Chamer erinnern sich an ihren ersten Schultag: Zur Feier des Tages gab es Currywurst und Pommes

Für insgesamt 507 Chamer Erstklässler, inklusive Chammünster und Untertraubenbach, beginnt heute der Ernst des Lebens. Viele können es oft gar nicht erwarten, endlich in die Schule zu kommen. Welche Erinnerungen haben bekannte Chamer an ihre Einschulung?
Für Günther Lommer, Ehrenpräsident des ASV Cham, war es 1952 so weit. Wie er sagt, musste er damals noch in die Knabenvolksschule in der Ludwigsstraße gehen. „In einer Klasse waren fast 40 Kinder“, erinnert er sich. Seine Lehrerin war „Frau Köstner“. „Sie war für die erste Klasse ideal. Sie konnte gut mit den Kindern umgehen, war den Kindern wohlgesonnen. Ich erinnere mich gerne an sie“, sagt Lommer. Eine Schultüte habe es zu seiner Zeit nicht gegeben. „Ich weiß nicht, ob das damals gang und gäbe war, es war ja die Nachkriegszeit, die Leut’ waren arm.“
Das Notwendigste im Ranzen
Im Schulranzen „war das Notwendigste drin“. Das soll heißen: keine Hefte, nur Schiefertafeln. „Deswegen musste man mit dem Schulranzen gut umgehen, damit man die Tafel nicht bricht“, sagt Lommer. Etwas, das noch nicht am ersten Schultag, aber einige Zeit später zum Thema wurde: „Im Winter mussten wir Holzscheite mitbringen, damit wir das Klassenzimmer heizen konnten“, sagt Lommer. Auch der Schulweg wurde stets zu Fuß bestritten, vor allem, wenn man vom Dorf gekommen ist. Günther Lommer habe es da gut gehabt, erst recht, als er später zur Schule in die Schleinkoferstraße musste. „Für mich war das kein weiter Weg, ich habe gleich daneben gewohnt“, sagt er.
Blickt er auf seine Einschulung zurück, könne er sich nicht daran erinnern, dass die Eltern damals dabei gewesen wären. Auch sei er nicht aufgeregt gewesen, im Gegenteil: „Ich hab’ mich wohlgefühlt in der Schule“, sagt Lommer.
Anders war es bei Daniela Karl, Rektorin an der Grundschule Chammünster. „Ich war so aufgeregt, dass ich sogar Herpes bekommen habe“, sagt sie. Dazu sei noch eine große Zahnlücke gekommen. „Das Foto von dem Tag schaut so schrecklich aus“, erinnert sich Karl zurück und lacht. Ihre Einschulung war 1979. „Die Schultüte war nicht selbst gebastelt, aber selbst gekauft.“ Und sie habe zur Schultasche gepasst. „Auf der Schultüte waren Schneewittchen und die sieben Zwerge. Sie war grün und leucht-orange. Gefallen hat’s mir nicht“, sagt Karl. Sie erinnert sich an ihre Lehrerin: „Frau Braun war sehr streng, aber ich hab’ ganz viel von ihr gelernt“, und an ihre Klassenkameraden. „Wir waren eine große Klasse in Windischbergerdorf mit mehr als 25 Kindern“, sagt Karl.
Weil sie keine Vorschule besucht hätte, habe sie zu Beginn der ersten Klasse noch nicht lesen können. „Das hat mich so geärgert, weil die anderen, die in der Vorschule waren, das schon konnten.“ Deswegen habe sie sich dahintergeklemmt und bis Weihnachten Lesen gelernt, um „zu der Welt der Großen“ dazuzugehören, sagt die Grundschulrektorin, die die Einschulung mit einer Tradition verbindet. „An meinem ersten Schultag haben wir dann Currywurst und Pommes gegessen. Das habe ich mit meinen Kindern fortgeführt“, sagt Karl.
Von einer „bösen Lehrerin“ kann Helmut Hagner, Unternehmensleiter bei Frey in Cham, erzählen. „Die Lehrkräfte waren aus einer anderen Zeit, das würde es heute nicht mehr geben“, sagt Hagner, der 1969 in die Schule gekommen ist. Unter anderem könne er sich noch gut an das In-die-Ecke-stellen und Vor-die-Tür-gehen erinnern – in jungen Jahren habe das einen geprägt.
Allgemein sei der erste Schultag ein „krasser Einschnitt“ gewesen. Da Hagner vorher keinen Kindergarten besucht habe, ist er nicht auf die Schule vorbereitet worden. „Es war schwer, in die Struktur reinzukommen“, sagt Hagner. Positiver sei dagegen die Erinnerung an die Schultüte: „Das war schon ein großes Ereignis“, sagt er.
Federmäppchen und Süßes
Claudia Zimmermann, Fraktionsvorsitzende der SPD/ÖDP im Chamer Stadtrat, hat schöne Erinnerungen an ihre Einschulung 1974. Vor allem, weil sie zu diesem Anlass unter anderem etwas Neues zum Anziehen bekommen habe. „Das war schon toll“, sagt Zimmermann. Auch ihre Lehrerin habe sie sehr gerne gemocht. Die beiden würden sich noch heute beim Aquajogging treffen.
In Zimmermanns grün weiß-karierter Schultüte seien unter anderem Federmäppchen und Süßigkeiten gewesen. „Und ich hatte einen ganz hässlichen lila Plastik-Schulranzen. Der hat nicht lange gehalten“, sagt sie. Nichtsdestotrotz: „Ich hatte eine schöne Grundschulzeit.“
