Aus der Finanzbranche in die Fahrradwerkstatt: Ehemalige Triathletin lebt ihre Leidenschaft

Von Ramona Teufel · 5. September 2024 um 05:00

Fahrradfahren und am Rad rumschrauben, war für Frauke Tresselt lange nur ein Hobby. Nach einem langen Tag im Büro schwang sie sich abends auf ihr Rennrad und konnte so für ein oder zwei Stunden den Kopf freibekommen und die Natur genießen. Vor drei Jahren tauschte sie dann die Arbeit in der Buchhaltung eines Energiekonzerns gegen Schraubschlüssel und Lötkolben und arbeitete fortan als Zweiradmechanikerin.

Die Leidenschaft zu Fährrädern und dem Radfahren ist Tresselt anzusehen. Sie trägt nicht nur Ohrringe, die die Form eines Fahrrads haben, sondern ein Rad-Tattoo ziert auch einen ihrer Oberarme. Stolz führt sie durch die noch nicht fertigen Räumlichkeiten in der Fritz-Fend-Straße in Regensburg. Sie präsentiert den Verkaufsraum, den Bike-Fitting-Room und die Werkstatt. Am vergangenen Sonntag war es nach monatelanger Planung soweit: Frauke Tresselt eröffnete gemeinsam mit ihrem Team ihren ersten eigenen Laden Radonerd.

Auf Radfahren spezialisiert

Ihr erstes Rennrad kaufte sie sich 2015. „Ich habe ein gebrauchtes Rennrad auf Ebay gekauft – es war mir viel zu groß“, erinnert sie sich. Sie sollte damals ihren Vater, der leidenschaftlicher Rennradfahrer war, zu einem Langstreckenrennen am Bodensee begleiten. Zwei Wochen nachdem sie das Rennrad gekauft hatte, war es soweit und das 220 Kilometer lange Rennen stand an. Trotz schmerzenden Beinen danach, war ihre Faszination für das Rennradfahren entfacht: Sie fing daraufhin an für Triathlon-Wettkämpfe zu trainieren.

Tresselt, die in der Triathlon-Hochburg Roth aufgewachsen ist, nahm 2019 sogar an der Langdistanzstrecke der Challenge Roth teil. Doch nach der Teilnahme begann die Corona-Pandemie und sie spezialisierte sich auf das Radfahren. „Ich lief noch nie besonders gern und Schwimmtraining war gerade während der Corona-Pandemie fast nicht möglich“, erklärt die 29-Jährige.

Traum vom eigenen Laden

Zu dieser Zeit fing sie auch an, kleinere Reparaturen an ihrem Fahrrad selbst zu machen und daran rumzuschrauben. Ihre Leidenschaft zu Zweirädern wurde immer stärker. Heute fährt sie nicht nur gern Rennrad, sondern vor allem auch Gravelbike. „Man hat das Gefühl vom Rennradfahren, aber kann zudem auch auf Schotterwegen fahren“, schwärmt die 29-Jährige. Ihre Liebe zu Rädern ging sogar soweit, dass Tresselt ihren Beruf wechselte. Nach dem Abitur absolvierte Tresselt ein BWL-Studium und arbeitete anschließend in der Buchhaltung eines Konzerns. Ihr beruflicher Weg führte sie nach München, bis sie vor etwa fünf Jahren zurück zu ihrer Familie nach Regensburg zog. Und auch hier arbeitete sie weiter in der Buchhaltung. Doch so richtig Spaß machte Tresselt ihre Arbeit nicht. Im Gegenteil, mit jedem Tag sank der Spaß ein bisschen mehr.

Bis sie eines Tages genervt von der Arbeit zu ihrem Lebensgefährten nach Hause kam und sich über ihre Arbeit beschwerte: „Am liebsten würde ich einen eigenen Fahrradladen aufmachen“, sagt Tresselt genervt. Ihr Lebensgefährte konterte und fragte, warum sie denn nicht einfach einen eigenen Laden eröffne. Nachdem sie ein wenig überlegte, dachte sich Tresselt: „Warum eigentlich nicht?“ Kurz darauf erkundigte sie sich, welche Bedingungen und Qualifikationen sie erfüllen müsse, um einen eigenen Laden zu eröffnen.

Nach der Ausbildung folgte die Meisterschule

Dabei war Eines für die 29-Jährige von Anfang an klar: Sie möchte nicht nur Fahrräder verkaufen, sondern auch eine eigene Werkstatt haben und selbst an den Rädern rumschrauben. Also entschloss sie sich, eine Ausbildung zur Zweiradmechatronikerin zu machen, die sie auf zwei Jahre verkürzen konnte. „Und hey, was sind schon zwei Jahre? Die vergehen wie im Flug“, sagt sie heute. Eine blutige Anfängerin sei sie jedoch nicht gewesen. Sie führte schon immer kleine Reparaturen an ihrem Fahrrad selbst durch. „Während Corona habe ich angefangen mir das anzueignen“, erklärt sie.

Doch während der Ausbildung lernte sie jedes noch so kleine Teil eines Fahrrads kennen. Mit jeder Schraube und jedem Gewinde könne etwas anderes verändert werden, sodass sich das Fahrgefühl verbessere, sagt die 29-Jährige. Nach der Gesellenprüfung absolvierte Tresselt die Meisterschule und konnte damit beginnen, ihre Idee, einen eigenen Radladen zu eröffnen, umzusetzen. Die 29-Jährige fühlte sich beim Radkauf stets schlecht beraten: „Immer wieder wird man mit den gleichen Floskeln abgetan und das hat mich genervt.“ In ihrem Laden werde das anders sein.

Prozess der Namensfindung

Einen Namen für den Laden zu finden, sei ein langer Prozess gewesen, erinnert sich die 29-Jährige. „Dass es nicht Zweirad Tresselt wird, war jedoch von Anfang an klar“, sagt die 29-Jährige. Schließlich entschied sie sich gemeinsam mit ihrem Lebensgefährten für eine Zusammensetzung aus zwei Begriffen. Der Name Radonerd setzt sich aus der Bezeichnung Radonneur, eine aus dem französisch stammender Begriff für einen Langstreckenradfahrer, und dem Begriff Nerd zusammen. Denn Tresselt bezeichnet sich selbst als einen Nerd, wenn es um Radschaltungen und andere Teile geht. Als Symbol für ihren Laden wählte sie gemeinsam mit einem befreundeten Grafiker einen Panda-Bären aus. „Ein Panda hat zwar wenig mit Fahrrädern zu tun, aber es ist mein Lieblingstier“, erklärt Tresselt.

In ihrem Laden möchte die 29-Jährige nicht nur Fahrräder verkaufen und ihre Kunden beraten. Daher reiche das Angebot der Zweiradmechanikermeisterin weit über den Fahrradkauf hinaus, so die 29-Jährige. Tresselt hat in ihrem Laden eine eigene Werkstatt, in der sie und ein weiterer Zweiradmechatronikmeister die Räder reparieren. Außerdem gibt es einen Raum, in dem die Kunden ein sogenanntes Bike-Fitting machen können. Dabei wird der Bewegungsablauf des Fahrers durch zwei Kameras analysiert, um im Anschluss Optimierungen an dem Rad vornehmen zu können.

Neben dem Laden veranstaltet Tresselt auch sogenannte Social-Rides. Dazu plant sie Strecken in der Umgebung, die sie gemeinsam mit einer Gruppe von Radsport-Begeisterten fährt.