Weidings Tierhilfe kann wenig Tiere vermitteln, ist bis unter das Dach voll und trifft auf grobe Zeitgenossen

Es ist immer schon schwer gewesen, als Tierfreund auch Menschenfreund zu bleiben. In diesen Zeiten ist es besonders schwer. Die ehrenamtlichen Mitarbeiter der Tierhilfe Weiding sind an ihren Grenzen angelangt. An manchen Tagen gehen sie darüber hinaus. 16 Hunde sind dort zur Vermittlung, 30 Katzen und 19 Igelchen müssen betreut werden. Hinzu kommen grobe Zeitgenossen, die rumbrüllen und unverschämt sind.
„Heuer ist es extrem schwierig“, sagt die Vorsitzende des Vereins, Cathrin Röhricht. Die Tierhilfe kann kaum noch Tiere vermitteln. Bei etlichen Hunden versucht man es erst gar nicht. „Alt, krank oder bissig. Viel zu gefährlich für Familien und zu teuer im Unterhalt“, sagt Röhricht.
Das Problem mit Menschen
Denn die neue Gebührenordnung für Tierärzte hat es für manche Rentner fast unmöglich gemacht, Operationen oder schwere Krankheiten ihrer Vierbeiner finanziell zu überstehen. 500 Euro kann man heutzutage schon für eine Zahnsanierung hinlegen, wenn auch noch Zähne gezogen werden müssen, erzählt die Vorsitzende. Das schröpft die Vereinskasse. „Die Leute meinen immer, wir kriegen das umsonst. Das ist aber nur bei Wildtieren so. Ansonsten gibt es vielleicht einmal ein zehn, oder im besten Falle 20 Prozent“, erzählt sie.
Für den Verein, der sich aus Spenden, Mitgliedschaften und Patenschaften finanziert, ist das Leben dadurch nicht einfacher geworden. Eine Kastrationspflicht für freilaufende Katzen würde helfen, dazu eine Markierungspflicht. Da sind sich die Mitarbeiter einig. Aber nur wenige Kommunen in Bayern haben das bisher durchgesetzt. 30 Katzen sitzen derzeit in den Zimmern und eingezäunten Freiläufen der Tierhilfe. Viele Jungkatzen sind dabei. Ein Wurf stammt von einer Katzenmutter, die angemäht wurde und an den Verletzungen gestorben ist.
Schichten morgens und abends
Auch heuer wurden wieder viele kleine Igel abgegeben. Sie sind inzwischen in einem guten Zustand und sollen aufgefüttert und ausgewildert werden. Doch diese Tätigkeit ist sehr anspruchsvoll und zeitraubend. Sie bedingt auch Schichten morgens und abends.
Elf ehrenamtliche Mitarbeiter hat die Tierhilfe Weiding derzeit. „Wir bräuchten 14. Und dann hätten wir noch immer keine Doppelschichten, die manchmal nötig wären“, sagt Röhricht. Wenn die Lebenshaltungskosten steigen, sowie das momentan durch die Inflation der Fall ist, dann müssen manche Leute selber sehen, wie sie durchkommen. Für ehrenamtliche Mitarbeit ist da oft kein Platz mehr.
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Auch der Umgang hat gelitten. Seit Corona berichten auch die Tierschützer, dass die Menschen ruppiger geworden sind. „Da wird man schon mal angeblafft am Telefon, weil man einen verletzten Feldhasen nicht vor Ort abholt. Ich habe nur gesagt, dass das keinen Sinn macht, solange der Tierarzt ihn nicht gesehen hat. Ich brauche dann das Untersuchungsergebnis oder die Medikamente. Da wist du am Telefon angebrüllt, weil die Leute meinen, dass du verpflichtet bist, sofort loszufahren. Wir können aber halt auch nicht rund um die Uhr weg“, sagt Röhricht. Manche Zeitgenossen schicken auch nur den Google-Standort eines verletzten Igels. „Das geht nach dem Motto: Hol ihn, oder lass ihn sterben“, erzählt die Vereinsvorsitzende.
Wenn man dann noch all das Tierleid sieht, das meist auch von den Menschen verursacht worden ist, dann hinterlässt das Spuren. Tierfreunde können nicht mit Menschen, lautet eine alte Behauptung. Röhricht kann das aus eigener Ansicht bestätigen: „Das ist oft wirklich so, dass man sich beherrschen muss. Man sieht nur das Tierleid, nur das Schlimme. Man fängt tatsächlich an, sich auf die Tiere zu konzentrieren und die Menschen nicht mehr zu mögen. Man ist dauergenervt. Und diese Leute treffen sich dann im Tierschutz. Da ist es auch untereinander nicht immer einfach, auszukommen. Man muss wirklich an sich arbeiten.“ Manchmal hat sie in solchen Momenten daran gedacht, aufzuhören: „Aber das kannst du gar nicht. Die Tiere sind ja da. Manche sind nie mehr vermittelbar. Wo sollten die hin. Die anderen Tierheime sind auch voll.“
Wird es ein Gnadenhof?
Irgendwann kam ihr der Gedanke, einen Gnadenhof zu machen. Mit Besuchsrecht, Patenschaften und ohne Vermittlung. Es nimmt einen mit, wenn Tiere immer wieder zurückkommen. Und ganz oft deswegen, weil Menschen Fehler machen. Kürzlich hat eine Abholerin nach drei Tagen der Tierhilfe-Hündin in den Fressnapf gegriffen, obwohl sie wusste, dass der Hund sein Futter verteidigt. „Sie wurde gebissen, jetzt ist der Hund wieder da“, sagt Röhricht und zuckt resigniert die Schultern. Zehn Hunde sind ohnehin für immer bei der Tierhilfe: Zu alt, zu krank, zu unberechenbar. Da hat der Weg zum Gnadenhof schon begonnen.
