Panzerfahrt, Biwak und Co.: „Mission12“ bietet Einblick in den Berufsalltag der Chamer Bundeswehr

Von Sabrina Kauer · 5. September 2024 um 19:00

Eine Fahrt im Panzer und das Leben auf dem Feld: Bei der „Mission12“ der Panzerbrigade 12 „Oberpfalz“ in Cham bekamen potenzielle Nachwuchs-Soldaten Einblick in den Berufsalltag bei der Bundeswehr. Nach dem ersten Event dieser Art entschieden sich rund 94 Prozent für eine Karriere beim Bund.

Ein lautes, dumpfes Rattern kommt näher und näher. Das, was Hauptmann Lorenz auf dem Übungsplatz in Waffenbrunn über die Panzer Leopard und Puma erzählt, ist kaum mehr zu hören. Stattdessen sind die Fahrzeuge zu sehen. Darauf stehen einige uniformierte junge Leute. Die Panzer ziehen ganz nah vorbei. Wegen der dicken Staubwolke war’s das nun auch mit dem Sehen. Doch das ist Teil des Soldaten-Berufsalltags, in den die Teilnehmer bei der „Mission12“ eintauchen können.

Das Event findet in diesem Umfang zum zweiten Mal statt, sagt Sebastian Lorenz, Hauptmann und Presseoffizier der Panzerbrigade 12 „Oberpfalz“ am Standort in Cham. Vom 2. bis 6. September haben 98 Teilnehmer – aufgeteilt in zwei Gruppen – die Möglichkeit, das Leben als Soldat kennenzulernen. In dieser Woche sind mehr als 90 Teilnehmer mit dabei, „davon sind 21 Prozent weiblich“, teilt eine Sprecherin der Bundeswehr in Köln auf Nachfrage mit.

Draußen übernachtet

Seit 6.30 Uhr sind die Jugendlichen am zweiten Tag ihrer „Mission12“ auf den Beinen. Geschlafen haben sie draußen im Zelt. „Die Nacht haben wir gut überstanden, der Schlafsack war sehr warm. Aber die Auswirkungen merkt man jetzt im Rücken“, sagt ein Jugendlicher. Er und weitere potenzielle Nachwuchs-Soldaten – alle zwischen 16 und 20 Jahre alt – suchen gerade mit Sonden den Weg nach Metall ab. Angst, auf eine Mine zu treten, brauchen die jungen Leute bei der „Mission12“ aber nicht zu haben.

Die Veranstaltung ist eine Personalgewinnungsmaßnahme, denn auch vor der Bundeswehr würden demografischer sowie gesellschaftlicher Wandel nicht Haltmachen. Um mehr öffentliche Präsenz zu erreichen und den regionalen Personalbedarf zu decken, hat die Panzerbrigade 12 „Oberpfalz“ in Zusammenarbeit mit dem Karrierecenter in München die „Mission12“ ins Leben gerufen, sagt Hauptmann Lorenz. „Die Teilnehmer dürfen mittendrin sein und alles hautnah miterleben.“ Nach der ersten Aktion dieser Art haben sich 59 von 63 Teilnehmenden, also rund 94 Prozent, für eine Karriere bei der Bundeswehr entschieden, so die Sprecherin auf Nachfrage.

Die Leute, die gerade keine Runde mit dem Panzer drehen, lernen andere Bereiche kennen, etwa den Scharfschützentrupp oder die Fernmeldestation. Ein Scharfschütze müsse Objekte aufspüren und erkennen können. Deswegen üben die Jugendlichen den Umgang unter anderem mit dem Fernglas. Die Gewehre stehen auch direkt daneben, aber „sie hantieren nicht damit“, sagt Hauptmann Lorenz.

Vom Ruhrgebiet nach Cham

Bei der „Mission12“ kann man ab dem Alter von 16 Jahren mitmachen. Der älteste Teilnehmer in dieser Woche war laut Hauptmann Lorenz Ende 40. Die meisten kämen aus Bayern, insbesondere aus der Region. Dennoch reisen manche auch aus dem Ruhrgebiet an. „Es sind viele dabei, die sich grundsätzlich für die Bundeswehr interessieren. Aber es gibt auch welche, die hier auf den Trichter kommen“, sagt Hauptmann Lorenz.

Das besondere an dem Event ist: Die Teilnehmer haben währenddessen schon die Möglichkeit, an einem Einstellungsverfahren der Bundeswehr teilzunehmen, sagt Hauptmann Michael P., der die „Mission12“ mitorganisiert hat.

Zudem seien Geräte aus mehreren Standorten der Brigade nach Cham gebracht worden, damit die potenziellen Nachwuchssoldaten das gesamte Portfolio sehen können – unter anderem den Kampfpanzer Leopard 2 aus Pfreimd, den Schützenpanzer Puma aus Regen oder den Schwerlasttransporter aus Roding. Auch das Gepanzerte Transport-Kraftfahrzeug (GTK) Boxer aus Cham konnten die Jugendlichen begutachten. Innerhalb der drei Tage lernen sie unter anderem noch wie man draußen Feuer macht, sich tarnt, wie man die Entfernung richtig einschätzt und ein Zelt aufbaut. Auch Feldhygiene, Hören und Sehen bei Nacht sowie das Zurechtfinden mit Karte und Kompass stehen auf dem Programm. In der Kaserne beziehen die Teilnehmer für eine Nacht ihre Stube, bevor sie beim Military Fitness laut Hauptmann Michael P. einem „anspruchsvollen Sportprogramm“ unterzogen werden.

Feldverpflegung „Einmannpackung“ (EPA) überzeugt

Beim gemeinsamen Grillabend haben die Interessierten die Möglichkeit, sich mit den Soldaten auszutauschen, und die „Einmannpackung“ (EPA) als Verpflegung auf dem Feld hat eine Teilnehmerin schon überzeugt: „Das Hähnchen mit Reis war sehr lecker“, sagt sie.

In diesen Zelten, aber auch in kleinerenZweimannzelten, die Dackelgarage genannt werden, haben die Teilnehmer übernachtet.
Den sechs Meter hohen Funkmast der Chamer Fernmeldekompanie bauen die Jugendlichen unter Anleitung auf und wieder ab.
Mit der Sonde suchen die Jugendlichen den Weg nach „Minen“ ab.
Der Kampfpanzer Leopard 2 wirbelt bei der Fahrt mit 60 Stundenkilometern eine dicke Staubwolke auf.
Eine Rundfahrt um den Übungsplatz mit dem Leopard 2 Kampfpanzer
Die „Einmannpackung“ (EPA) ist die Verpflegung auf dem Feld.
Scharfschützen müssen Ausschau halten.
Gewehre sind zwar vor Ort, solche bekommen die Teilnehmer bei der „Mission12“ aber nicht in die Hand.