Seit 30 Jahren kümmert sich Carmen Majehrke aus Elsendorf um hilfsbedürftige Igel

Ob Verletzungen, Unterkühlungen, oder Parasitenbefall: Die Elsendorfer Igelmama Carmen Majehrke weiß alles über Igel und wie man sie gesund pflegt. Dabei kommen auch 3D-gedruckte Objekte sowie Nagellack zum Einsatz.
Der Igel ist „Tier des Jahres 2024“: Damit will die Deutsche Wildtier-Stiftung auf die schwierige Lage der stacheligen Vierbeiner aufmerksam machen. Dass ihr Lebensraum schwindet und der Mensch mit seiner Technik immer bedrohlicher wird, weiß Carmen Majehrke aus Elsendorf nur zu gut.
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Carmen Majehrke kümmert sich um Igel schon seit über 30 Jahren. In ihrem Haus in Elsendorf hat sie eine Igelstation eingerichtet, wo sie sich um verletzte Tiere aus dem gesamten Landkreis kümmert – und das komplett ehrenamtlich. Ihre stacheligen Patienten haben unterschiedlichste Probleme: Milben- und Zeckenbefall, Unterernährung, Unterkühlung, Dehydrierung, Wunden.
Klinisch reine Gärten und Mähroboter bedrohen den Igel
„An den meisten Verletzungen ist der Mensch schuld“, erklärt die Tierfreundin. Das Problem seien nicht zuletzt „klinisch reine“ Gärten, die auch Insekten, Würmern und Co. den Lebensraum nehmen. Dadurch finden die Igel immer weniger zu fressen. „Das größte Problem sind aber die Mähroboter. Sie fügen den Tieren enorme Verletzungen zu: von Schnitten angefangen bis hin zu abgetrennten Körperteilen. Kleine Igelbabys werden von den Mährobotern sogar zerhäckselt“, sagt Majehrke.
Um die verletzten Igel zu versorgen, braucht sie viel Equipment. In ihrer Igelstation hat die Igelmama unter anderem Absauggeräte, Spritzenpumpen und Inkubatoren, wie sie in der Humanmedizin für Neugeborene zum Einsatz kommen. Bereits ein einfaches Besteck zum Setzen einer Infusion kostet etwa 25 Euro. Dazu kommen unzählige Medikamente sowie Katzenfutter für die Igel: Ein ausgewachsener Igel mit dem Normalgewicht von 1200 Gramm frisst täglich um die 600 Gramm Futter – also die Hälfte seines Körpergewichts.
Mähroboter als Bedrohung
Viele nötige Eingriffe müssenTierärzte durchführen. Die Kosten dafür trägt Majehrke, die nur wenig Spenden bekommt. „Oft kommt es vor, dass durch Unfälle mit Mährobotern und Motorsensen eine Beinamputation notwendig ist, um einen Igel zu retten. Dafür zahle ich beim Tierarzt mittlerweile den ,Freundschaftspreis‘ – das sind ungefähr 300 Euro.“
Im Landkreis Kelheim ist Majehrke inzwischen als Igelexpertin bekannt. Auch die Tierhilfe Kelheim verweist bei Anfragen zu Igeln auf die Elsendorferin.
Erste Igelstation mit 14 Jahren
Ihre Liebe für die stacheligen Tiere entdeckte Majehrke bereits mit fünf Jahren: „Mein Vater hat damals zur falschen Zeit einen Komposthaufen umgesetzt und dabei einen Igel leicht mit der Mistgabel angestochen. Den Igel brachten wir dann zu der ehemaligen Igelmama Erika Mayer, die leider bereits verstorben ist. Als Kind bin ich dann immer ausgebüxt und war ständig bei Erika.“ Dort hat Mahjerke gelernt, wie man verletzte Igel pflegt und ihnen bei der Überwinterung helfen kann. Bereits mit 14 Jahren hatte sie ihre erste eigene Igelstation – natürlich unter Aufsicht eines Tierarztes.
Die Stachel der kleinen Vierbeiner bemalt die Igelmama mit buntem Nagellack. Dadurch bekommen die Igel schrille, farbenfrohe Frisuren. Der Sinn dabei: Durch die Farbmarkierungen kann Majehrke ihre Patienten besser auseinanderhalten. Und jede Nagellackfarbe verrät, welche Medizin die Igel bekommen. „Meine Patienten tragen ihre Krankenakte auf den Stacheln“, sagt die Igelmama.
Machtlos gegen manche Verletzungen
Verletzungen an den Vorderpfoten sind ein Todesurteil für Igel. In solchen Fällen muss das Tier erlöst werden und wird vom Tierarzt eingeschläfert. Auch dafür trägt Mahjerke die Kosten.
Beinschienen aus dem 3D-Drucker
Verletzungen an den Hinterpfoten, wie Brüche, können hingegen in den meisten Fällen behandelt werden. Hierfür verwendet die Igelmama 3D-gedruckte Beinschienen, die ein Igelfreund aus der Schweiz spendet.
Igelpaten sind gesucht
„Normalerweise habe ich in meiner Igelstation eine sehr niedrige Sterblichkeitsrate von etwa zehn Prozent. Dieses Jahr stieg diese Zahl leider auf etwa 20 bis 25 Prozent. Schuld daran sind Mähroboter, die immer mehr zum Einsatz kommen“, erklärt Majehrke. Für ihre gesund gepflegten Schützlinge ist sie ständig auf der Suche nach Igelpaten, die bereit sind, einen Igel bei sich überwintern zu lassen: „Ich gebe nur gesunde Tiere ab, die gar nicht so viel Pflege benötigen. Dazu gebe ich den Paten auch immer eine Art ,Bedienungsanleitung‘ für Igel mit.“
Wer einen verletzten Igel findet, oder Igelpate werden will, kann Carmen Majehrke auf Whatsapp eine Nachricht unter der Nummer (0176) 41984700 schreiben.

