Experte über Abschiebungen krimineller Afghanen: Doch Taliban-Knast statt Heimatdorf?

Von Christian Eckl · 5. September 2024 um 08:06

Der Regensburger Afghanistan-Experte Reinhard Erös hatte gegenüber der Mediengruppe Bayern berichtet, dass sich die Afghanen wundern „wie über die Mondlandung“ über Deutschland. Man habe noch nie erlebt, dass Schwerstkriminelle mit einem afghanischen Jahresgehalt als Handgeld zurückgeflogen wurden. Jetzt behauptet die Bild: Die Abgeschobenen befinden sich im berüchtigten Taliban-Gefängnis in Kabul! Doch Experte Erös widerspricht!

Geht es den 28 von der Bundesregierung abgeschobene, schwerkriminelle Afghanen doch schlechter als vom Regensburger Afghanistan-Experten Reinhard Erös jüngst angenommen? Einem Bericht der Bild zufolge hat man die 28 Männer keineswegs, wie Erös meinte, in ihr Heimatdorf gebracht und ihnen zuvor die jeweils 1000 Euro Handgeld abgenommen. Diese Summe entspricht in etwa einem Jahresgehalt eines afghanischen Arbeiters. Innenministerin Nancy Faeser (SPD) hatte es den Abgeschobenen mitgegeben, weil sie anderweitig befürchtete, ein Gericht würde die Abschiebung noch vorab stoppen, wenn menschenwürdige Bedingungen vor Ort in dem von den Taliban beherrschten Land nicht gewährleistet seien.

Nun kommen erhebliche Zweifel daran auf, ob das so ist. Das Pul-e-Charkhi-Gefängnis ist das größte in Afghanistan. Angeblich ist in dem Gefängnis das Wasser knapp, im Winter sollen Häftlinge sogar bereits erfroren sein. Laut Bild sei man so mit den 28 aus Deutschland abgeschobenen Afghanen verfahren: Im Gefängnis werde nun „jeder Fall untersucht und ein Gericht entscheidet über das weitere Vorgehen“.

Doch Experte Erös widerspricht! „Ich habe heute mit Kabul telefoniert“, sagt der Regensburger, der beste Verbindungen auch zu den Taliban hat. „Man sagte mir, lediglich zwei der 28 abgeschobenen Afghanen sind in Haft – aber wegen Taten, die sie vor ihrer Zeit in Deutschland begangen haben!“

In Deutschland war bekannt geworden, dass die teils wegen schwerer Sexualstraftaten verurteilten Männer bereits zwei Drittel ihrer Haftstrafe in deutschen Gefängnissen verbüßt hatten. Vergleichbar ist eine Haft in Afghanistan sicher nicht mit jener in einer deutschen Justizvollzugsanstalt. „Ich kenne das Gefängnis sehr gut“, sagte dann auch Erös im Gespräch mit der Mediengruppe Bayern über das berüchtigte Pul-e-Charkhi-Gefängnis. Da sind die Männer aber keinesfalls, sagt Erös.

Allerdings glaubt auch er über das Schicksal der Abgeschobenen: „Denen geht es sicher nicht gut“, so Erös weiter. Der Experte wusste aber auch: „Die deutsche Seite hat meines Wissens nach nicht zur Auflage gemacht, dass die dort ins Gefängnis kommen.“ Im Hinblick auf die Haftumstände in einer solchen Einrichtung sagte Erös: „Natürlich ist das ein Unterschied wie Tag und Nacht in den Gefängnissen dort.“

Im Vorfeld hatte Erös berichtet, dass die afghanischen Medien derzeit kaum ein anderes Thema kennen würden: „Das ist wie die Mondlandung für die Menschen dort“, erzählte Erös. „Doch das hat es noch nie gegeben“, sagte der Oberstarzt a.D. zur Mediengruppe Bayern. „Dass ein westliches Land Schwerkriminelle mit einem Flug der Luxus-Fluglinie Air Qatar in ihr Heimatland schickt, ist das eine“, sagte Erös. „Aber dass sie dazu auch noch ein Handgeld in der Höhe eines Jahresgehalts mit in die Tasche bekommen, das ist die Sensation schlechthin“, so der Afghanistan-Experte. Erös weiter: „Die Afghanen lachen sich schief über die Deutschen.“