Verhandlungen mit Aerumtec wegen Standortschließung in Bad Kötzting starten bald

Von Stefan Weber · 7. September 2024 um 05:00

Nachdem im Juli angekündigt worden war, dass das Aerumtec-Werk in Bad Kötzting (Landkreis Cham) geschlossen werden soll, gab es keine neuen Nachrichten mehr. Nun steht ein wichtiger Termin fest.

Nicht nur für die rund 120 Mitarbeiter war es ein Schock, was ihr Arbeitgeber Aerumtec ihnen bei einer Versammlung Anfang Juli mitgeteilt hat: Das Unternehmen, das Drähte und Litzen herstellt, und den Standort in Bad Kötzting (Landkreis Cham) erst Ende des Vorjahres übernommen hatte, kündigte an, den Standort bis Ende des Jahres ganz schließen zu wollen. Seitdem wurde nichts mehr bekannt über den weiteren Stand. Immerhin hatte das Unternehmen schon im Juli angekündigt, dass die Auftragslage so schlecht sei, dass im Werk in Bad Kötzting vielleicht schon im September keine Aufträge mehr abgearbeitet werden könnten. Doch: Wie sieht es nun tatsächlich aus, und wie wird das weitere Vorgehen geplant?

300 Arbeitsplätze fallen weg

Fragen, die unser Medienhaus in den vergangenen drei Wochen mehrfach an unterschiedliche Sprecher des Unternehmens gestellt hat, allerdings immer ohne Erfolg. Für die erste Neuigkeit seit Monaten sorgt daher jemand, der kein Mitarbeiter bei Aerumtec ist, nämlich Rico Irmischer.

Irmischer ist erster Bevollmächtigter der Gewerkschaft IG Metall in Regensburg. Er kündigt an, dass es die erste Verhandlung über die Schließung des Standortes von Aerumtec in Bad Kötzting am 10. September geben werde. Bei dem Treffen werde es aber nicht nur um die 120 Mitarbeiter aus Bad Kötzting gehen, sondern auch um die weiteren Stellenstreichungen, die es auch am Stammsitz im fränkischen Weißenburg geben soll. Zusätzlich zu den beiden Standorten in Deutschland beschäftigt Aerumtec nach eigenen Angaben auch im englischen Cinderford und dem chinesischen Changzhou insgesamt 500 Mitarbeiter, von denen am Ende des Stellenabbaus 200 übrigbleiben sollten – so zumindest die Aussage in der Pressemitteilung vom 9. Juli dieses Jahres, in der die Schließung des Bad Kötztinger Standortes bekanntgegeben worden war.

„In Bad Kötzting hat es seit längerer Zeit an Investitionen und vielleicht auch infolgedessen an neuen Aufträgen gemangelt“, sagt Irmischer. Betriebsrat und IG Metall hätten das immer wieder angemahnt. „Jetzt ist die Situation so festgefahren, dass sich die Geschäftsleitung zu einem so drastischen Schritt gezwungen sieht – ein massiver Schlag für die Beschäftigten, die teilweise wirklich jahre- und jahrzehntelang für den Betrieb gearbeitet und ihr Bestes gegeben haben.“

Darüber hinaus sei es ist natürlich „ein Schlag für die Region“. Immerhin stünden „gut bezahlte, mitbestimmte Arbeitsplätze vor der Streichung“. Den Wegfall dieser Jobs könne die Region nicht ohne weiteres kompensieren. „Wir erwarten von der Aerumtec-Geschäftsführung volle Transparenz und konstruktive Verhandlungen, die die Perspektive der Menschen in den Fokus nimmt. Schließlich sind es am Ende mal wieder die Menschen, die die Zeche zahlen sollen“, sagt Rico Irmischer.

Johann Lewicky, Betriebsrats-Vorsitzender bei Aerumtec führt noch an: „Wir verhandeln gemeinsam mit den Kollegen aus Weißenburg, um unsere volle Stärke zu nutzen und sicherzustellen, dass wir nicht gegeneinander ausgespielt werden. Natürlich probieren wir, für alle Beschäftigten das Beste rauszuholen. Was das für unsere Bad Kötztinger bedeutet, können wir vor der ersten Verhandlung nicht sagen.“

Was ist „sozialverträglich“?

Immerhin hatte Aerumtech Anfang Juli angekündigt, dass „sozialverträgliche Lösungen angestrebt“ werden sollten. Wie die bei einer Schließung eines ganzen Werkes im Falle von Bad Kötzting aussehen könnten, ist allerdings unklar. Wie sich die Aerumtec-Unternehmensführung diese Lösungen vorstellen könnte, das wird ab Dienstag Gegenstand der Verhandlungen sein, während derer es allerdings wohl keine weiteren Informationen geben wird.