Hopfenbauern in Niederbayern erwarten gute Ernte und haben trotzdem Sorgen

Von Jochen Dannenberg · 24. August 2024 um 19:00

Kein Volksfest ohne Bier, kein Bier ohne Hopfen. Dabei geht es für Brauer und Hopfenbauern um mehr als Helles und Dunkles. Die Welt des Hopfens ist im Umbruch. Um welche Chancen und Probleme es aktuell geht, zeigte der Hopfentag der Interessengemeinschaft Qualitätshopfen Niederlauterbach (IGN) in Oberulrain. Das muss man wissen:

• Reiche Ernte erwartet: In wenigen Tagen beginnt die Hopfenernte. Sie wird nach Einschätzung von IGN-Geschäftsführer Mario Scholz gut ausfallen. „Wir erwarten eine gute, anständige Ernte“, sagte Scholz vor 200 Brauern und Hopfenpflanzern, die sich zum IGN-Hopfentag auf dem Hof der Hopfenbauerfamilie Ostler in Oberulrain getroffen hatten. „Aber“, schränkte der Geschäftsführer ein, „es wird keine Spitzenernte werden.“ Gleichwohl seien die Aromen Intensiv und die Qualität des Hopfens gut. Erwartet werden heuer rund 42 000 Tonnen, im vorigen Jahr waren es 35 000 Tonnen.

Das schafft Probleme, denn die Lager sind voll. Das bedeutet, es müsse eine „Anpassung“ stattfinden, stellte der IGN-Geschäftsführer fest. Anders formuliert: Die Anbauflächen werden reduziert. Bei den angebauten Sorten hat es in diesem Jahr eine Überraschung gegeben. Die Sorte „Titan“ fiel durch hohe Alphawerte auf. Sie gelten als primäres Qualitätsmerkmal des Hopfens.

Wichtig für das Wachstum der Pflanzen ist die Versorgung mit Wasser. In diesem Jahr, betonte Scholz, sei die Wasserversorgung „ausreichend“ gewesen. Insbesondere die Regenfälle der letzten Tage hätten für einen Anstieg der Alphawerte gesorgt.

• Verlauf des Hopfenjahrs: Das Wachstum der Pflanzen ist witterungsabhängig. Aufgrund des trockenen und warmen Frühjahrs gab es einen frühen Start in die Saison, sagte IGN-Vorsitzender Sebastian Kürzinger. Allerdings hätten die sehr starken Niederschläge in der Zeit von Ende Mai bis Anfang Juni auch für Hochwasserschäden gesorgt. Juni und Juli boten dagegen mit einem Wechsel aus Regen und Sonne „gutes Hopfenwetter“, ehe es Anfang August sehr heiß und trocken wurde.

• Krankheiten und Schädlinge: Schwüle und Feuchtigkeit sorgten für Peronospra-Infektionen. Sie gehen vom Wurzelstock aus. Erkrankte Bodentriebe sind gestaucht, gelbgrün gefärbt und haben nach unten zusammengekrallte Blätter. Gipfel- und Seitentriebe wachsen nicht weiter und vertrocknen. Um den Peronospra-Befall zu bekämpfen, wurde gespritzt. „Es geht darum, den Hopfen gesund zu erhalten“, stellte Georg Kindsmüller vom Hopfenring Wolnzach klar.

Außerdem war der Echte Mehltau zu finden. Das Problem: Die Zahl der möglichen Präparate, die gegen den Pilz eingesetzt werden können, sinkt. Die Hopfenbauern hoffen insoweit auf Hilfe der Bayerischen Landesanstalt für Landwirtschaft (LfL). 2024, stellte Kindsmüller klar, sei eines der schlimmsten Jahre mit Mehltau gewesen, „wenn nicht das schlimmste“. Weiter sorgten die Spinnmilbe, Erdflöhe und die Hopfenblattlauf für Sorgen.

• Bekämpfung von Schädlingen: Heuer seien auf einer Fläche von 100 Hektar zum ersten Mal Raubmilden zur Bekämpfung von Spinnmilben ausgebracht worden. Der Erfolg sei deutlich gewesen. „Das hat funktioniert“, sagte Georg Kindsmüller vom Hopfenring. Sebastian Kürzinger wies auf zwei weitere Ansätze hin, mit denen versucht wird, auf natürliche Weise Schädlinge im Hopfenbau zu bekämpfen. So wird auch auf die Heidelerche und Wilden Wein gesetzt. Der Wilde Wein wird an Masten gepflanzt. Er soll Lebensräume für Insekten schaffen, die Schädlinge vertilgen.

• Hopfen und Umwelt: Seit 98 Jahren wird im Institut für Pflanzenbau und Pflanzenzüchtung in Hüll, das dem LfL angehört, zur Zukunft des Hopfens geforscht. Mit Erfolg, wie Sebastian Gresset vom LfL betonte. So konnte der Kohlendioxid-Ausstoß im Hopfenanbau deutlich reduziert werden. Kam die Sorte „Northern Brewer“ 1960 noch auf einen Ausstoß von 45,5 Kilogramm je Kilo Alphasäure, bringt es „Titan“ nur noch auf einen Ausstoß von 16,7 Kilo. Aktuell liegt ein Schwerpunkt der Forschungen auf dem Hopfen der Zukunft, der eine bessere Energieefizienz hat und der auch den Anforderungen, die durch den Klimawandel entstehen, standhält.

200 Hopfenpflanzer und Brauer nahmen am „IGN-Hopfentag“ in Oberulrain teil. Foto: Dannenberg
In Kürze wird geerntet. Foto: Dannenberg
Bei einem Ausflug ging es um das aktuelle Erntejahr. Foto: Dannenberg
Die frischgebackene Hallertauer Hopfenkönigin Eva-Maria Pichelmeyer und ihre Vizekönigin Anna Fischer begrüßten die Teilnehmer der Tagung. Foto: Dannenberg