Lustiges Reden über letzte Dinge: Das Theater Regensburg zeigt „Bondi Beach“

Das Altern hat seine komischen Seiten. Malte Kreutzfeldt inszeniert die Komödie von Rebekka Kricheldorf im Antoniushaus.
Schöne Sachen sagen Theaterkritiker über Malte Kreutzfeldt. Wenn er inszeniert, „kann man sich auf einen bedachten und intelligenten Abend einstellen. Immer gibt es einen unaufdringlichen Dreh ins Gekonnte und Besondere“, schreibt etwa Judith von Sternburg in der Frankfurter Rundschau. Und was ist nun der besondere Twist bei „Bondi Beach“, der Komödie, die am 21. September Premiere hat? Die Frage an den Regisseur, am Rand von Proben im schönen Biergarten vor dem Antoniushaus, führt gleich mitten hinein in ein Gespräch, das sich schnell in die Tiefe schraubt, bis ins Private.
Fünf Freunde werden gemeinsam älter und schwupps! finden sie sich in der zweiten Halbzeit des Lebens, in der alles schrumpft statt wächst, außer dem Fettring um den Bauch vielleicht. Ihnen wird bewusst: Das Leben ist nicht die Generalprobe, wir sind bereits mitten in der Vorstellung. Die Fünf schlagen sich also mit Patientenverfügungen, Fitnesstipps und den großen Fragen herum: Habe ich einen Traum nicht gelebt? Was soll von mir bleiben? Und wie geht das: gut altern?
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Klapprige Knie und ausgelutschte Liebesbeziehungen, gepflegte Weinwanderungen statt Nächte durchsaufen: Rebekka Kricheldorf tippt die Klischee vom Altwerden an und dreht sie auf Links. Sie packt den schweren Stoff in spitzzüngige Dialoge, umrundet das Feld mit Witz und zeigt der Wehleidigkeit den Mittelfinger, treffsicher, geschliffen und sehr komisch. Der besondere Dreh, meint denn auch der Regisseur, das ist der Text dieser blitzgescheiten Autorin, die so gekonnt ins Komödiantische das Tragische und Philosophische einwebt. „Dieser Abend hebt auf eine irre Art ab“, sagt Kreutzfeldt. Ständig kippt der Ton von witzig zu melancholisch, „wie beim Klickpedal am Fahrrad“, beschreibt er. „Das macht natürlich Spaß. Aber was mich interessiert ist weniger Virtuosität als Berührung. Es soll ergreifen.“ Schließlich geht’s hier um die Endlichkeit.
Zwölf Minuten trennten ihn vom Tod
Malte Kreutzfeldt, Jahrgang 1969, ist dem Punkt 2014 selbst sehr nah gekommen. Nur knapp überlebte er einen allergischen Schock. Vom Tod, sagte später der Notarzt, trennten ihn zwölf Minuten. Die Kernfrage von „Bondi Beach“ – was ist die beste Art, den Rest seiner Zeit zu leben? – ist ihm also nicht fremd.
Zoe (Franziska Sörensen), Fiffy (Silke Heise), Dennis (Thomas Mehlhorn), Nico (Michael Heuberger) und Tristan (Gerhard Hermann) überlegen, ob die Detox-Strategie aufgeht, wie die Surfer und Superschönen sie am legendären Bondi Beach bei Sydney praktizieren, also: werktags kein Alkohol, viel Sport und am Wochenende exzessives Zuballern mit allem, was ungesund ist.
Der Regisseur, der auch die Ausstattung übernimmt, platziert die Clique anfangs im chicen Wohnzimmer arrivierter Leute, wo bald Chaos einzieht. Palmen fächeln von der Decke, unterm Parkett liegt der Strand und vor den Freunden dehnt sich ein imaginiertes Meer. Kreutzfeldt schafft die Illusion ohne Video oder andere theatrale Aufputschmittel. Die beschränkten technischen Möglichkeiten im Antoniushaus fuchsten ihn anfangs. „Aber oft bringt einen gerade die Begrenzung weiter, sie zwingt einen, Ideen zu entwickeln.“ Ob die Freunde tatsächlich an den australischen Traumstrand reisen, bleibt offen.
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„Bondi Beach“ ist ein echtes Ensemblestück. Alle Schauspieler sind ständig auf der Bühne präsent, eine Hauptrolle gibt es nicht. „Und jetzt finden Sie mal ein Ensemble, in dem alle mit dieser Konstellation einverstanden sind!“, sagt Kreutzfeldt und zeigt sich schwer begeistert von Potenzial, Kollegialität und Souveränität der Regensburger Besetzung.
Spricht das Thema Alter auch die Jungen an? „Anfangs hatte ich da Sorge“, gibt der Regisseur zu. Als seine Kinder, 23 und 25, „Bondi Beach“ gelesen hatten, war er beruhigt: „Die fanden das super.“
„Bondi Beach“ hat am 21. September (19.30 Uhr) Premiere im Antoniushaus Regensburg. Wer vorab Eindrücke sammeln will: Matinee ist am 15. September (14 Uhr) im Antoniushaus, Eintritt frei.