Sternfreunde Kelheim werden 25 Jahre alt – Regelmäßige Sternführungen in Sausthal

Von Miro Lippoldt · 13. September 2024 um 11:00

Die Sternfreunde Kelheim wurden 25 Jahre alt. Auch nach so langer Zeit werden die regelmäßigen Sternführungen noch mit Leidenschaft geleitet. „Es ist herrlich hier, weil es so dunkel ist“, freute sich Gabi Polzer, Mitglied des Vereins. Jedoch sei die Lichtverschmutzung ein Problem.

Je nach Witterung und Jahreszeit finden in Sausthal wöchentliche Sternführungen statt. Bei einer war die Mittelbayerische Zeitung dabei.

Bereits vor Beginn tummelten sich Besucher um die Sternwarte in Sausthal bei Ihrlerstein. Es dämmerte schon, als es kurz nach 20 Uhr losging. Zuerst durften die Gäste den Mond betrachten.

Einer der jüngsten Besucher durfte mit dem Schlüssel sogar das Dach der Sternwarte öffnen. Martin Polzer, Mitglied und Leiter der Sternführung, stellte stets sicher, dass die Kleinsten zuerst durch das Teleskop schauen durften.

Lebenslanges Interesse

Bei der Sternführung waren auch zwei junge Burschen, auf welche Martin Polzer stets achtgegeben hat: Mit einer Trittleiter machte er die Teleskope auch für die Buben zugänglich. Er und seine Frau Gabi sind schon seit 2003 Teil des Vereins.

Allerdings schlägt sein Herz schon seit der Kindheit für die Astronomie: „Die Apollo-Mondlandungen von 1969 bis 1972 habe ich schon miterlebt. Das hat bei mir ein lebenslanges Interesse an Astronomie und Raumfahrt geweckt“, erklärte er.

Der Volkssternwarte in München, wo er aufgewachsen ist, trat er 1976 bei. Auch dort teilte er seine Kenntnisse, denn „die Vermittlung von Wissen hat mich schon immer begeistert“.

Bei der Führung betrachteten Besucher unter anderem die Milchstraße und die Ringe des Saturn. Das Wetter war optimal. Die Besucher waren allesamt begeistert und stellten viele Fragen. „Was ist ein Stern?“, wollte ein Besucher wissen. Andere fragten nach der Tiefe und dem Durchmesser der Krater auf dem Mond.

Durch die verschiedenen Interessen der Besucher werden die Vorträge stets unterschiedlich und bleiben spannend. Einzigartige Himmelsereignisse wie Kometenflüge oder Sternschnuppenschauer beobachten die Sternenfreunde ebenfalls gemeinsam.

Mit dem Spiegelteleskop, welches einen Umfang von 50 Zentimeter aufweist, konnten die Besucher am Samstag nicht in die Ferne blicken, da es kaputt war. Aber: „Die Ersatzteile wurden schon geliefert und es wird bald repariert“, zeigte Martin Polzer sich zufrieden.

„Zum Bauzeitpunkt der Sternwarte war dieses Teleskop das größte öffentlich zugängliche in Bayern“, erklärte Gabi Polzer. Auch heute ist es noch eines der leistungsfähigsten, größten und öffentlich zugänglichen Teleskope in Bayern.

„Lichtverschmutzung ist nicht nur für Astronomen ein Problem, sondern auch für die Natur“, erklärte Gabi Polzer. Außerdem sei es nachtaktiven Tieren zu hell, während tagaktive Tiere kaum schlafen können, weil es nicht dunkel genug ist. Pflanzen haben zu viel Licht. „Auch auf uns hat es Auswirkungen: Der Mensch kann, wenn es in der Nacht zu hell ist, nicht gut schlafen und das kann sogar zu Depressionen führen“, erläuterte Polzer. Sie erinnerte sich an die Corona-Zeit zurück, in der viele Lichter ausgeschaltet worden sind. So wurden beispielsweise Denkmäler nicht mehr angestrahlt. „Da hat sich die Natur auch erholt.“

Sausthal ist ein Ortsteil von Ihrlerstein und ist vom Wald umgeben. Die Lichtverschmutzung ist hier minimal, weshalb man mit bloßem Auge etwa 1000 Sterne sehen kann. Aber: „Die alten Griechen haben 6000 bis 8000 Sterne mit bloßem Auge gesehen“, wusste Gabi Polzer. In einer Stadt wie Regensburg hingegen könne man nur etwa 200 Sterne erkennen. Erbaut wurde die Sternwarte Sausthal im Jahr 2004 und ist somit schon 20 Jahre alt.

Als Vereinsmitglied darf er die Sternwarte auch außerhalb der Vorträge nutzen. „Mich fasziniert die unvorstellbare Größe des Universums, in dem es jenseits unserer kleinen Erde noch sehr viel zu entdecken gibt“, fand Martin Polzer. Seinen etwa 100 Vereinskollegen und den 15 Gästen geht es wohl genauso.

Sternbilder vorgestellt

Bei der Sternführung erfuhren die Besucher im kurzen Theorieteil viel über Sternbilder. Diese wurden mit einem speziellen Programm über den aktuellen Nachthimmel von Sausthal gelegt. Später galt es, diese dann auch ohne Vorlage im echten Himmel zu entdecken.

„Bei den Sternfreunden finden alle Astronomie-Begeisterten des Landkreises Gleichgesinnte zum Austausch und zum gemeinsamen Beobachten des Sternhimmels mit größeren Teleskopen“, sagte er. Wer auch dabei sein will, findet weitere Informationen zur Mitgliedschaft sowie den Aufnahmeantrag auf der Website des Vereins unter www.sternfreunde-kelheim.de.

Wer das nicht möchte, kann trotzdem an den Führungen der Sternfreunde teilnehmen. Diese werden ehrenamtlich und voller Leidenschaft organisiert und sind kostenlos – Spenden sind jedoch immer willkommen.

Die Himmelsbeobachtung mit professioneller Ausstattung will der Verein interessierten Bürgern ermöglichen. Foto: dpa