Sonja Altmann aus Furth im Wald hat schon fast die ganze Welt gesehen

In Furth im Wald aufgewachsen, zuhause auf der ganzen Welt: Sonja Altmann kann man getrost als Weltenbummlerin bezeichnen. Seit 2003 heuert sie auf Kreuzfahrtschiffen an, hat 129 Länder bereist und natürlich viel erlebt.
Latte macchiato und ein Muffin stehen im Café vor ihr auf dem Tisch. Sonja Altmann hat ein herzerfrischendes, sympathisches Lachen, wenn sie Geschichten aus ihrem Leben erzählt.
Jung und voller Tatendrang
Dabei war natürlich nicht alles immer eitel Sonnenschein. Aber der Reihe nach: Geboren im Krankenhaus Cham, wuchs die heute 46-Jährige in Furth im Wald auf.
Nach einem erfolgreichen Abschluss im Bereich Euro-Hotelmanagement, ist sie kurz entschlossen nach Ägypten gereist. „Das war 2001 im August. Ich war ein junges Mädchen und naiv“, sagt sie heute.
In Dahab war sie in einem Hotel zuständig für Gästebetreuung. Dann kam kurz darauf der 11. September. Der Tag, als Flugzeuge die Twin-Towers in New York zum Einsturz brachten. „Die Leute waren geschockt, mit dem Tourismus im Land lief erst einmal nicht mehr viel.“ Über den Umweg Kanarische Inseln, wo sie in einem Ferienclub gearbeitet hat, kehrte sie noch einmal nach Ägypten zurück. „Dort habe ich Mobbing am eigenen Leib erlebt.“ Das einheimische Personal hat sie schlicht und einfach ignoriert.
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Sonja Altmann meldete sich in der Heimat arbeitslos. Ausgerechnet beim ersten Termin auf dem Amt las sie im Wartezimmer in einer Zeitschrift die Anzeige einer Kreuzfahrtlinie. „Die haben Leute gesucht, die für zwei Wochen mitfahren.“ Schnupperarbeiten könnte man sagen. Daraus wurde erst ein halbes Jahr, später insgesamt zehn Jahre. Waren es zunächst Fahrten auf den Meeren Europas, ging es dann erstmals nach Brasilien und schließlich auf Luxus-Kreuzfahrtschiffe einer amerikanischen Rederei, die Weltreisen anbietet. Die Geschichten von Senioren, die ihren Lebensabend auf diesen Kreuzern verbringen, stimmen übrigens. „Wir hatten zwei Mitreisende, die sich Kabinen gekauft haben und auf dem Schiff leben.“ Altmann hat sich auch bereits überlegt, das später einmal zu tun. „Man hat Ärzte an Bord und das Essen ist sicher auch besser als im Seniorenheim.“
Zuständig für die Gästebetreuung und die Organisation von Ausflügen, hat sie die Welt nicht nur bereist, sondern auch gesehen und viel erlebt. „Ich musste ja überall gewesen sein und die Angebote aushandeln und testen“, sagt sie. Die Liste der Dinge, die sie gemacht hat, sprengt jeden Rahmen: Tauchen mit Haien auf den Bahamas, Abendessen vor dem ägyptischen Museum und eine Privataudienz beim dort ausgestellten König Tut Anch Amon, nachdem die Museumstore geschlossen waren, Campen im Chobe Nationalpark oder Einblick in die privaten Gemächer des Papstes im Vatikan sind nur einige der außergewöhnlichen Erlebnisse, die sie über die Jahre abgehakt hat. Weniger schön waren andere Vorkommnisse: „Vor Somalia wurden wir von Piraten beschossen“, erinnert sie sich und ergänzt: „Da war schon das Vorbereitungs-Training zuvor gruselig. Wir mussten üben, wie wir uns schnell in der Mitte der Kabine flach auf den Boden legen.“ Der Angriff konnte allerdings vereitelt werden. Fortuna hatte ein weiteres Mal ihre Finger im Spiel, als das Kreuzfahrtschiff Mona Lisa vor Spitzbergen auf Grund lief und leckschlug: „Zum Glück hatte das Schiff zwei Außenwände. Die Passagiere wurden evakuiert, die Mannschaft musste an Bord bleiben.“ Im Jahr 2014 stand Altmann vor der Entscheidung: „Entweder mache ich weiter oder ich ziehe die Reißleine.“ Das hat sie getan und die Hochseepremiere eines Kreuzers des bis dato nur auf Flüssen tätigen Veranstalters in den Bereichen Ausflüge und Veranstaltungen koordiniert.
Nächste Station: Flusskreuzfahrten in Frankreich. „Das Land ist inzwischen zu meiner zweiten Heimat geworden.“ Beinahe unnötig zu erwähnen, dass sie fließend englisch und französisch spricht und sich auch in Italien und Spanien in der Landessprache durchschlagen kann. Dann kam die Pandemie, somit auch der Zusammenbruch des Tourismus. Zurück bei den Eltern in Furth hat sie ein wenig in der örtlichen Gastronomie bei einem Freund gejobbt und ist schließlich bei einer Schweizer Linie gelandet, wo sie bis heute für Qualitätsmanagement zuständig ist.
Bürojob wäre nichts für sie
Sie ist die „Frau vom Schiff“, das hat sie schon häufiger gehört. Die Weltenbummlerin mag Furth im Wald, geht gerne wandern. Aber ein Bürojob in der Heimat, das wäre nichts für sie. Sie braucht wohl die ganze Welt, um glücklich zu sein. Ein großes Herz hat sie darüber hinaus auch. 2014 hat sie in einem kleinen Dorf in Tansania ehrenamtlich Sport und Englisch unterrichtet. Sonja Altmann sagt: „Ich habe so tolle Sachen erlebt, ich wollte etwas zurückgeben.“

