Poikamer Wehr wird auf Vordermann gebracht – Kajak-Unglück beschäftigt Sicherheitsexperten

Taucher sind im Einsatz, Monteure, Wasserbauer, Kräne. Das Wehr Poikam bei Bad Abbach (Landkreis Kelheim) wird derzeit einem großen Reinemachen und einer Überprüfung unterzogen. Mit dem Kajak-Unglück vor gut einem Monat haben die Arbeiten nichts zu tun – dennoch beschäftigt der Fall die Experten.
Alle sechs Jahre werden Bauwerke wie das Kraftwerks-Wehr Bad Abbach-Poikam kontrolliert, erklärt die Pressestelle des Wasserstraßen- und Schifffahrtsamts (WSA) Donau MDK auf Anfrage der Mediengruppe Bayern. „Die Arbeiten an der Wehranlage haben bereits im April begonnen, wurden aber dann wegen der hohen Wasserführung der Donau und dem Hochwasser unterbrochen.“
Die Ausführung der Maßnahmen ist ein logistischer Meisterakt. Jedes Wehrfeld wird einzeln abgearbeitet. Es beginnt mit dem Stellen der Revisionsverschlüsse sowohl im Ober- als auch im Unterwasser des jeweiligen Abschnitts, sprich das Wehrfeld wird trocken gelegt. Allein für die Montage der Verschlüsse sind laut WSA zwölf Arbeitskräfte erforderlich, unter anderem Taucher und Wasserbauer. „Danach werden Reinigungsarbeiten durchgeführt, um alle Bauteile besichtigen und prüfen zu können.“ Aktuell werde das Wehrfeld vier gesäubert.
Prüfung auf Risse und Verschleiß
In Augenschein genommen werden dann Betonwände und Sohle (Prüfung auf Risse), mögliche Schäden beseitigt. Alle Lager, Stahlbauteile und ähnliches werden auf Verschleiß und Beschichtung überprüft, um einen allgemeinen Bauwerkszustand zu ermitteln.
Pro Wehrfeld ist ein Zeitrahmen von vier Wochen veranschlagt, erläutert das WSA Donau MDK. „Da aber dazu auch alle Voraussetzungen wie Wasserstände, Gerätschaften, Personal usw. vorhanden sein müssen, sind die Arbeiten am Wehr Poikam leider nicht mehr im Zeitplan.“ Daher könne man auch nicht abschätzen, ob die Arbeiten an allen vier Wehrfeldern noch heuer abgeschlossen werden können.
Schiffs- und Autokräne sind im Einsatz
Zum Bild der Baustelle auf dem Wasser zählt der Schwimmkran „LSB/SK Streber“, der von Bagger- auf Kranbetrieb umgebaut werden kann. Die Arbeiten führen die Beschäftigten des Außenbezirks Regensburg aus, in dessen Gebiet der Strecken- und Anlagenunterhalt von Kelheim bis Wörth/Donau liegt. Zum Einsatz kommen auch Fremdfirmen; diese stellen zeitweise auch Autokräne auf der Brücke. Die Prüfung der Bauwerke obliegt einem Prüfingenieur aus dem WSA Donau MDK.
Die Maßnahme liege nur zufällig zeitlich nahe am Unglück mit dem Kajakfahrer, so die Behörde. Wie berichtet hatte ein bulgarischer Teilnehmer der „Tour International Danubien“ am 24. Juni 2024 die Wassergasse verpasst, die kleine Sportboote um das Wehr lotst. Neugierde hatte ihn nahe des Bauwerks getrieben – er drohte in die Tiefe zu stürzen. An einer umgelegten Wehrklappe konnte er sich festklammern. Die Feuerwehr samt Höhenrettern hievte den Mann und das Boot aus der misslichen Lage.
Lösungsansätze für erhöhte Sicherheit
„Mit diesem Vorfall stehen die Arbeiten in keinem Zusammenhang. Sie waren bereits langfristig geplant.“ Dennoch: Das Unglück „lässt uns immer wieder über mögliche Sicherheitsanpassungen nachdenken“. Damit setzten sich Experten gerade auseinander. „Mögliche Lösungsansätze werden geprüft.“