Foto Beer schließt nach 120 Jahren: Waldmünchen hat sein Traditionsgeschäft verloren

Seit Dienstag hat die Stadt Waldmünchen (Landkreis Cham) eine Institution verloren. Still und ohne dass es an die Öffentlichkeit drang, wurde das Fotoatelier Beer in der Bahnhofstraße geschlossen. Damit geht eine über vier Generationen dauernde Familientradition von Fotografen zu Ende.
Gegründet wurde das Studio kurz vor der Wende zum 20.Jahrhundert in den 1890er Jahren in Stratsried. Aber schon 1911 entstand in der Bahnhofstraße in Waldmünchen das Fotoatelier, das bis vor wenigen Tagen noch Sitz des Fotografen-Geschäftes war. Zuletzt war das Geschäft im Besitz von Isabella Beer.
Das Gesicht des Fotogeschäftes ist für alle Waldmünchner aber Hans Beer. Der 73-Jährige hat in den letzten Jahren den Menschen in Waldmünchen, aber auch in Domazlice und anderen Orten des Grenzlandes sein fotografisches Erbe und das seiner Vorfahren zugänglich gemacht. Die Waldmünchner werden sich noch mit viel Freude an die Ausstellung mit alten Waldmünchner Bildern im ehemaligen Kaufhaus Reitmeier erinnern.
Über 100 Jahre Stadtgeschichte festgehalten
Mindestens ebenso interessant sind die Bilder, die Beer zu der Ausstellung über den Cerchov im Chodenmuseum in Domazlice besteuerte. Beide Ausstellungen sind auch in Büchern dazu festgehalten.
Die Fotografien der Familie Beer haben über 100 Jahre Stadtgeschichte von Waldmünchen und den umliegenden Orten festgehalten. Auch die Entstehung eines Fotostudios auf dem flachen Land in der Mitte der Kaiserzeit war etwas besonders. Damals waren Fotostudios noch absolute Errungenschaften der neuesten Technik. Wer das Gebäude von Foto Beer in Waldmünchen genauer ansieht, der kann noch erahnen, dass es einstmals als Atelier mit einer großen Fensterfront nach Süden erbaut worden war. Also verschwindet mit dem Fotostudio nicht nur ein Stück Lokalgeschichte, sondern auch ein Teil der lokalen Fotografiegeschichte.
Hans Beer war nicht nur der bekannte und geschätzte Fotograf der Waldmünchner, seine private Leidenschaft gilt der Kunst. Bei Gesprächen erzählte er immer wieder gern, welche Kirchen, Bau - und Kunstwerke er am Wochenende besichtigt und natürlich auch fotografiert hatte. Zu einem späteren Zeitpunkt will uns Beer mehr über die Geschichte des Fotogeschäftes erzählen.
