Nach Hochwasser im Frühjahr: Drohen nun Verluste bei der Maisernte im Landkreis Cham?

Der Dauerregen und das Hochwasser im Mai haben den Bauern im Landkreis Cham Kopfzerbrechen bereitet. Die Witterung war laut dem Deutschen Wetterdienst „bis auf ein kühles Aprilintermezzo durchweg zu mild“. Extremniederschläge und schwere Gewitter nehmen zu, der Klimawandel lässt sich nicht leugnen. Wie wirkt sich das auf die Ernte der Chamer Landwirte aus?
„Der Mais ist heuer ziemlich früh dran“, sagt Franz Holzapfel, Kreisobmann beim Chamer Kreisverband des Bayerischen Bauernverbandes. Eigentlich werde der (Silo-)Mais, der überwiegend in der Tierversorgung und für Biogasanlagen eingesetzt wird, erst Mitte September geerntet. Doch einige Landwirte im Landkreis Cham hätten bereits damit begonnen. „Die Körner sind hart. Ich glaube, die Maishäcksler sind ab nächster Woche voll im Einsatz“, sagt Kreisobmann Holzapfel und fügt hinzu: „Im Großen und Ganzen steht der Mais gut da. Es sind eine gute Ernte und gute Qualität zu erwarten.“
Zu früh ausgesät
Wenn der Mais nicht so optimal gewachsen ist, dann könnte es sein, dass die Bauern zu früh mit dem Aussäen begonnen haben, denn „der Mais mag Kälte und Nässe nicht“, sagt der Kreisobmann. Er selbst habe damit bis um den 10. Mai gewartet. „Das hat uns der Mais gedankt“, sagt Holzapfel.
Sonst sei er schon früher mit dem Säen dran, meistens um den 25. April. Heuer habe er wegen der „schweren“, also nassen Böden gewartet und erst dann ausgesät, als der Untergrund abgetrocknet gewesen sei. Dass das Korn heuer gut gedeiht, liege daran, dass es „zur rechten Zeit“ wieder Regen bekommen hat, so Holzapfel. „Hinten raus war es sehr warm, so wie es der Mais mag. Er war im August schon sehr weit. Es ist jetzt unbändig schnell gegangen.“
Das Wetter muss mitspielen
Klar ist: Das Wetter muss mitspielen. Und solange der Mais noch nicht eingefahren wurde, besteht ein Risiko. „Wenn ein Unwetter kommt, kann alles wieder ganz anders sein“, sagt Holzapfel.
Er denkt zurück an Mitte August, als über den südlichen Landkreis Cham (Sattelbogen, Sattelpeilnstein und Zandt-Dietersdorf) Sturm und Hagelschauer gezogen sind. In einer Schneise von etwa 800 Metern sei der Mais dabei zu 100 Prozent kaputtgegangen. „Diese Wetterextreme hat’s früher nicht gegeben. Man kennt den Klimawandel schon und ist den Gefahren immer mehr ausgesetzt.“ Doch damit müssten sich die Bauern laut Holzapfel abfinden.
Um für die immer häufiger auftretenden Extremwetter gerüstet zu sein, müssten die Landwirte das Saatgut anpassen. „Wir greifen auf Sorten zurück, die nicht so empfindlich sind“, sagt Holzapfel. Zudem sollen unterschiedliche Sorten angebaut werden, die entweder Trockenheit oder Nässe gut wegstecken. „Der Landwirt arbeitet mit dem Wetter und er braucht das Wetter“, sagt Holzapfel.
Mehr Pestizide eingesetzt
Aufgrund der feuchten Witterung im Frühjahr hätten sich Pilze auf den Maisstauden vermehrt. Deswegen hätten die Landwirte heuer mehr Pestizide einsetzen müssen, um einem Ernteverlust entgegenzuwirken.
Das Grünland steht als Nutzfläche an erster Stelle im Landkreis Cham, gefolgt vom gelben Korn, das am zweithäufigsten angebaut wird, so Holzapfel. Teilweise seien heuer bereits vier Schnitte Wiesen geerntet worden. „Vor allem der erste Schnitt war sehr gut, weil das Gras durch die feuchte Witterung gut wachsen konnte.“
Die Getreideernte im Landkreis Cham falle heuer durchschnittlich aus. Im Großen und Ganzen sei sie „zufriedenstellend“, so Holzapfel. Der Ertrag und die Körnerqualität seien jedoch von Region zu Region unterschiedlich. Das Getreide sei schon vollständig eingebracht worden.
Aktuell beginnt die Erntezeit für das heimische Obst. Holzapfels eigene Apfel- und Birnenbäume tragen viele Früchte, sagt er. „Im Frühjahr hat man gedacht, dass sie erfrieren, aber sie haben es doch geschafft. Ich glaube, nach dem, was man so sieht, dass es heuer viel Obst gibt.“
Reiche Obstbäume und das Gelbe Band: Hier darf gepflückt werden
Hintergrund: Die Ernteaktion „Gelbes Band“ findet deutschlandweit statt. 2021 riefen das Bundesministerium für Ernährung und Landwirtschaft mit „Zu gut für die Tonne!“ und die Ministerien der Länder erstmals zur Ernteaktion „Gelbes Band“ auf, so die Kreisfachberatung Gartenkultur und Landespflege des Landratsamts Cham auf Nachfrage.
So funktioniert es: „Wer Obstbäume oder -sträucher besitzt, aber während der Obstsaison die vielen Früchte nicht abernten kann, markiert die Bäume und Sträucher mit einem gelben Band“, heißt es weiter. Dieses signalisiert: Hier darf jeder kostenlos für den eigenen Bedarf pflücken, ohne es vorher beispielsweise mit dem Baumbesitzer abklären zu müssen.
Ziel: Durch die Aktion soll die Lebensmittelverschwendung reduziert, der Blick auf regionales und saisonales Obst gelenkt sowie der wertschätzende Umgang mit Lebensmitteln sensibilisiert werden.
Organisation: An der Aktion könne sich jede Kommune eigenständig ohne Anmeldung beteiligen. Oft gehe die Initiative von Einzelgemeinden, Gartenbauvereinen oder Privatpersonen aus.

