Viele Jahre Arbeit für alten Böhmerwald-Hof bei Waldmünchen

2015 haben Gaby und Markus Bauer den Mirtlhof in Ulrichsgrün erworben. „Eigentlich haben wir nur eine kleine Hofstelle zum Unterstellen von zwei Pferden gesucht“, sagt Markus Bauer. Mittlerweile ist das eine kleine Nebenerwerbslandwirtschaft. Aber das ist nicht das Besondere. Das Besondere ist der ursprüngliche Dreiseithof selbst, den die Bauers mit Hilfe ihrer Verwandten und Bekannten und einigen wenigen Handwerkern denkmalgerecht wiedererstehen lassen. Und das wollen sie beim Tag des Denkmals an diesem Sonntag ab 14 Uhr der Öffentlichkeit bei einem kleinen Hoffest zeigen.
Wie gut sie mit ihren Denkmalen umgehen, hat sich bereits 2018 gezeigt, als die Notsicherung ihres 1787 entstandenen Troidkastens mit dem Denkmalschutzpreis des Landkreises belohnt wurde. 2022 kam dann noch die Denkmalschutzmedaille hinzu. Ohne ihr Eingreifen wäre der Troidkasten wahrscheinlich demnächst zusammengebrochen.
Haus aus dem Mittelalter?
Mittlerweile haben die Bauers aber nicht nur den Troidkasten saniert, sondern auch die 1723 entstandene Scheune. Das geschah ab 2019. Jetzt sind sie seit 2022 dabei, das eigentliche Bauernhaus mit Stallung zu sanieren. Das Haus ist eine Mischung aus einem Bayerwaldhaus und einem Böhmerwaldhaus, erzählt Markus Bauer. Das Haus ist entweder im späten 18. Jahrhundert – also in der Zeit, aus der Scheune und Troidkasten stammen – entstanden oder wesentlich früher , nämlich im frühen 15. Jahrhundert. Dendrochronologische Untersuchungen - das ist der Vergleich von Jahresringen mit bekannten Daten – der Balken ließen beide Deutungen zu, sagt Bauer. Aber natürlich hofft er insgeheim, dass das kleine Bauerhaus schon kurz nach dem Mittelalter also um die Zeit, als Christoph Columbus Amerika entdeckte, entstanden ist. Immerhin gebe es Belege, dass auf dieser Hofstelle schon um 1680 Kinder geboren wurden.
Viele interessante Details
Das kleine Haus ist für jeden, der sich mit historischen, profanen Bauwerken beschäftigt, ein Schatz. Seine ursprüngliche Form, Anlage und Nutzung sind noch erkennbar. Einzelne Details – wie ein Stromkasten – zeigen, wie die Moderne nach und nach in das jahrhundertealte Gebäude Einzug hielt. An den hellen Holzlagen ist auch für den Laien ablesbar, was ersetzt werden musste und was noch Original-Bestand ist.
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Derzeit ist das Haus mit Dach und Außenhaut gesichert, die Sanierung im Innern muss teilweise noch folgen. Besonders schön ist schon im jetzigen Zustand eine Austragskammer im Oberstock des Gebäudes. Der kleine Raum hat noch den originalen Kachelofen und viele Ausstattungsgegenstände, die zum Gebäude gehören. Einen ähnlichen Ofen gibt es auch im Untergeschoss, er muss allerdings erst aufgebaut werden.
Am Sonntag werden auch Fotografien gezeigt werden, die das Haus im ursprünglichen maroden Zustand, in der Bauphase und im jetzigen Zustand zeigen. Hinzu kommt eine Baubeschreibung aus einer Brandversicherung vor 1900.
Dass die Bauers sich so für die Denkmale engagieren werden, ist sicher nicht selbstverständlich, weil sie ursprünglich ja nur nach einem Platz für sich und die Pferde suchten. Kreisheimatpfleger Josef Ederer jedenfalls hält das große Engagement der Familie Bauer für „vorbildlich“. Die Denkmalschutzauszeichnungen und die Förderung der Projekte sprechen eine ähnliche Sprache.
Das beruht offensichtlich auf Gegenseitigkeit. Denn während andere Bauherren eher die Konflikte mit dem Denkmalschutz betonen, sieht das Markus Bauer vollkommen anders. Die Zusammenarbeit mit dem Denkmalschutz sei einer der großen Glücksfälle in seinem Leben: „Wie ein Lottogewinn!“
Der Besichtigungstermin
Am Tag des Denkmals ist der Mirtlhof in Ulrichsgrün 1 von 14 Uhr bis zum Abend zu besichtigen.
Es gibt Hofführungen und die Denkmale des Hofes sind zu besichtigen und für die Öffentlichkeit zugänglich. Zudem werden auf verschiedenen Schautafeln Fotos und Dokumente gezeigt.
Der Tag des Denkmals ist mit einem kleinen Hoffest verbunden. Dabei gibt es Kaffee und Kuchen und Gegrilltes sowie verschiedene Getränke.
Die verlassene Höhensiedlung Hoener
Zum Tag des Denkmals wird eine zweite interessante Führung bei Waldmünchen angeboten. Der Kreisheimatpfleger Josef Ederer führt über die Fläche der historischen Höhensiedlung Hoener. Treffpunkt zu der Führung ist am Oberen Rosshof. Die Zufahrt dazu ist kurz nach dem Ortsende von Geigant in Fahrtrichtung Katzbach auf der linken Seite. Weil die Exkursion auch befestigte Wege verlässt und in den Wald geht, sollte festes Schuhwerk getragen werden. Parkplätze sind vorhanden.
Ederer erzählt, dass er sich schon in jungen Jahren beim Schwammerlsammeln in der Gegend gewundert habe, dass eine große Fläche des Hienerberges ohne die sonst üblichen Steine war. Das habe sein Interesse für weitere Nachforschungen erregt. Seine Vermutungen und Nachforschungen, dass es hier eine Siedlung gab, seien von Prof. Dr. Dietrich Manske vom Institut für Geographie der Uni Regensburg bestätigt worden. Dann sei das Gebiet von ihm selbst mit GPS, aber auch durch Airborne Laserscanning (Lasermessungen aus der Luft) aufwendig vermessen und untersucht worden. Schließlich sei so die Existenz einer ehemaligen Siedlung von zehn bis zwölf Häusern und eine Fläche für Viehhaltung und den Anbau von Getreide auf rund 110 Hektar bewiesen worden. Für diese Arbeit wurde Ederer 2013 mit dem Denkmalschutzpreis des Landkreises belohnt.
Bei der Exkursion wird Ederer die jetzt noch sichtbaren Zeichen der Besiedlung zeigen. Denn mittlerweile ist alles mit Wald bewachsen. Sichtbar sind aber weiterhin Steinhaufen, die auf ehemalige Gebäude oder Lesesteinhaufen, die auf Feldern und Hütewiesen hinweisen. Genauso sind ehemalige Weiher noch erkennbar. Eine spannende Erfahrung also für alle, die Zeichen ehemaliger Besiedlung erkennen wollen.
Die einstige Höhensiedlung Hoener ist auch urkundlich erwähnt, berichtet Ederer. Die erste nachweisbare Erwähnung ist im 12. Jahrhundert. Um 1490 taucht Hoener letztmals in Urkunden auf. Warum die Siedlung verschwand, ist nicht klar. Andere Höhensiedlungen blieben länger erhalten



