Tanja Federl aus Furth im Wald hat einen bunten Traum: Queere Menschen sichtbar machen

Von Johannes Schiedermeier · 14. September 2024 um 11:00

Tanja Federl ist 2017 mit ihrer Frau von München nach Furth gezogen. Sie hat einen bunten Traum, an dem sie unverdrossen arbeitet: Sie organisiert den Chamer Christopher-Street-Day am 21. September und möchte gerne, dass queere Menschen sichtbar sein können und sich in einem eigenen Verein organisieren.

Für Künstlerin Tanja Federl sind die jüngsten Entwicklungen eine Verquickung von Geschichte und Zufällen. Ihr Großvater stammt aus Furth, und ihre Eltern sind in der Rente nach Altrandberg gezogen. Als sie anfing, in München auch größere Objekte und Skulpturen zu fertigen, hätte sie Platz gebraucht. Platz, der unbezahlbar war. Dann kam der Zufall zu Hilfe, und sie kaufte in Furth ein schönes großes Haus.

Per Zufall zum CSD Cham

20 Jahre lang war sie zuvor in München schon in der queeren Szene aktiv gewesen. Ihr größter Erfolg: Die Organisation der Eurogames 2004 für queere Menschen. Die Stadt stellte dafür die Olympiahalle zur Verfügung, in deren Katakomben Tanja Federl ihr Büro hatte. „Die Eröffnungsfeier in der Halle war ein gigantisches Gefühl“, erinnert sie sich. Die Olympiahalle sei eine Woche lang gesteckt voll gewesen und im Olympiapark habe es abends Straßen- und Sportfeste gegeben und Wettkämpfe im Equality-Tanzen, wo Männer mit Männern und Frauen mit Frauen antreten. Die Eurogames steigen alljährlich in einer anderen europäischen Stadt.

Dann zog sie 2017 nach Furth und erfuhr 2023 durch Zufall vom Chamer Christopher-Street-Day. Den organisierte ein „Verein Kunterbunt“ für Amberg und Schwandorf. Auch in Cham habe man einen Partner gesucht. Federl wandte sich an das Chamer Bündnis für Toleranz und Menschenrechte: „Die haben mitgemacht und ich habe mich dann einfach gemeldet.“ 2023 lief sie noch mit und leitete eine Podiumsdiskussion mit Landtagsabgeordneten. 2024 organisiert sie nun federführend begleitet von Phillip Pietsch aus Amberg.

„In München kann es jeder“

„Es ist im ländlichen Raum natürlich schwieriger, als in München“, sagt Federl. In München sei das alles eine riesige Party mit Hunderttausenden am Straßenrand. „Hier hat man eher das Gefühl einer politischen Demonstration. Man ist eine kleinere Gruppe und wird eher skeptisch beobachtet. Das Gefühl dabei ist ein wenig bedrückend, manchmal sogar unangenehm. Seit die Rechten glauben, dass sie Rückenwind haben, ist es schwieriger geworden. Aber ich habe daraus meine eigene Erkenntnis gezogen: In München kann es jeder!“

Tanja Federl erkennt die Schwierigkeiten der Menschen mit dem Thema an: „Man konfrontiert Leute, die damit nichts zu tun haben. Das ist für die im Umgang nicht einfach.“ Als sie mit ihrer Frau nach Furth gezogen sei, habe man versucht, queere Menschen kennenzulernen. „Wir haben aber niemanden gefunden“, erinnert sie sich. Es gebe einfach keine Gelegenheit, sich kennenzulernen. Die Bevölkerung werde mit dem Thema nicht konfrontiert, weil es unsichtbar sei. Beim Christopher-Street-Day 2023 sei auch der Wunsch geäußert worden, queeres Leben sichtbar zu machen und Möglichkeiten zu schaffen, sich zu treffen. Nun hat sie ein neues Ziel: Sie will queere Menschen im Landkreis Cham erreichen und Kontakte herstellen. Im besten Fall soll es eine Vereinsgründung geben. „Ich bin gespannt auf die Resonanz“, sagt Federl, macht sich aber keine Illusionen: „Das wird schwierig und ist sicher nicht ohne. Aber es wird in allen Teilen Deutschlands schwieriger, aufgrund der starken rechten Szene.“

Ein Verein? – Schwierig!

Ein weiteres Problem sieht Tanja Federl darin, dass sie eine Reihe junger Menschen kennt, die aus dem Landkreis Cham abwandern in die größeren Städte, weil man vor Ort keine Orientierung findet. „Mit 16 ist es halt schwierig, wenn man merkt, dass man nicht ins Schema passt. Es ist bei Weitem nicht mehr so schlimm, wie vor 40 Jahren, aber wo lernt man jemand kennen? Wo erlebt man dann Liebe und Sexualität“, fragt Federl.

Zehn bis 15 Prozent der Menschen seien laut Forschung queer, sagt Federl: „Viele trauen sich nicht, das zu zeigen und zwingen sich zu einem Leben, das nicht zu ihnen passt. Wenn queeres Leben sichtbar wäre, dann müsste sowas nicht sein“, sagt sie. Und deswegen bleibt ein großes Ziel: „Ein Verein. Ein Verein wäre ein großer Schritt in die richtige Richtung.“

Auch in Regensburg verteilte Tanja Federl unermüdlich Flyer für das Event in Cham.