Neumarkter Tiertafel am Limit: Spenden reichen nicht für hohe Arzt- und Futterkosten

Von Anika Ferko · 30. August 2024 um 11:00

Die Kunden der Neumarkter Tiertafel kommen von weit her, um sich freitags bei Ludger Jung anzustellen. Er ist Vorsitzender des Tierschutzvereins Glücksstreuner – einem Verein, der ohne öffentliche Gelder über die Runden kommen muss. Aktuell fehlt es an Spenden. Geht es so weiter, könnte die Tiertafel vor dem Aus stehen.

Die Kofferraumtür des Firmenwagens ist geöffnet. Ludger Jung hebt nacheinander Hunde- und Katzenfutter aus dem Wagen und platziert die Produkte auf dem Tisch. Es ist Freitag, kurz vor 12 Uhr. Wie jede Woche bietet der Verein auch an diesem Tag eine Futterausgabe in Neumarkt an – immer von 12 bis 14 Uhr in der Bahnhofstraße und von 14 bis 15 Uhr vor dem Rathaus.

Etwa 400 Kunden sind inzwischen gelistet, sagt Jung. Manche stehen jedes Mal pünktlich vor der Ausgabe, andere kommen einmal im Monat oder seltener. Das Futter bei der Tiertafel ist für die Bedürftigen kostenlos. Auch medizinisches Futter etwa im Fall von Magen-, Nieren- und Darmproblemen wird angeboten. „Mittlerweile gibt es immer mehr kranke Tiere“, stellt Jung fest.

Anlaufstelle ist eine Tierarztpraxis in Beilngries

Neben den Futterspenden unterstützt der Verein bei Arztbesuchen. Die Kunden, die kein eigenes Auto besitzen, holt Jung mit dem Dienstwagen ab und fährt sie selbst zum Tierarzt.

„Einmal im Monat kommt eine dicke Rechnung“, sagt Jung

Ob Fahrt- und Arztkosten, Ausgaben für das Futter oder die Kosten für die acht Lagercontainer in Postbauer-Heng: Die monatlichen Ausgaben sind hoch – und ohne Spenden langfristig nicht zu stemmen. „Einmal im Monat kommt eine dicke Rechnung.“ Laut Jung waren es allein im Juli 1500 Euro – der Rekord liegt bei 3000 Euro im Monat. „Wie viele tausend Euro ich aus eigener Tasche schon bezahlt habe...“, deutet der Vorsitzende an.

Zu wenig Spenden, vor allem über das Jahr verteilt

Neben Geldspenden bekommt der Verein teilweise Futterspenden, zum Beispiel von der Fressnapf-Zentrale. Das Problem: „Zu Weihnachten spendet jeder, weil alle ein schlechtes Gewissen haben.“ Doch über das Jahr verteilt ließen die Spenden leider nach. Um die Kosten zu decken, müsste kontinuierlich jeden Monat Geld reinkommen – darauf verlassen kann sich Jung mit seinem ehrenamtlichen Team jedoch nicht.

Dass Ludger Jung sich voll und ganz der Arbeit mit Tieren verschrieben hat, wird im Gespräch mit dem Rentner schnell klar. Seine Arbeit bezeichnet Jung als „hauptberufliches Hobby im Ruhestand“.

Erst vergangene Woche erhielt er einen Anruf: Es ging um einen Notfall in der fränkischen Schweiz. „Ich wurde angerufen, weil ein Mann seinen Schäferhund schlecht behandelt hat. Er wollte den Hund töten, weil dieser zu viele Kosten verursacht hat“, erinnert sich Jung und schüttelt den Kopf. In Zusammenarbeit mit Veterinäramt und Polizei habe er das Tier schließlich an eine Pflegestelle übergeben können.

Freitags hat das Team alle Hände voll zu tun

Zurück zur Bahnhofsstraße. Es ist kurz nach 12 Uhr. Eine Frau tritt vor den Klapptisch, in ihrer Hand eine große Tüte. Die 61-Jährige versucht – wenn sie es gesundheitlich schafft – immer freitags nach Neumarkt zu fahren, erzählt sie. „Ich bin wirklich froh, dass es die Tiertafel gibt.“ Jung begrüßt die freundlich und beginnt, das Futter auszugeben. Die 61-jährige Sengenthalerin hat die Tiertafel durch Zufall entdeckt, durch einen Aushang im Schaufenster der Neumarkter Tafel.

Tiertafel Neumarkt bittet um Spenden

Immer wieder treten neue Kunden an die Ausgabe. Jungs Kollege hat alle Hände voll zu tun. „Noch einmal Katzenfutter?“, fragt er eine Kundin und greift in eine Kiste im Kofferraum. Er ist eigentlich selbst Tafelkunde – hilft seit einiger Zeit aber bei der Futterausgabe.

Wer die Tiertafel Neumarkt unterstützen möchte, kann spenden an: Tierschutzverein Glücksstreuner e.V.; IBAN: DE48 7606 9553 0000 2641 48, Verwendungszweck: Tierarztkosten; Paypal: gluecksstreuner@t-online.de, Kontakt über Tel. (01 76) 86 63 89 90.