Morgens Tornado, nachmittags Eurofighter: Pilot „Grisu“ testet bei Airbus die Kampfflugzeuge

Ob Messermacher, Paläontologe oder Testpilot: Manche Menschen haben Jobs, die aus dem Rahmen fallen. Wir stellen in unserer Serie „Besondere Berufe“ einige von ihnen vor. Diesmal geht es um Stephan Leuthner, der bei Airbus in Manching im Landkreis Pfaffenhofen Flugzeuge testet – und einen „feurigen“ Spitznamen hat.
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Über Manching, Neuburg und der Region rund um Ingolstadt ist das Geräusch vertraut. Was früher in vielen Teilen der Republik alltäglich war, ist hier zumindest keine Unbekannte – wenn sich donnernd Kampfflugzeuge verschiedenen Typs am Himmel ankündigen.
Liebhaber schirmen sofort die Sonne mit der Handfläche ab, blicken suchend am Horizont entlang. Doch im Cockpit der Bomber oder Jäger sitzen nicht zwingend Soldaten der deutschen Luftwaffe.
Die sogenannten Waffensysteme Tornado oder Eurofighter sind bei der Bundeswehr auf entsprechend ausgebildete Besatzungen aufgeteilt. Ex-Major Stephan Leuthner sitzt in beiden Maschinen an den Steuerelementen.
Der 46-Jährige ist Testpilot bei Airbus in Manching (Landkreis Pfaffenhofen) – Rufname „Grisu“. Egal ob Militär oder bei „der Firma“, wie Leuthner es nennt: Alle diese Piloten tragen einen Spitznamen, die sie meist in den Geschwadern bei der sogenannten Taufe erhalten.
„Das ist eine Geschichte, die darf ich eigentlich nur an der Bar erzählen“, sagt Leuthner mit einem Grinsen.
Kleiner Drache Grisu ist immer mit dabei
Der 46-Jährige sitzt in seinem Overall in seinem Büro, die typische Sonnenbrille hat er nach oben auf den Kopf geschoben. „Diese Callsigns kommen ja immer, wenn man etwas Besonderes gemacht hat – vor allem einen besonderen Schmarren.“
Welche Kategorie bei ihm letztlich ausschlaggebend gewesen ist, lässt Leuthner offen. Nur so viel: „Es hat mit einer größeren Party zu tun, mit Feuerlöschern und einem Kameraden, der mitfeiern sollte – aber nicht mitfeiern wollte.“ Er grinst wieder.
Grisu, der kleine grüne feuerlöschende Drache – eine Zeichentrickfigur aus einer Kinderserie – ziert überall das Büro von Leuthner. Riesengroß auf der Eingangstür – eine Überraschung der Kollegen nach einem Urlaub.
Eine kleine Plüschfigur, die ihren Platz in der Helmtasche des Piloten hat. Und viele kleine Aufkleber. Einer davon schmückt den Helm selbst. „Die anderen findet man ab und an irgendwo. Auch in so manchem Cockpit.“ Volltreffer also. „Ich mochte den früher schon. Richtet viel Chaos an, aber rettet am Ende immer den Tag.“
Angehende Piloten könnten den ausgesuchten Spitznamen auch ablehnen, erzählt Leuthner. „Aber die Variante B willst du auf gar keinen Fall haben.“
Entscheidender Anruf 2011 in Kabul
Doch egal, wie ihn die Staffel am Ende getauft hat: Leuthners richtiger Name landet später auf einer Liste. „Von der wusste ich nichts.“ Der Pilot wird 2011 im Afghanistan-Einsatz angerufen. „Ob ich mir vorstellen könnte, die Luftwaffe zu verlassen“, so der 46-jährige gebürtige Landsberger.
Leuthner, zu diesem Zeitpunkt ein ausgebildeter Tornado-Kampfpilot im Bodeneinsatz in Kabul, kann. „Ich bin dann für einen Tag nach Hause geflogen für ein Bewerbungsgespräch.“
Auf dem Rückweg hatte er einen Vertrag in der Tasche – und seine Unterschrift unter die Aufhebung des Berufssoldatenstatus gesetzt. Leuthner: „Drei Monate später war ich auf der Testpilotenschule in England.“
Ein Jahr lang. Eine der aufregendsten, aber anstrengendsten Zeiten seines Lebens. „Ich bin als Zivilist und ausgebildeter Tornado-Pilot hin – und dann lernst du alle möglichen Flugzeuge zu fliegen. Segelflieger, Hubschrauber, Jets, Transportflugzeuge, alles.“
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Morgens Tornado und nachmittags Eurofighter
Seit 2013 fliegt er am Standort in Manching. „Manchmal morgens den Tornado und nachmittags einen Eurofighter“, sagt der Pilot, der mit seiner Familie im oberbayerischen Obermeitingen (Landkreis Landsberg am Lech) lebt.
Aus der Truppe ausgeschieden zu sein, bereut er zu keinem Zeitpunkt. Auch für die Luftwaffe ein Gewinn, meint er. Denn sozusagen eigens ausgebildete Piloten in „der Firma“ zu haben, komme dem Produkt sozusagen zum Schluss zugute. Und: „Spannender wird es nicht. Am Ende bin ich doch einfach nur derjenige, der das Glück hat, im Flieger zu sitzen.“
Leuthner ist in seinen Ausführungen bescheiden, spricht immer wieder von Zufällen und Fügungen. So sei es bereits sein ganzes Leben lang gewesen, blickt er zurück.
Schon der Vater war Kampfpilot
Angesteckt mit der Fliegerei habe ihn sein Vater – auch er ein Kampfpilot. „Zum Schluss bin ich sogar in seiner alten Einheit in Lechfeld geflogen. Er hat mir damals nach der Ausbildung in den USA die Schwingen angesteckt. Da waren wir beide echt stolz.“
Doch begonnen hat alles viel früher. „Als Sechsjähriger durfte ich über Funk einmal zu meinem Vater, der mit dem Starfighter unterwegs war, ,clear to land’ sagen“, erzählt er mit Begeisterung. Dann folgt der erste Flug mit einem Bekannten. „Danach war klar, dass ich Pilot werden will. Es gab auch nie einen Plan B.“
Geboren für die Luft
Alles fügt sich. In der Schule gute Leistungen – „ohne viel zu lernen“. Er habe einfach oft Dusel gehabt, meint er und zuckt mit den Schultern. Anerkennung oder gar Ehrfurcht ihm gegenüber wischt er sofort mit einer schnellen Handbewegung weg. „Da steckt so viel Arbeit drin, es gibt so viele Menschen, mit denen man da zusammenarbeitet. Das Lob gehört doch ganz anderen Leuten.“
Alles Teamarbeit. Er meint es so. Wenn er aber mit seinem sogenannten Anti-G-Anzug, dem Helm und der verspiegelten Sonnenbrille nach draußen tritt, den Eurofighter im Rücken und in den Himmel blickt. Dann umgibt ihn die Aura eines Mannes, der im Leben nichts anderes hätte werden können. Geboren für die Luft.







