Frau in Bruck fast ertrunken: Dank Tobias Storm und der Wasserwacht blieb Badeunfall glimpflich

Von Mittelbayerische Zeitung · 8. September 2024 um 05:00

Am 24. August kam es in der Brucker Sandoase zu einem Rettungseinsatz. Wasserwachtler Tobias Storm wurde auf eine Schwimmerin aufmerksam, die unter Wasser war. Umgehend reagierte die Wasserwacht Bruck (Landkreis Schwandorf).

Diesen Tag werden einige Wasserwachtler der Ortsgruppe Bruck und vor allem Tobias Storm sicher nicht vergessen. Es war ein sonniger, heißer Tag und in der Brucker Sandoase tummelten sich viele Badegäste, darunter auch Tobias Storm, Mitglied der Wasserwacht Bodenwöhr. Es war gegen 18 Uhr, als er zufällig bemerkte, dass eine Schwimmerin beim Baden offensichtlich gesundheitliche Probleme bekam.

Er bekam sie noch zu fassen

Sofort sprang er ins Wasser und schwamm so schnell er konnte zu der Frau. Als er sie erreichte, ging sie gerade unter und war im Begriff zu ertrinken. Er bekam sie gerade noch zu fassen und zog sie an die Oberfläche. Zwei Armzüge später und Storm hätte sie nicht mehr erwischt.

Da das Wasser in der Sandoase sehr trüb sei – ab einer Tiefe von einem halben Meter habe man praktisch keine Sicht mehr – wäre auch ein sofortiges Abtauchen nach der Frau ein reines Glücksspiel gewesen, so Storm. Ein rechtzeitiges Auffinden der Frau wäre dann wohl nicht mehr möglich gewesen. Da sie aber nur etwa 30 Zentimeter unter Wasser gewesen sei, konnte ihr Retter sie noch sicher greifen. Es sei Storm auch gelungen, sie in Rückenlage zu bringen, um sie dann mit dem klassischen Rettungsgriff an Land zu ziehen.

Eine Boje als Lebensretter

Jennifer Demling, Janina Pattloch und ihr Bruder Jonas sowie Selnia Seßler, alle junge Mitglieder der Wasserwacht Bruck, waren ebenfalls vor Ort und bemerkten die Aktion von Storm. Sie hätten die Situation sofort erkannt und seien deswegen zur Wachstation geeilt, um Hilfe von den erfahrenen Mitgliedern zu holen. Gemeinsam sei die in Not geratene Frau ans Ufer gebracht worden und man hätte mit der medizinischen Erstversorgung begonnen. In der Zwischenzeit war bereits der Rettungsdienst alarmiert worden, der sehr schnell eintraf.

Die Schwimmerin sei die ganze Zeit bei Bewusstsein gewesen, war aber sehr verängstigt, erzählen die Wasserwachtler. Es sei offensichtlich gewesen, dass sie viel Wasser in die Atemwege bekommen hätte. All dies bemerkte auch eine andere Badegästin, die über eine medizinische Ausbildung verfügte und sich zufällig zum Entspannen in der Sandoase aufhielt. Sie unterstützte die Wasserwacht sofort bei der Versorgung der notleidenden Frau.

Wasserwachtler Lutz Bücker, der ebenfalls an der Rettung beteiligt war, berichtete stolz, dass die Jugendlichen ohne Aufforderung sofort einen Sichtschutz um die Gerettete bauten, um sie vor neugierigen Blicken zu schützen. Bei der Frau habe es sich um eine sehr geübte Schwimmerin gehandelt. Doch bei einem medizinischen Problem würden auch geübte Schwimmer oft keine Chance mehr haben, erzählt Bücker.

Storm betonte, es sei ein absoluter Glücksfall gewesen, dass die Frau nach der Rettung noch bei Bewusstsein und ansprechbar gewesen sei. Bei rund 95 Prozent der aus dem Wasser gezogenen Personen sei dies nicht der Fall. Weiter sei es wie ein Sechser im Lotto, dass die Rettung in diesem Fall so gut geklappt habe. Die Notlage der Frau sei früh genug erkannt worden, die Jugendlichen hätten sehr schnell reagiert und auch die erwachsenen Kameraden hätten sofort die richtigen Maßnahmen ergriffen. Die Schwimmerin hätte genau das Quäntchen Glück gehabt, welches man in einem solchen Fall zum Überleben brauche.

Zur Aufarbeitung und Analyse trafen sich am vergangenen Sonntag die an der Rettung Beteiligten und der Vorsitzende der Kreis-Wasserwacht, Wolfgang Dantl, in der Wachstation in der Sandoase. Dantl hob dabei vor allem das sehr gute Zusammenspiel der Jugendlichen mit den Erwachsenen hervor. Hier zeige sich, dass die Brucker Wasserwacht-Jugend sehr gut ausgebildet sei.

Dantl bezeichnete die Wasserrettung – trotz aller Umstände – als eine positive Erfahrung für die Jugendlichen. Sie hätten gemerkt, dass sie genau richtig gehandelt haben. Es sei auch normal, dass man zur Aufarbeitung vielleicht in der Nacht von diesem Ereignis träume. Auch Trauer und Tränen bei einem nicht so erfolgreich verlaufenen Einsatz seien normal und würden helfen, Druck abzubauen. Dantl betonte auch, dass sie in einem solchen Fall immer Hilfe von Fachleuten bekommen würden, die für diese Nachsorge ausgebildet sind.

Auch die Ortsgruppenvorsitzende Bianca Thiede betonte, dass sie sehr stolz auf die Jugendlichen sei. Dieser Einsatz habe gezeigt, wie hoch der Ausbildungsstand sei. Man freue sich über jeden, der der Ortsgruppe beitreten möchte.

Als Lebensretter nannte Storm aufblasbare Schwimmbojen. Er sehe diese bei seinen Wachdiensten immer öfter. Das sei fast so etwas wie eine kleine Lebensversicherung. Sollte man untergehen, signalisiere sie, dass etwas nicht stimme. Ein Schwimmer könne so schneller gefunden werden.

Auch Dantl betonte, dass er diese Boje bereits selbst ausprobiert habe. Vor allem auf Seen, wo auch Segler, Kanuten oder Stand-up-Paddler unterwegs sind, sei sie eine gute Sache. Er mahnte: „Jeder kann ertrinken, egal wie alt man ist, denn vor gesundheitlichen Problemen ist niemand gefeit.“

Auch kleinere Badegewässer wie bei der Sand-Oase dürfen nicht unterschätzt werden: Das trübe Wasser erschwere die Rettung.