Birgit Grehmann behandelt in ihrer Praxis für Tierphysiotherapie bei Cham Kleintiere aller Art

Verspannungen, Muskelschmerzen oder Verzerrungen – nicht nur für den Menschen leidige Themen. Davon hat sich auch Birgit Grehmann in den letzten Jahren vermehrt überzeugen können. Seit 2007 betreibt sie in Thierlstein bei Cham ihre Praxis für Tierphysiotherapie.
Auch wenn Hunde aller Art den Großteil ihrer Patienten ausmachen, behandelt Grehmann hin und wieder auch Katzen, Kaninchen, Alpakas oder andere Kleintiere. Sogar ein Reh hat bei ihr auf der Behandlungsmatte schon Platz genommen. Außerdem ist sie Anlaufstelle zur Behandlung von Jagd- oder Polizeihunden.
Angefangen bei der klassischen Massage über Elektro- oder Hydrotherapie bis hin zu ausgefalleneren Anwendungen, wie die Blutegeltherapie oder die aus der traditionellen chinesischen Medizin stammende Akupunktur, umfasst die Bandbreite ihres Programms verschiedenste Anwendungsgebiete der klassischen Physiotherapie und darüber hinaus.
Ausbildung in der Tierklinik
Dafür hat sich Birgit Grehmann nach ihrer Ausbildungszeit in der damaligen Tierklinik in Miltach in den vergangenen Jahren stetig weitergebildet. So folgten auf die Ausbildung zur Tiermedizinischen Fachangestellten die Weiterbildung zur Pferdewirtin, Hundephysiotherapeutin und Akupunkteurin nach TCM. Zudem hat sie sich zur Fitnesstrainerin B-Lizenz ausbilden lassen.
Unabhängig davon, um welches Tier es sich handelt, verfolgt Birgit Grehmann stets ein Ziel: Lebensqualität für das Tier schaffen oder erhalten. Ein Patentrezept, um das zu erreichen, gibt es nicht, erklärt sie. „Generell muss man von Tier zu Tier ein unterschiedliches Therapieprogramm erstellen“, sagt sie. Dieses hänge nicht nur vom individuellen Krankheitsbild ab, sondern auch vom Wesen des Vierbeiners. „Manchmal muss man auch kurzfristig umplanen, weil sich das Tier manche Behandlungen nicht gefallen lässt“, erklärt Grehmann. Dann müsse sie sich Alternativen überlegen. Dafür brauche es viel Gefühl und ein Gespür für die Belange des Tieres.
Lesen Sie außerdem: Marie-Luise und Sabrina steckten ihren Männern in Pösing und Chammünster einen Maibaum
Dass sich Feingefühl auszahlt, ist sich die ausgebildete Tierarzthelferin sicher. „Einem Tier kann man nichts vormachen“, sagt sie. Ein wohlwollender Umgang mit ihm sei das A und O jeder Behandlung. Hinzu kommen die Beratung der Besitzer und hin und wieder auch aufmunternde Worte: „Oft braucht es Zuspruch an Besitzer und Tier zugleich“, sagt Grehmann. Besonders wichtig ist ihr dabei, ihre Behandlungsentscheidungen stets transparent für die Besitzer zu treffen und sich in diese hineinzuversetzen. „Ich stelle mir immer folgende Frage: Wie würde ich handeln, wenn es mein Hund wäre“, erklärt sie.
Um die Tiere, die mit ihren Besitzern zu ihr in die Praxis kommen, erst einmal kennenlernen zu können, nimmt sich Grehmann ausreichend Zeit. „Ich schaue mir das Tier erst einmal genauer an und entscheide dann, was möglich ist.“
Zusammenarbeit mit Tierärzten
Um mit ihrer Anwendung das Tier bestmöglich zu unterstützen, arbeitet sie eng mit den umliegenden Tierarztpraxen zusammen. Grehmann betont, dass sie mit ihrem Angebot keinesfalls in Konkurrenz zu den Tierärzten steht. Vielmehr handele es sich bei ihren Therapien um ergänzende Anwendungen, etwa nach Operationen. „Das ist im Grunde nicht anders als bei Menschen“, sagt sie. Diesen werde nach einer Operation immerhin auch eine Behandlung beim Physiotherapeuten oder eine Reha verschrieben. Viele Tierbesitzer die zu ihr kommen, tun das etwa auf Empfehlung des Tierarztes. „Die Beschwerden sind zum Beispiel genetisch oder altersbedingt oder rühren von Verletzungen, etwa nach Unfällen her“, erzählt sie.
Auffallend ist laut Grehmann, dass es immer mehr Hunde mit Problemen im Bewegungsapparat gibt – eine Entwicklung, die die heutige Tierphysiotherapeutin bereits während ihrer Arbeit in der Tierklinik bemerkt hat. „Das war letztlich auch der ausschlaggebende Grund dafür, mich auf diesem Gebiet weiterzubilden“, sagt sie. Auch die Gründe für diese Entwicklung seien vielfältig und reichten von erblichen Vorbelastungen hin zu den Auswirkungen immer häufigerer Kreuzzüchtungen.
Eine geeignete Möglichkeit der Behandlung von Knochen- und Gelenkproblemen ist laut Grehmann die Akupunktur. Dabei kommen bei der klassischen Akupunktur Nadeln zum Einsatz. Ebenso könne auf den sogenannten Bio Medical Laser zurückgegriffen werden. Dessen Wirkung sei für den Hund komplett schmerzfrei. „Die meisten Hunde lieben die Akupunktur und entspannen sich nach kurzer Zeit“, schildert Grehmann ihre bisherigen Erfahrungen. Die Massage habe bei Hunden hingegen eher präventiven Charakter und würde eher seltener gebucht.
Einschläfern oder Rollstuhl?
Unabhängig davon lautet ihre Philosophie: Bewegung ist Leben. „Wenn sich beispielsweise ein Hund gar nicht mehr bewegen kann, dann wird es kritisch“, sagt sie und betont gleichzeitig, dass eine Lähmung aber nicht zwingend ein Todesurteil sein muss. Viele der Hunde, die sie behandelt, seien auf Hilfsmittel, wie Rollstuhl, Bandage oder Orthese, angewiesen und kämen damit wunderbar zurecht. „Solche Hilfsmittel unterstützend einzusetzen, kann durchaus sinnvoll sein“, sagt sie. Aber auch dabei gelte: „Das Gesamtpaket muss betrachtet werden“, was heißen soll, dass es darauf ankomme, wie lebenswert das Leben etwa mit einem Rollstuhl für das Tier ist. Auch das müsse im Einzelfall individuell bewertet werden.
Und schließlich gebe es hin und wieder auch noch kleine Wunder. Ein Patient, der Birgit Grehmann bis heute im Gedächtnis geblieben ist, ist Hund Tommy, der nach einer zu spät erfolgten Operation nach einem Bandscheibenvorfall keinen Kot mehr absetzen konnte. „Nach drei Monaten intensiver Therapie hatten wir keine Hoffnung mehr, dass sich noch etwas ändert“, erinnert sie sich zurück. „Bis zu jenem Tag, als er plötzlich bei mir in der Praxis von alleine zu bieseln begann“ – für die Tierphysiotherapeutin ein Durchbruch, den sie nie vergessen wird. Seitdem weiß sie, dass es sich oft lohnt, hartnäckig mit dem Tier auf ein bestimmtes Ziel hinzuarbeiten, um alles, was noch da ist, zu aktivieren und am Ende vielleicht das scheinbar Unmögliche wahr werden zu lassen.
Weiterer Therapiemöglichkeiten für Vierbeiner
Schwimmtherapie: Schwimmen wird laut Birgit Grehmann zur Vorbeugung von chronischen Gelenkerkrankungen und nach Operationen am Bewegungsapparat eingesetzt. Zudem werden dabei die Nervenbahnen gelähmter Hunde, etwa nach einem Bandscheibenvorfall, reaktiviert.
Blutegeltherapie: Bei der Blutegeltherapie wird durch einen kleinen Biss ein Wirkstoffcocktail in den Organismus des Tieres injiziert. Der Speichel des Egels besitzt gerinnungs- und entzündungshemmende Wirkstoffe, erklärt Grehmann. Zudem wirke er schmerzstillend.
Elektrotherapie: Mit der sogenannten Horizontaltherapie ist laut Grehmann möglich, direkten Einfluss auf den Stoffwechsel zu nehmen und je nach Erkrankungsbild diesen herunterzufahren oder anzukurbeln. Dabei werden gesunde Zellen unterstützt und kranke wieder aufgebaut.







