Bauausschuss gibt grünes Licht für Batteriespeicher in Nittenauer Gewerbegebiet

Von Cornelia Lorenz · 11. September 2024 um 15:00

Ins Gewerbegebiet Hirschenbleschen soll bald wieder Bewegung kommen: Ein junges Unternehmen aus dem Allgäu will hier auf einem 1400 Quadratmeter großen Areal einen Batteriespeicher mit 19 Megawatt Leistung errichten. Die Mitglieder des Nittenauer Bauausschusses sprachen sich für das Projekt aus – hatten aber auch Bedenken.

Hinter dem Vorhaben steht die green flexibility GmbH aus Kempten. Für das vor einem Jahr gegründete Unternehmen war Christina Hepp ins Rathaus gekommen, um den Stadträten Details zu erläutern. Man werde bei dem Vorhaben in Nittenau nicht nur als Projektierer auftreten, sondern auch langfristig der Betreiber des Batteriespeichers sein, versicherte sie.

Keine Arbeitsplätze vor Ort

Konkret sollen auf dem Grundstück am Haidäckerweg zehn Batteriecontainer und fünf Wechselrichter aufgestellt werden. Die Anlage werde vollautomatisch gesteuert, lediglich für Wartungsarbeiten werde zweimal im Jahr Personal vor Ort sein, ebenso bei technischen Problemen, so Hepp.

Die Anlage solle als dezentraler Speicher dabei helfen, das Stromnetz zu stabilisieren und die vorhandene Netzinfrastruktur effizienter zu nutzen. Derzeit schreite der Ausbau der erneuerbaren Energien noch deutlich schneller voran als der von Batteriespeichern. Diese seien wichtig, um Stromüberschüsse aus Windkraft- und PV-Anlagen aufzufangen – und wieder abzugeben, bis sie tatsächlich benötigt würden. Mit diesem Modell verdiene man Geld, so Hepp.

So wenig Flächenversiegelung wie möglich

In Nittenau will die green flexibility GmbH nun kräftig investieren und eine Anlage im Wert von rund 60 Millionen Euro errichten. Auf dem gepachteten Grundstück am Haidäckerweg werde man versuchen, mit Hilfe von Kies die Versiegelung so gering wie möglich zu halten, erklärte die Projektleiterin weiter. Die Anlage werde mit einem Zaun gesichert und rundum begrünt. Via Mittelspannungskabel werde der Strom direkt beim nächsten Umspannwerk eingespeist. Derzeit laufe für das Projekt eine Netzverträglichkeitsprüfung. Den Bauantrag habe man im August gestellt und man hoffe, Anfang 2025 mit dem Bau beginnen zu können, so Hepp. Langfristig sei es auf dem Grundstück möglich, die Zahl der Batteriecontainer und damit die Leistung der Anlage zu verdoppeln. Darüber hinaus könne die Stadt Nittenau jährlich mit einer Gewerbesteuerzahlung im „niedrigen sechsstelligen Bereich“ rechnen, da man vor Ort eine lokale Betreibergesellschaft gründen werde.

Wertvolles Gewerbegrundstück

Bürgermeister Benjamin Boml (FW) meldete Bedenken an. „Das ist für uns wertvolle Gewerbefläche. Macht es Sinn, sie zu opfern, wenn dort keine Arbeitsplätze entstehen?“, fragte er in die Runde. Auch stellte er die Grundsatzfrage in den Raum, ob solche Batteriespeicher zur Verhinderung von Engpässen im Stromnetz derzeit tatsächlich nötig seien. Dabei verwies er auch auf den Bau des Südostlinks, der künftig vor allem Strom aus erneuerbaren Energien von Nord- und Ostdeutschland nach Bayern transportieren solle.

Christoph König (Grüne) erklärte, er halte Batteriespeicher grundsätzlich für notwendig, denn auch in Nittenau werde künftig wohl noch mehr Strom aus erneuerbaren Energien ins Netz eingespeist. „Das ist ein wichtiges Ding, das da entsteht“, sagte er. Allerdings, so räumte er ein, hätte auch er sich gewünscht, dass hier Arbeitsplätze entstehen würden.

Grünfläche wird gepflegt

Gunther Stangl (FW) wollte wissen, wie die Wartung ablaufe. Hepp versicherte, die Grünfläche auf dem Gelände werde regelmäßig gepflegt. CSU-Fraktionssprecher Thomas Hochmuth befürwortete das Projekt grundsätzlich, verwies aber auch darauf, dass man damit wertvolle Gewerbefläche hergebe. Florian Hummel (CSU) wollte wissen, ob man auf dem Gelände auch PV-Module installieren könne. Dazu erklärte die Projektleiterin, dies sei derzeit finanziell noch nicht rentabel, allerdings in der Zukunft denkbar.