Tierärztin Judith Vetter aus Hausen reist quer durch den Kreis Kelheim zu Ross und Reiter

Von Martina Hutzler · 23. Dezember 2023 um 11:00

Das arg luftige Netz an tiermedizinischer Versorgung im Kreis Kelheim wird etwas dichter: Die Hausener Veterinärin Judith Vetter hat ihre „rollende“ Tierarztpraxis gestartet. Ihr Schwerpunkt sind die Pferde im Landkreis Kelheim.

Schon Hund und Katz‘ sind oft nur mit Mühe in eine Tierarztpraxis zu bringen – noch umständlicher ist das bei Pferden. Bei komplexen Behandlungen zwar unumgänglich. Aber in akuten Notfällen einerseits und bei weniger schlimmen Erkrankungen andererseits ist es oft einfacher, wenn der Mensch zum Tier reist statt umgekehrt. Allerdings finden sich bei uns, vor allem abends und wochenends, kaum noch Praxen, die überhaupt Pferde behandeln, schildert Judith Vetter. Die auf Pferde spezialisierten Kliniken in Schierling und Hilpoltstein „sind eh schon an der Grenze der Leistungsfähigkeit“, weiß sie.

Zunächst als angestellte Tierärztin begonnen

Sie selbst hatte zunächst als angestellte Tierärztin übers Kelheimer Zentrum für Tiermedizin angefangen, für Pferde einen Notdienst aufzubauen, für abends und wochenends. Dem sind allerdings arbeitsrechtlich enge Grenzen gesetzt. Auch deshalb hat sie jetzt den Schritt in die Selbständigkeit gewagt und Ende November ihre „Fahr-Praxis“ eröffnet.

Ihr dafür konzipierter Kleintransporter hütet alles Gerät und Material, das im Stall und auf der Weide nötig ist, um ein Pferd zum Beispiel auf Lahmheit zu untersuchen, auf Wunden am Körper oder Verletzungen im Auge. Routine-Zahnbehandlungen sind möglich; sogar die Geräte für Gastro- und Bronchoskopie sind an Bord – „,Husten-‘ und ,Magenpferde‘ sind leider aktuell ,im Trend‘“, weiß die Veterinärin aus leidvoller Erfahrung.

Hohe Anfangsinvestition

Ihre Anfangsinvestitionen ins Fahrzeug und die tiermedizinische Hightech-Ausstattung beziffert Judith Vetter auf rund eine Viertel Million Euro. Ja, das habe ihr schon die eine oder andere schlaflose Nacht bereitet. Und es ließ sie die Praxisgründung genau überlegen und durchkalkulieren.

So hat sie recherchiert, „dass es im Umkreis von einer halben Stunde von mir aus rund 1000 Pferde gibt“, verteilt auf einige große und viele kleine Ställe. Unwahrscheinlich also, dass die Arbeit ausgeht… Selbst wenn Pferde- und andere Tierhalter mittlerweile „genauer überlegen, ob sie zum Beispiel am Wochenende den Tierarzt holen“: Seit gut einem Jahr gilt die neue, sprich: deutlich erhöhte Gebührenordnung für Tierärzte. Ohne die wären aber die immer besseren, aber eben auch teureren Möglichkeiten der Tiermedizin nicht finanzierbar, sagt Vetter.

Freundin unterstützt bei Büro-Arbeit

Sie selbst will sich in die Existenzgründung vorsichtig vortasten und ihre rollende Praxis fürs Erste weitgehend alleine stemmen – lediglich unterstützt von einer Freundin bei der Büro-Arbeit und bei Bedarf auch mal bei Terminen, für die eine Helferin nötig ist. Geplante Termine will Vetter tagsüber abarbeiten; den Notdienst wochentags bis 21 Uhr, am Wochenende und Feiertagen bis 18 Uhr anbieten.

Zwar beschränkt sie sich bei den Großtieren auf Pferde (und Esel) als Patienten, aber für Kleintiere will sie mit ihrer Fahr-Praxis auch ausrücken, zumindest für Standards wie Impfen und Diagnostik – und für das Einschläfern im vertrauten Zuhause.

Hört sich also alles in allem nach dem Klassiker des Selbständigen-Daseins an – selbst und ständig arbeiten…?! „Anstrengend ist das schon, aber wenn man gut organisiert ist, geht‘s gut“, ist die 43-Jährige optimistisch.

Aus dem Sattel an die Uni

Sie muss es wissen: Vor ihrem 2020 abgeschlossenen Studium der Veterinärmedizin hat sie als selbständige Pferdetrainerin und Westernreiterin in den USA und Europa gearbeitet.

Damals und dann in Studium und Beruf habe sie sich auch ein gutes Netzwerk aufgebaut – auch das sieht sie als ihr „Startkapital“. So hat sie alle Schritte der Existenzgründung zeitgleich mit einer Freundin absolviert, die zwar weit weg wohnt, aber mit der sie in langen Telefonkonferenzen die diversen betriebswirtschaftlichen, bürokratischen und praktischen Hürden besprechen konnte.

Stationäre Praxis in Hausen - lieber doch nicht...

In dieser Planungsphase hatte sie auch überlegt, auf dem Hof am heimischen „Weinberg“ eine Praxis zu eröffnen – und hat die Idee wieder eingestampft: „Das würde dann doch zu viel werden.“ Immerhin wollen ja auch ihre eigenen zwei Pferde, zwei Katzen und der Hunde-Senior ab und zu was von Judith Vetter haben, und ebenso ihr Freundeskreis. Auch wenn sich der schon damit arrangiert hat, dass mitten an einem gemütlichen Abend das Handy klingeln kann und die Gastgeberin mal eben 50 Kilometer weit zu einem verletzten Pferd fahren muss.