Wie der Kurort Bad Gögging Bad Abbach überholt hat – Hotelier erklärt die Veränderungen

Von Jochen Dannenberg · 21. August 2024 um 19:00

Ein Landkreis, zwei Kurorte: Doch in Bad Abbach und Bad Gögging (Landkreis Kelheim) läuft es sehr unterschiedlich. Zuletzt kam Bad Abbach aus den negativen Schlagzeilen nicht mehr raus. Dabei war der Markt einst dem Kurort in Neustadt a. d. Donau deutlich voraus.

So sieht es jedenfalls Karl Zettl, Hotelier und Klinikbetreiber aus Bad Gögging. „Wir haben einst neidisch auf Bad Abbach geschaut“, sagt er. „Einst“ – das war zurzeit der Gebietsreform 1972. „Bad Abbach hatte einen sehr rührigen Bürgermeister, die Klinik vom Roten Kreuz und einen sehr schönen Kurpark. Und die Menschen waren nach unserem Eindruck sehr aufgeschlossen für das Kurwesen.“

Bad Gögging war damals noch ein kleiner, sehr dörflicher Kurort rund um die Pfarrkirche St. Andreas. Das moderne Bad Gögging entlang der Heiligenstädter Straße bestand höchstens in den Träumen einiger Einwohner. Hinter den Träumen steckten einige Einheimische wie unter anderem Klaus Hachmann, Josef Kronauer, Brigitte Schie, Herbert Ritschel und Erich Griebl und anfangs vor allem auch Pfarrer Karl Rüth.

Sie wollten mehr aus ihrem Ort machen und hatten sich deshalb in Bad Abbach umgesehen. Das Ergebnis war eindeutig: „Wir sind a bisserl traurig nach Hause gefahren. Wir hatten damals ja noch nicht einmal ein Büro oder eine Kurverwaltung“, erklärt Karl Zettl.

Gegenseitige Forderungen

Doch die Veränderungen kamen – und sie liefen in Bad Abbach und Bad Gögging in unterschiedliche Richtungen. In Bad Abbach konzentrierte sich die Politik mehr auf die Entwicklung von Wohnraum als auf das Kurwesen, in Bad Gögging kam es zu einer Allianz zwischen Bezirkstagspräsident Sebastian Schenk, Neustadts Bürgermeister Joachim Meier und Landrat Rudolf Faltermeier.

Bad Gögging holte auf, bekam ein Kurmittelhaus, weshalb es nunmehr für alle Gäste Schwefel- und Moorbäder gab, egal wo sie untergebracht waren. „Und nach dem Kurmittelhaus ging es Schlag auf Schlag. Es haben sich neue Hotels bei uns angesiedelt und viele Pensionen haben sich auf Kurgäste eingestellt“, sagt Karl Zettl.

Und die „Gegginger“ formulierten Forderungen. „Bei einer Wahlversammlung haben wir dem Bezirkstagspräsidenten nahegelegt, dass er sich für Bad Gögging einsetzen muss. Erich Griebl und ich haben ihm den Ernst der Lage erklärt und darauf hingewiesen: ‘Wir sind dein Wahlkreis‘“, erinnert sich Karl Zettl.

Umgekehrt formulierte die Politik ihre Vorstellungen an die Bürger des Kurorts. Die Regierung von Niederbayern forderte Privatinitiative. Das führte unter anderem zur Einrichtung eines Fremdenverkehrsvereins. „Der fing bei Null an. Es gab vorher nichts, kein Programm“, sagt Zettl. Immerhin gab es Begeisterung für den Verein. 45 Mitglieder traten ihm sofort bei.

Die Unterschiede zwischen den beiden Kurorten verstärkten sich. Zwar bekam Bad Abbach ein „wunderschönes Kurhaus“, wie Karl Zettl sagt, aber es fehlten die Hotels. Dagegen entstanden in Bad Gögging mehrere große Hotels wie das Marc Aurel, das Vierjahreszeiten und der Eisvogel. Schließlich bekam Bad Gögging bekam seine Therme noch vor Bad Abbach. Damit waren die „Gegginger“ wohl endgültig vorn. Ein weiterer Grund für die unterschiedliche Entwicklung: Möglicherweise hatten die Menschen in Bad Gögging einfach die Zeichen der Zeit erkannt. Noch in den Dreißiger Jahren des vorigen Jahrhunderts war der Kurort nämlich durchaus beliebt bei Kurgästen gewesen, die dem Ort ein gewisses Flair verliehen.

Entwicklung nicht zu Ende

So sollen seinerzeit der Schauspieler und Sänger Johannes Heesters und der Bräu vom Brauhaus Riegele in Augsburg mehrfach zur Kur in Bad Gögging gewesen sein, sagt Karl Zettl. Alte Fotos würden zeigen, dass der Kurort damals Gäste hatte, die eine gewisse Eleganz liebten und lebten.

War alles falsch in Bad Abbach und alles richtig in Bad Gögging? Karl Zettl ist sich da nicht ganz einig. Er verweist dezent darauf, dass der Bau von Wohnungen in Bad Abbach für mehr Einnahmen bei der Einkommensteuer als in Bad Gögging geführt hat.

Und die Zukunft? Der Hotelier mahnt, dass sich Bad Gögging nicht ausruhen dürfe, sondern sich weiter entwickeln müsse. Er regt deshalb eine Trinkhalle nach den Vorbildern tschechischer Badeorte an und sieht dafür auch gute Chancen, verfüge Bad Gögging schließlich über drei Quellen, deren Heilwasser unterschiedliche Zusammensetzungen haben. „Und“, sagt er, „Trinkkuren werden wieder von den Kassen bezahlt.“ Zettl ist überzeugt: „Eine Trinkhalle ist ein Alleinstellungsmerkmal. Das fehlt uns.“

Schon vor über 100 Jahren wurde in Bad Gögging gekurt. Foto: Stadtarchiv Neustadt
Der alte Ortskern mit der Abensbrücke und der Andreaskirche Foto: Stadtarchiv Neustadt