Die mysteriöse Todesursache des Further Drachens Fanny: Unterdruck statt Lanzenstich

In der Arena in Furth im Landkreis Cham warten die Urzeit-Menschen auf das Feuer und 1500 Zuschauer auf den Drachen. Auf der Ehrentribüne sitzt Staatsminister Albert Füracker. Doch Fanny ist tot. Gleich zu Beginn der Vorstellung. Elf Tonnen Drache füllen 3,50 Meter breit und regungslos das große Tor neben der Bühne. Der Stoff aus dem Further Albträume sind. Vor allem die des Thomas Roßmann.
„Vor zwei Minuten hatten wir sie noch problemlos dahin manövriert, wo sie jetzt lag“, erinnert sich der Chef der Drachenmannschaft. Ein entsetzter Blick auf die Fernbedienung. Hektische Suche nach einer brauchbaren Stör-Meldung. „Antrieb aus“, ist jetzt nicht gerade das, was bei einer Bedienmannschaft Freude auslöst. Das sieht man ja selber.
Fanny den Stecker gezogen
Was man in so einer Situation als Erstes macht, weiß jeder, der schon einmal wegen einer ausgefallenen Telefonanlage mit der Telekom gesprochen hat. Frage 1: „Haben Sie schon einmal den Stecker gezogen...? – Folgerichtig zieht die Mannschaft Fanny den Stecker. Die Lebenssysteme laufen wieder hoch und fallen bei jeder größeren Bewegung sofort wieder aus. Jedes Mal!
„Wir haben uns alle angeschaut und keiner wusste im Moment mehr, wie es weitergehen sollte. Ich habe gemerkt, dass der Sandro von der Tribüne herübergeschaut hat und habe den Zeigefinger quer über die Kehle gezogen: Der Drache ist hinüber! Draußen wartete die Legenden-Szene auf ihren Einsatz und wir konnten nicht einmal mehr den fahrbaren Untersatz unter den Drachen schieben, weil er mitten im Tor lag. Sonst hätte man improvisieren können und vielleicht die Legenden-Szene rauslassen...“, erinnert sich Roßmann an die verzweifelten Minuten, die sich qualvoll hinzogen.
Das war’s dann...
Elektronikausfälle habe man schon bei einigen Aufführungen überbrückt. Doch diesmal liegt alles brach. Drache im Tor, keiner mehr raus, keiner mehr rein. Und das Spiel ist zu diesem Zeitpunkt noch keine drei Minuten alt. Roßmann sieht geistig schon den Bürgermeister am Mikrofon: „Liebe Zuschauer, das war‘s dann für heute..!“
Irgendwann wären dann das Auslesegeräte und Diagnosegeräte zum Einsatz gekommen, man hätte Werkzeug geholt. „Das hast du ja nicht alles ständig vor Ort...“, sagt Roßmann und ist noch immer dankbar, obwohl er noch gar nicht genau weiß, wofür. War es Glück? Oder Erfahrung, oder Instinkt, oder einfach eine gute Mischung aus allem? Jedenfalls lässt er den Drachen nochmal hochfahren, um ihn dann ohne viel Kraftaufwand langsam zum Leben zurückkehren zu lassen. Dabei vermeidet er hohe Drehzahlen. Und siehe da, Fanny marschiert durch das Tor und bringt brav das Feuer.
Drache mit Herzproblemen
„Wir wussten alle nicht, was wir davon halten sollten. Und der Igl Markus hat irgendwann vermutet, dass Fanny Schwierigkeiten hatte, wenn sie große Leistung bringen musste“, sagt Roßmann. Ein Drache mit Herzproblemen – das kennt man bisher nur aus der Szene nach dem Lanzenstich. Trotz lebensgefährlicher Diagnose bringt man Fanny an diesem Abend noch regelkonform zu Tode. Dann bricht Hektik aus.
„Es war Samstagabend. Sonntag war wieder Vorstellung und niemand wollte das nochmal erleben“, erinnert sich Roßmann. Dominik Fischer habe dann das private Diagnosegerät geholt. Das Problem entpuppt sich als defekter Ladedruck-Sensor. Hinterher ist dann alles selbsterklärend: Jedes Mal, wenn die Drehzahl ein kritisches Level erreicht, kollabiert Fanny.
Der Glücksgriff in die Kiste
Alle Werkstätten am Ort werden durchüberlegt, von denen man so ein Gerät auf die Schnelle besorgen könnte. Dann rettet die Situation ein buchstäblicher Glücksgriff: Roßmann langt im Ersatzteillager in die erste Kiste, erwischt ein kleines Tütchen und allen ist klar: „Das ist es!“ Das Ersatzteil für 25 Euro ist schnell eingebaut und um 1.30 Uhr ist Fanny am Sonntagmorgen wieder fit für den Einsatz in der Arena, wo sie einen vorschriftsmäßigen Tod hinlegt.
Trotzdem sollte man nie aus den Augen verlieren: Fanny ist jetzt 14 – also nicht nur elektronisch gesehen ein Pubertier. „...und sie ist eine Frau“, sagt Roßmann.
