Schulstart: Weniger Kinder, gute Lehrerversorgung, neue Herausforderungen im Kreis Kelheim

An den drei Gymnasien, vier Realschulen und FOS/BOS/Wirtschaftsschule im Landkreis starten morgen unterm Strich weniger Kinder in den fünften Klassen als ein Jahr zuvor. Die Personalsituation stellt sich den Schulverantwortlichen erstaunlich positiv dar – aber sie haben mit anderen Herausforderungen zu kämpfen. Ein Überblick.
• Gymnasium Kelheim: 905 Schülerinnen und Schülern erwartet das Kelheimer Donau-Gymnasium am Dienstag, 27 weniger als vor den Ferien. Den Unterricht übernehmen 95 Lehrkräfte; das sei eine gute Versorgung, urteilt Vize-Schulleiter Thomas Mehringer. 127 Kinder in fünf Klassen haben als Fünftklässler Premiere am DGK. Weniger als im Vorjahr – wohl, weil die Regensburger Schulen heuer wieder Kapazität für Kinder aus dem Nachbarkreis Kelheim haben, so Mehringer. Baulich steht an der Schule selbst heuer nichts an; man sei aber noch von der Sanierung der städtischen Dreifachturnhalle betroffen.
• Gymnasium Rohr: Im Gymnasium Rohr sind 433 Jugendliche am Start, nach 452 im vorigen Schuljahr. Auf drei der 19 Klassen verteilen sich insgesamt 69 Fünftklässler; das seien, mit je 23, „sehr angenehme Klassen“, freut sich der neue Vize-Schulleiter Thomas Haslinger. Sein Vorgänger Thomas Michna ist seit 1. August an die Spitze gerückt, nachdem Carola Reim in Ruhestand ging. Eine weitere einschneidende Veränderung steht an: Wie berichtet, geht die bisher kirchliche Schule ab dem Schuljahr 2025/26 schrittweise in staatliche bzw. Landkreis-Trägerschaft über. Noch nicht final geklärt ist, wie die rund 40 Rohrer Lehrkräfte diesen Übergang mitvollziehen können. Und wohl erst in einigen Jahren absehbar ist nach Einschätzung von Thomas Haslinger, wie sich die neue Trägerschaft auf die Schülerzahlen auswirken wird.
• Gymnasium Mainburg: Ein neues Gesicht gibt es auch im Mainburger Direktorat: Susanne Poppe ist Nachfolgerin von Alexander Wildgans, der als Leiter ans Weidener Kepler-Gymnasium wechselte. Poppe ist verantwortlich für 850 Schülerinnen und Schüler (Vorjahr: 891), darunter 113 Fünftklässler, sowie für die 80 Lehrkräfte der Schule. Neu eingerichtet hat das Schulamt am GGM eine sogenannte Deutschklasse. Schulart-übergreifend sollen solche Klassen elf- bis zwölfjährige Kinder binnen eines Jahres sprachlich fit machen für die Regelschule.
• Realschule Abensberg: Nach sechs Einstiegsklassen im Vorjahr gibt es heuer fünf fünfte Klassen an der Johann-Turmair-Realschule, für 132 Kinder. Den Rückgang sieht Schulleiter Peter Spateneder gelassen; in der zweiten Hälfte des Jahrzehnts seien wieder steigende Schülerzahlen prognostiziert. Nach räumlich beengten Jahren haben die – aktuell 911 – Schülerinnen und Schüler nun wieder ausreichend Platz, dank eines kürzlich eingeweihten Modulbaus. Mit 96 Lehrkräften sowie sieben Referendaren sei die Schule auch personell gut versorgt, freut sich Spateneder. Er selbst hat einen neuen Vize: Daniel Forster ersetzt als Konrektor Michael Achter, der nach Obertraubling wechselte.
• Realschule Riedenburg: Wie gehabt in sechs fünften Klassen starten morgen 152 Kinder ihre Laufbahn an der staatlichen Johann-Simon-Mayr-Realschule. Über die konstant hohe Resonanz sei er „sehr glücklich“, sagt Schulleiter Thomas Dachs – auch wenn mit insgesamt 770 Jugendlichen mittlerweile Raumnot herrscht. Darauf hat Dachs auch schon per „Brandbrief“ hingewiesen und den Landkreis als Sachaufwandsträger um Erweiterung gebeten. Entspannt sieht er hingegen die Personalsituation: Mit 65 Lehrkräften gebe es keine Unterrichtslücken und sogar die Möglichkeit zu Wahlfächern wie Schach und Robotik.
• Mädchenrealschule Riedenburg: 66 Schülerinnen haben am Dienstag ihren ersten Tag an der kirchlichen Realschule St. Anna. Rechnerisch wären das „zweieinhalb“ Klassen; in der Praxis werden für die Kernfächer drei, für die Nebenfächer zwei Klassen gebildet, schildert Schulleiter Christian Fackler, der für aktuell insgesamt 442 Schülerinnen verantwortlich ist. Das entspreche dem langjährigen Durchschnitt.
Auch er kommt personell gut über die Runden, mit 38 Lehrkräften; auch in St. Anna ist Platz für Besonderes wie Philosophie und Italienisch. Froh ist Fackler, dass ein erster mehrjähriger Modernisierungsabschnitt dieser Tage abgeschlossen wird. Das bauliche Update galt vor allem den naturwissenschaftlichen Räumen.
• Realschule Mainburg: Knapp verpasst hat auch Mainburg drei fünfte Klassen. Mit 63 Neuankömmlingen sei aber zu erwarten, dass die Teilung nächstes Jahr noch nötig wird, durch Zuzug und Kinder, die vom Gymnasium herwechseln, schätzt Schulleiter Markus Bayerl. Er ist „guten Mutes“, dass das Kultusministerium seinem Antrag zustimmt und angesichts der großen Nachfrage die Schule aus der verordneten Zweizügigkeit entlässt. Dann droht freilich das Platzproblem noch zu wachsen.
Mit 396 Jugendlichen in 15 Klassen ist die Schule aktuell schon gut besucht. Eine Besonderheit ist dort die neue „Sprint-Klasse“ für Kinder mit Migrationshintergrund, die von der Deutschklasse kommen. Ihrer Empfehlung für eine weiterführende Schule sollen sie mit zusätzlichen Deutsch- und Mathestunden nachkommen können.
• FOS/BOS Kelheim: Für 384 junge Leute ist Vize-Schulleiter Anton Kolbinger am Beruflichen Schulzentrum (BSZ) Kelheim zuständig: 342 an der Fach- und 42 an der Berufsoberschule sind ab Dienstag wieder auf dem Weg zum Fach- oder allgemeinen Abitur. Im Vorjahr waren es insgesamt 413 Jugendliche.
Während weiterhin viele Realschul-Absolventen mit FOS und dann Studium weitermachen, kommen weniger Jugendliche nach der Ausbildung an die BOS, beobachtet Kolbinger: Viele Arbeitgeber legten sich mächtig ins Zeug, ihre eigens ausgebildeten Fachkräfte im Betrieb zu halten.
• Wirtschaftsschule: Die ebenfalls vom BSZ betreute Wirtschaftsschule in Abensberg startet am Dienstag mit je 16 Siebt- und Achtklässlern; die Stufen 9 und 10 leiden laut Schule noch unter der „Corona-Delle“. Auf längere Sicht sieht man dort aber eine Ausweitung auf die Jahrgangsstufen fünf und sechs als Option.
• Sozialpädagogik: Neben der schulpsychologischen Beratung gewinnt an den Schulen im Landkreis die sozialpädagogische Begleitung immer mehr an Bedeutung. Es gibt sie als Jugendsozialarbeit an Schulen (JaS, insbesondere für sozial benachteiligte und beeinträchtigte Jugendliche) sowie als Schulsozialarbeit (für alle Schülerinnen und Schüler), und zwar mittlerweile quer durch die Schullandschaft. Aus gutem Grund, heißt es aus den weiterführenden Schulen unisono.
So „teilen“ sich zum Beispiel das Kelheimer und das Mainburger Gymnasium seit vorigem Schuljahr eine Sozialpädagogin für die Schulsozialarbeit. Mainburgs Realschulleiter Bayer hat ebenfalls eine halbe JaS-Stelle beantragt, denn „die sozialen Probleme haben deutlich zugenommen“, insbesondere seit der Pandemie. Und bei Schülerproblemen wie Psychosen, massiven Fehlzeiten oder sogar kompletter Schulverweigerung bräuchten Eltern und Lehrer Unterstützung.
An der Abensberger Realschule ist Andrea Gietl schon im dritten Jahr als JaS-Fachkraft tätig. Dieses „sehr niederschwellige Beratungsangebot ist absolut sinnvoll“, bekräftigt Schulleiter Spateneder. Sein Kollege von der Mädchenrealschule St. Anna hat in Sachen JaS schon beim dafür zuständigen Kreis-Jugendamt angeklopft. „Das ist einfach ein wichtiges Thema, für alle Schularten“. Auch am Beruflichen Schulzentrum ist sowohl JaS als auch Schulsozialpädagogik im Angebot.
Über den Schulstart an Grund-, Mittel-, beruflichen Schulen und Förderzentren berichten wir gesondert.