlich trotz einiger Fehlschüsse fünfmal ins Schwarze zu treffen.
Weil die Kinder nicht mit Luftgewehren, sondern mit Lichtgewehren schießen, wird auch keine Munition verwendet. Deshalb fliegen auch keine Projektile umher und die Treffer werden mit einem Lämpchen über der Zielscheibe angezeigt.
Ein Bub hat bereits erste Schießerfahrungen gemacht. „Mein Opa hat ein Luftgewehr“, sagt er. Fachmännisch urteilt er: „Luftgewehr ist einfacher.“ Ein anderer Bub pflichtet bei: „Beim Volksfest ist das ganz anders.“ Da wird auch nicht auf eine Entfernung von zehn Metern wie am Schießstand der FSG geschossen.
Lichtgewehre sind extra für den Nachwuchs entwickelt worden. Sie sind leicht und kürzer als Luftgewehre und – wichtig für die Sicherheit – sie arbeiten ohne Munition.
Charly Probst wird unterdessen nicht müde, den Kindern das kleine Einmaleins des Schießsports zu erklären. Immer wieder weist er auf den richtigen Stand hin, erläutert das Anvisieren und den richtigen Umgang mit dem Abzug. „Nur den Finger am Abzug bewegen“, rät er ein ums andere Mal.
„Über die Spitze schauen“
Zur gleichen Zeit steht Günter Brandl, Vorsitzender der FSG, mit anderen Kindern auf der Wiese hinter dem Vereinsheim der Feuerschützen. Hier wird mit Pfeil und Bogen geübt. Auch hier geht es um den richtigen Stand der Schützen zur Zielscheibe. „Einen Fuß nach vorn“, sagt Günter Brandl zu einem kleinen Jungen. „Du muss über die Pfeilspitze aufs Ziel schauen.“
Der Bub probiert es und wundert sich. Die Scheibe scheint unendlich weit weg. Dabei sind es nur zehn Meter. Aber das Spannen des Bogens kostet viel Kraft und wenn der Bogen nicht genug gespannt ist, „verhungert“ der Pfeil und landet noch vor der Scheibe im Gras. Schließlich – und das ist die Erfahrung, die alle an diesem Tag machen – klappt es doch. Der Pfeil landet auf der Scheibe.
Ein Vater, der seinen Sohn begleitet, gesteht: „Ich habe es auch schon probiert. Es ist gar nicht so einfach. Ich habe nur durch Zufall getroffen.“
14 Kinder sind an diesem Nachmittag bei den Feuerschützen. „Es geht darum, den Kindern zu zeigen, was man in einem Verein alles machen kann und dass sie die Hemmung verlieren, in den Verein zu gehen“, erklärt Günter Brandl. Er weiß, dass das bei Schützen nicht ganz einfach ist. Es gibt Imageprobleme. „Deshalb wollen wir auch die Eltern überzeugen und ihnen zeigen, dass hier ein ganz traditioneller Schützenbetrieb stattfindet.“ Das habe nichts mit Ballerei zu tun.
Sicherheit sei das oberste Gebot. Scharf schießen ist erst ab 18 Jahren und dann auch nur unter Aufsicht erlaubt, Luftgewehr ab zwölf Jahren. „Der Ablauf beim Schießen wird Schritt für Schritt erklärt. Bei Anfängern schauen wir, dass sonst niemand am Stand ist“, betont Brandl. Der FSG-Vorsitzende ist überzeugt, dass man schnell merke, ob jemand wirklich am Schießsport interessiert sei.
170 Mitglieder hat der Verein, der 1877 gegründet wurde. 50 Mitglieder werden zu den aktiven Schützen und Schützinnen gezählt. Die besten treten auch auf Meisterschaften bis hin zu Deutschen Meisterschaften an.
Würstl zum Abschluss
Training ist grundsätzlich an jedem Freitag ab 19 Uhr im Schützenheim an der Bad Gögginger Straße. Es wird Luftgewehr, Luftpistole, Kleinkaliber, Sportpistole und Großkaliber-Sportpistole geschossen. Und es gibt eine Jugendabteilung mit einem eigenen Jugendleiter.
Möglicherweise wird die Abteilung in Kürze um einige Mitglieder wachsen, wenn nach dem Ende der Sommerferien der Trainingsbetrieb wieder beginnt. Vielleicht kommen dann ja einige Kinder von der Ferienaktion vorbei. „Wir hatten schon Ferienveranstaltungen, da sind anschließend drei, vier Kinder zu uns gekommen“, sagt Günter Brandl.
Der Verein hat sich bemüht, dass das auch in diesem Jahr klappen könnte. Am Ende der Ferienaktion gab es nicht nur gegrillte Würstchen und Limo, sondern auch Urkunden und kleine Geschenke für die Teilnehmer.




