Kommentar zum Umgang von Schwandorfs OB mit Krisen: Näher am Menschen – und doch so fern?

Von Martin Kellermeier · 30. August 2024 um 17:00

Schwandorfs Oberbürgermeister Andreas Feller hat seinen eigenen Umgang mit Krisen. Deutet man seine öffentlichen Aussagen im Stadtrat, kann man sich die Frage stellen, ob er wirklich „näher am Menschen“ ist, wie seine eigene Partei, die CSU, wirbt. So kommentiert es MZ-Redaktionsleiter Martin Kellermeier.

Ein Oberbürgermeister, der in einer Stadtratssitzung öffentlich erklärt, dass er nach 16 Uhr die aktuelle Zeitung trotz Schlagzeilen über seine eigene Person noch nicht gelesen hat, stellt nicht nur seiner Pressestelle unfreiwillig ein schlechtes Zeugnis aus. Er tut sich damit auch selbst keinen Gefallen. Denn Andreas Feller sagt damit auch, dass er noch keine Zeit gefunden hat, das zu lesen, was seine Bürger umtreibt, was sie von ihm fordern und wo sie seine Hilfe brauchen. Fast schon grotesk klingt es da, dass seine Partei, die CSU, mit dem Spruch „Näher am Menschen“ wirbt.

Dieser Kommentar gehört zu folgendem Haupttext: Nach Negativ-Schlagzeilen werden erste Rücktritts-Rufe laut – Doch Schwandorfs OB will bleiben

Gut, die Schließung der Postfiliale, die viele Schwandorfer ärgert, die hat er aufgegriffen und für seine Bürger gesprochen. Da war er nah dran am Menschen und hat gezeigt, dass er es kann. Doch ansonsten fliegt Andreas Feller gefühlt gerade alles um die Ohren, manches vielleicht auch nicht selbstverschuldet. Baugenehmigung am Klausensee, drohendes Förderdebakel und nun auch noch Irlaching Siedlung. Feller muss schleunigst aus diesem Fahrwasser raus und den Turnaround schaffen.

Und der Oberbürgermeister muss sich fragen, warum gerade alles zusammenfällt. Klare Aussagen und Erklärungen, so wie er sie bei der Postfiliale gemacht hat, wären nun angebracht. Kann er die nicht liefern, fährt der CSU-Zug womöglich ohne ihn zur Kommunalwahl 2026.