Unbesungene Helden: Diese Zahnrädchen halten die Regensburger Herbstdult am Laufen

Die Regensburger Dult gelingt nur, wenn alle Zahnräder ineinandergreifen. Da gibt es die großen, an die man bei einem schönen Fest sofort denkt: Festwirte und Marktmeister, Bands und Beschicker. Auch die Bedienung im Bierzelt ist sichtbar, für jede frische Maß kann der durstige Gast danken.
Doch darüber hinaus gibt es unzählige Dult-Arbeiter, die bei einem erfolgreichen Fest gerne einmal vergessen werden. Ein paar dieser unverzichtbaren, aber auch oft unsichtbaren Zahnrädchen werden in der Mittelbayerischen Zeitung ins Rampenlicht gerückt.
• Emre Dogdu schiebt Wache in den Dult-Festzelten
Eine Schlägerei habe es auf dieser Herbstdult noch nicht gegeben, es sei „außergewöhnlich ruhig“ – auch weil Emre Dogdu, Einsatzleiter des Sicherheitsdienstes Sec-Unity, und seine Kollegen täglich Präsenz zeigen. Von 18 Uhr bis der letzte Bierzeltgast nach Hause gegangen ist, meistens gegen Mitternacht, sorgt Dogdu für Sicherheit in den beiden Festzelten. Am Eingang hat das Kontrollieren von Taschen Priorität. Dazu machen Dogdu und Kollegen Kontrollgänge durch die Bierzelte.
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Und auch wenn erfreulicherweise weder Fäuste noch Maßkrüge fliegen, zu tun hat Dogdu immer, etwa „mit Alkoholleichen“, erzählt er. Mit der einen Maß zu viel verliert mancher Gast am Biertisch den Kampf gegen die Erschöpfung. Fallen da jemandem die Augen zu, „sprechen wir ihn freundlich an“, sagt Dogdu. „Es ist halt kein Schlafplatz.“ Sollte jemand Hilfe benötigen, alarmiert er den Sanitätsdienst vor Ort. Wie geht es Dogdu, dem Mann für die Sicherheit, wenn er bei Kontrollgängen das ganze Bierzelt ausgelassen feiern sieht, während er wachsam bleiben muss? „Dann weiß ich, dass ich meine Arbeit gut gemacht habe.“
• Bertha Roth schneidet seit 31 Jahren Käse
Eine Brez’n mit Kas ist vielleicht noch vor dem halben Hendl das Dult-Essen schlechthin. Um frischen Emmentaler und Bergkäse kümmert sich seit 31 Jahren Bertha Roth – „ohne Unterbrechung“, sagt sie stolz. Vor Schichtbeginn dekoriert sie schon eigenhändig den Stand. „Ich lasse mir das nicht nehmen“, sagt Roth. „Ich weiß halt, wie es sein soll. Und da steckt mein Herzblut drin.“ Früher hat die Altenpflegerin Jahresurlaub und angesparte Überstunden aufgebraucht, um zwei Mal im Jahr auf der Dult an der Käseschneidmaschine stehen zu können. Mittlerweile sind die Kas-Schichten Urlaub von der Rente für Roth.
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„Ich habe Stammkunden vom ersten Tag weg“, berichtet sie, was ihr so gut an der Dult gefällt, während hinter ihrem Arbeitsplatz die Dultbrezen für das ganze Festzelt backen. Die treue Kundschaft kommt „mindestens ein, zwei Mal jede Dult.“ Und bekommt Tipps von der Fachfrau: „Bei der Herbstdult sind die großen Käseräder noch besser, butterweich und würziger.“ Es sei halt ein Naturprodukt.
• Ellen Bauer bewahrt die Kraxler vorm Absturz
Eine eher zierliche Frau ist Ellen Bauer und doch verdankt ihr noch das gestandenste Mannsbild seine Sicherheit, wenn es im Hahnzelt am Mai baum unters Dach klettern will. „Im schlimmsten Fall lupft’s mich ein bisschen hoch“, sagt die leidenschaftliche Alpinistin. 67 Jahre ist sie alt und feiert bei dieser Dult ihre Premiere. Die Vier-Stunden-Schichten im Sicherungsgeschirr haben ihr schon einige Blasen an den Händen beschert. „Es ist schon ein Knochenjob“, sagt sie. „Ich habe seit langem nicht so gut geschlafen wie nach der Dult-Schicht.“ Burschen müssen es selber nach oben schaffen. „Wenn bei Kindern ein bisschen was fehlt, dann hilft man gern nach“, sagt Bauer, ebenso bei Kraxlerinnen. Da ist die größte Herausforderung schon, die Dirndl in das Klettergeschirr zu bekommen.
• Hamza al-Ali hat die saubersten Hände der Dult
Als die Festzelte aufgebaut wurden, stand plötzlich Hamza al-Ali vor Philipp Keller, Küchenchef im Hahnzelt. Ob es eine Aufgabe für ihn gäbe, fragte der 17-jährige Syrer an. So etwas kam die vergangenen Jahre kaum noch vor, berichtet Keller. Für die Herbstdult kamen mehrere spontane Anfragen, aber die allermeisten Jobs waren schon vergeben. Für al-Ali fand Keller aber noch eine Stelle in der Spülküche – das hat er nicht bereut. „Sehr freundliches Auftreten, strukturiertes Arbeiten und er schafft ordentlich was“, bescheinigt Keller dem Dult-Neuling, den Service-Leiterin Tanja Göbel den „Mann mit den saubersten Händen der ganzen Dult“ nennt. Al-Ali erzählt, ihm gefalle die Arbeit, die Kollegen seien nett und er höre immer die Live-Musik aus dem Bierzelt. Nach seinen vier bis sechs Stunden langen Spül-Schichten dreht er mit Freunden Runden über die Dult und spielt an den Ständen. Sein Fazit: „Sehr schön, aber auch etwas teuer.“
• Das „Radi-Liesl“ zwischen Service und Küche
Ihre Dultpremiere feiert in diesen Tagen auch die 27-jährige Lisa. Die Lehramtsstudentin jobbt in ihren Semesterferien auf dem Volksfest. Ihr Aufgabenbereich umfasst die kalte Theke, das fein-säuberliche Anrichten der Brotzeitplatten und die Brücke zwischen Kellnern und Küche, also das Weitergeben der Bestellungen. Was ihr besser gefällt? Das Anrichten, „da ist es kälter, das ist angenehmer“, sagt sie und lacht. Aber auch mit den Service-Kräften habe sie immer viel Spaß bei der Arbeit. Man glaubt es der rheinischen Frohnatur sofort.
Zu ihrem Bereich gehört auch das Radi-Schnitzen. Bis zum vergangenen Jahr wurde der Rettich von Hand gedreht. „Seit diesem Jahr geht es auf Knopfdruck“, sagt Lisa erleichtert. Dabei war ihr Arbeitsmaterial Neuland für die Rheinländerin. „Ich kenne Radieschen, aber Radi habe ich erst durchs Arbeiten kennengelernt.“ Geschmacklich ist er ihr zu scharf. Den Spitznamen „Radi-Liesl“ hatte sie bei Service-Leiterin Göbel aber trotzdem schnell weg.




