G8 ist in Cham noch nicht Geschichte: 25 Gymnasiasten treten im neuen Schuljahr zur Abiturprüfung an

Für die Schüler im Landkreis Cham beginnt am Dienstag, 10. September, das neue Schuljahr. Heuer jedoch mit einer Besonderheit: Im kommenden Jahr wird es an den Gymnasien keine Abiturprüfungen geben. Oder doch?
Mit der Umstellung vom achtjährigen auf das neunjährige Gymnasium fallen die regulären Prüfungen aus. Doch was passiert mit den Schülern, die im vergangenen Schuljahr krankheitsbedingt nicht teilnehmen konnten, nicht zugelassen wurden oder durchgefallen sind? Diese Oberstufenschüler können im Schuljahr 2024/2025 an so genannten Auffangschulen erneut an den Prüfungen teilnehmen. Das Robert-Schuman-Gymnasium in Cham ist eine dieser Schulen. Somit ist das G8 dort noch nicht Geschichte.
Lange Anfahrten vermeiden
„Seit vielen Jahren gibt es bei uns die Einführungsklassen“, sagt Rudolf Zell, Schulleiter des Robert-Schuman-Gymnasiums, in denen Realschulabsolventen die allgemeine Hochschulreife erwerben können. Mit dieser Klasse hätte es im neuen Schuljahr ohnehin ein G8-Abitur gegeben.
„Wir haben uns als Auffangschule beworben“, sagt Zell. In Absprache mit der Ministerialbeauftragten Anette Kreim sei die Auswahl getroffen worden. Im Vordergrund stand die regionale Abdeckung. Lange Anfahrtswege sollten vermieden werden, denn im Landkreis gibt es drei Gymnasien. Zell verweist auf die Wege der Schüler des Benedikt-Sattler-Gymnasiums, „für die ist Cham noch erträglich“.
„Die Einführungsklasse wurde zur Auffangklasse“, sagt Zell. In dieser werden 25 Schüler 2025 zur Prüfung antreten. Zell erklärt, dass die Schüler auch die Möglichkeit gehabt hätten, ins G9 zu wechseln, was in Cham aber niemand getan habe.
„Ich hab das G8 nicht verteufelt“
Wie beim G8 werden beim G9-Abitur fünf Fächer geprüft, bestehend aus drei schriftlichen und zwei mündlichen Prüfungen. Eines wird viele zukünftige Abiturienten freuen: Deutsch und Mathe sind zwar Prüfungsfächer, aber eines der beiden Fächer muss nicht mehr zwingend schriftlich abgelegt werden, so Zell. Und auch so sei die Zusammenstellung der Prüfungsfächer individueller. „Es ist wichtig, dass die Schüler richtig beraten werden“, sagt er.
„Alles hat seine Vor- und Nachteile“, so der Schulleiter über die Umstellung. Das P-Seminar in der 11. Klasse zähle zum Beispiel nicht mehr zum Abitur. Dafür bleibe das W-Seminar in der Q12 und der neuen Q13. „Ich hab das G8 nicht verteufelt“, persönlich am liebsten war Zell das ganz alte G9 mit der Kollegstufe und den Leistungskursen. Im neuen System gebe es aber die Möglichkeit, neben einem Leistungskurs einen Vertiefungskurs zu wählen.
Luft im System
„Die Umstellung auf G9 hat schon vor vielen Jahren begonnen. Jetzt ist sie in der Oberstufe angekommen“, sagt Birgit Maier, Schulleiterin des Benedikt-Sattler-Gymnasiums in Bad Kötzting. Auch wenn es im G8 Freizeit gegeben habe, sei durch die Umstellung „ein bisschen mehr Luft in dem System“. Dadurch hätten Schüler mehr Zeit für Aktivitäten.
Lehrer würden sich vor allem über mehr Reife der Schüler freuen. Man merke jedes Jahr, sagt Maier. Die Schulleiterin ist sich sicher, der Oberstufenunterricht mit den jungen Erwachsenen werde bestimmt spannend. Es ist „Neuland für Schüler und Lehrer“, aber „wir werden das gut hinbekommen“, sagt Maier. Auch die Schulleiterin aus Bad Kötzting begrüßte die Entscheidung, einen zentralen Ort als Auffangschule zu wählen.
Neue Herausforderungen durch das G9
Uwe Mißlinger, Schulleiter des Joseph-von-Fraunhofer-Gymnasiums, freut sich ebenfalls auf das kommende Schuljahr. Denn die Organisation sei gemacht – auch wenn diese ein paar Herausforderung mit sich gebracht habe. Denn bei der Wahl des Leistungsfaches haben Schüler viele Möglichkeiten. Würden zum Beispiel nur drei Jugendliche Französisch als Leistungsfach wählen, müsste eine volle Lehrkraft für fünf Wochenstunden eingesetzt werden, erklärt Mißlinger. Das sei durch den Lehrermangel nicht möglich.
Am Joseph-von-Fraunhofer-Gymnasium fand man deshalb eine Lösung: „Wir haben die Schüler eine Vorwahl machen lassen“, sagt der Schulleiter. Dabei durften die Jugendlichen eine Erst- und eine Zweitwahl abgeben. Die Organisation hat von dem „günstigen Wahlverhalten“ profitiert, sagt Mißlinger. Nur bei ein paar wenigen habe der Erstwunsch nicht geklappt, mit ihnen sei dann ein Gespräch geführt worden.
Eine weitere Herausforderung sieht der Schulleiter in den Abiturprüfungen 2026. „Ich rechne mit zwei Prüfungswochen“, sagt Mißlinger. Denn durch die individuelle Prüfungsgestaltung werde es viele Prüfungen mit wenigen Schülern geben.
Abiturprüfung ab 2026
Ab 2018: Im Schuljahr 2018/2019 kehrte das G9 an die bayerischen Gymnasien zurück.
Prüfungsfächer: Geprüft werden fünf Fächer, die die Aufgabenfelder sprachlich-literarisch-künstlerisch, gesellschaftswissenschaftlich und mathematisch-naturwissenschaftlich-technisch abdecken müssen. Zu den verpflichtenden Prüfungsfächern gehören drei auf erhöhtem Anforderungsniveau (Deutsch, Mathematik und das Leistungsfach) sowie zwei auf grundlegendem Anforderungsniveau. Unter den zwei weiteren Fächern und dem Leistungsfach müssen sich mindest eine fortgeführte Fremdsprache oder eine Naturwissenschaft befinden, sowie ein Fach aus dem gesellschaftswissenschaftlichen Aufgabenfeld und einem weiteren Fach nach Wahl.
Leistungsfach: Schüler können im neuen G9-System ein Leistungsfach wählen, dieses wird zum verpflichtenden Prüfungsfach. Deutsch und Mathe können nicht als Leistungsfach gewählt werden. In Vertiefungskursen können Schüler aber ihr Wissen verbessern. Der Kurs kann nur zusätzlich belegt werden und die Inhalte sind nicht abiturrelevant.
Substitutionsregel: Deutsch und Mathe sind verpflichtende Prüfungsfächer. Jedoch kann eine der beiden Prüfungen mündlich abgelegt oder ersetzt werden. Nämlich dann, wenn der Schüler eine Fremdsprache als Leistungsfach hat und eine weitere als Prüfungsfach wählt, dann kann auf die Abi-Prüfung in Deutsch verzichtet werden. Gleiches gilt für Mathematik mit einer weiteren Naturwissenschaft als Leistungsfach und als weiteres Prüfungsfach.