Tobias Stauner aus Furth im Wald gestaltet mit Lötkolben und Lasertechnik

Von Alexander Frimberger · 2. September 2024 um 11:00

Woodburning und Lasergravuren steht auf der Visitenkarte von Tobias Stauner, die mir während der Drachenstichwochen eine Bekannte zugesteckt hat. Das macht neugierig und schreit nach einem Hausbesuch.

Kühe, Pferde, alte Bauernhöfe – es wird etwas ländlicher am Stadtrand von Furth im Wald.

Auch Tobias Stauner lebt auf einem alten Traditionsbauernhof, muss später noch in den Stall zum Melken. Blumen vor der Haustür, kleine Katzen, die sich die Sonne auf den Pelz scheinen lassen, eine Bauernhofidylle eben.

Kunst mit dem Lötkolben

Umso mehr ist man erstaunt, wenn man das Reich des 25-Jährigen betritt und auf einen riesigen blauen Kasten blickt, den man ansonsten in einer modernen Fertigungshalle erwarten würde.

Dazu zwei Computerbildschirme und etliches Equipment mehr. Der blaue Kasten ist ein Lasergerät, wie Stauner verrät. Er öffnet eine Klappe am hinteren Ende und deutet auf eine Röhre. „Das ist der eigentliche Laser“, sagt er und reinigt mit einem Brillenputztuch und einem Q-Tipp kleine Spiegel, die den Strahl umlenken und zu einer Vorrichtung schicken, die ihn bündelt und dann das Bild in ein Stück Holz, aber auch andere Materialien brennt. Die Bilddaten hat Stauner mittels Computer zuvor an die rund 4500 Euro teure Maschine geschickt. Wieselflink huscht der Laserkopf über das Werkstück und schon einige Sekunden später halte ich einen Fisch in der Hand, der 1:1 so aussieht, wie der, der zuvor am Bildschirm zu erkennen war.

So schnell ging das nicht immer. Neben dem modernen Laser steht ein wesentlich kleinerer Kasten aus Holz. Sieht irgendwie selbst zusammengebastelt aus. Stauner lacht: „Ist er auch.“ Das war sein erster Versuch mittels Laser Zahlen, Worte und Bilder in Träger zu brennen. Gekauft hat er den Laser und die dafür notwendigen Halterungen. Den Kasten darum herum hat er selbst gemacht. Mit dem hat eine Laserarbeit noch wesentlich mehr Zeit in Anspruch genommen.

Seit drei Jahren beschäftigt er sich mit der Lasertechnik, er hat aber keine Ausbildung dazu gemacht. Allerdings hat er als Zerspanungsmechaniker und Ausbilder schon eine Ahnung, wie man mit einem solchen Gerät umgeht. Was er nicht wusste, hat er sich mit Online-Videos beigebracht. Noch ein Jahr länger beschäftigt er sich mit Brandmalerei, wie man zu Woodburning auf Deutsch sagt. Oder Pyrografie, wie der Fachmann die Technik bezeichnet. Mit einem Lötkolben werden Bilder ins Holz gebrannt. Was sich relativ einfach anhört, kann sehr tricky sein. „Zuerst zeichne ich mit Bleistift das Bild, das ich haben möchte, vor.“ Dann geht es los. Die Schwierigkeit ist neben der notwendigen künstlerischen Begabung das Material. Während Fichte schwierig zu bearbeiten ist, kommt Stauner mit Birke ganz gut klar. Jedes Holz hat seine individuellen Eigenschaften. Gezeichnet hat Stauner übrigens schon als Kind gerne. Später ist die Liebe zu Mangas, den japanischen Comics, dazugekommen. „Man lernt da recht schön die verschiedenen Perspektiven, den Wechsel von hell und dunkel und den Bildaufbau.“ Ein Beispiel steht auf einem Regal. Es zeigt einen dieser japanischen Superhelden, der von vielen kleinen Szenen umgeben ist. „Das kann man fast nicht mehr verkaufen, weil es so viel Arbeit war.“ Was würde es denn kosten? „So um die 500 Euro müsste ich schon haben.“

Natürlich sind nicht alle seine Arbeiten so teuer. Frühstücksbretter mit einem Spruch wie „Ob als Kindskopf oder alter Knacker, Du bist und bleibst mein Super Papa.“ Die gibt es schon ab zwölf Euro, andere Exponate können bis zu 60 Euro kosten.

Doch nicht nur mehr oder weniger derbe Sprüche werden mit Lasertechnik oder Brandmalerei vor allem in Holz und Stein gebrannt: Drachen, Fotos, Gedichte, beinahe jedes Bild kann verwendet werden. Wobei wir wieder beim Drachenstich wären. Auch einige Further Ritter hat Tobias Stauner schon auf seine besondere Art verewigt. Es ist ja üblich, dass der Ritter des Vorjahres dem aktuellen Ritter bei Gelegenheit ein Geschenk überreicht. Da waren dann auch schon Werke des Further Künstlers dabei.

Ansonsten stehen seine Arbeiten für Hochzeiten und rund um Weihnachten hoch im Kurs. Auch in seiner Familie, die sehr groß ist, kommen die kreativen Weihnachtsgeschenke gut an. Besonders kunstvoll sehen übrigens die Holzlaternen aus, bei denen der Laser ganze Muster aus dem Holz heraus brennt. Was kommt als nächstes? Stauner bringt eine Kiste, in der sich ein weiterer Laserkopf befindet. „Habe ich mir jetzt besorgt.“ Der kann sich so um seine Achse drehen, dass es auch möglich wird Gläser und Tassen zu lasern.

Auf dem Weg zum Influencer

Auch wenn er seine Arbeiten zum Beispiel auf Märkten anbietet oder schon Kunden bis Österreich hat, seinen Lebensunterhalt kann er damit nicht bestreiten. „Es ist ein schönes Hobby und ein Zeitvertreib“, sagt er. Allerdings entwickelt er sich in den sozialen Medien vor allem auf Instagram und TikTok zu einem sogenannten Influencer, also einem, dem sehr viele Personen folgen. Über 5000 sind es auf TikTok, wo er unter dem Namen „simplegama“ kleine Filmschnipsel mit Manga-Arbeiten postet.

Der Laser brennt die Vorlage sekundenschnell ins Holz.
Mangas gehören zu Stauners Leidenschaften.