Ist ein Wocheneinkauf hauptsächlich mit Lebensmitteln aus dem Landkreis Neumarkt möglich?

Die Landwirte und Direktvermarkter im Landkreis Neumarkt bieten mehr Produkte, als manche denken. Wie man einfach findet, wer was anbietet, und wie der Einkauf nicht zu kompliziert wird, dazu gibt Sandra Foistner von der Öko-Modellregion im Interview Tipps.
Frau Foistner, inwieweit kann man Ihrer Meinung nach den wöchentlichen Lebensmitteleinkauf mit regionalen Produkten bestreiten?
Sandra Foistner: Ich bin der Meinung, dass da viel möglich ist. Die Direktvermarkter aus dem Landkreis bieten inzwischen sehr viele Produkte an. Okay, alles in einem Geschäft zu finden, ist nicht immer möglich. Aber mit zwei Anlaufstellen kann man schon einen Großeinkauf an Lebensmitteln bestreiten. Man muss allerdings etwas mehr planen im Vergleich zum Einkauf im Supermarkt. Meine persönliche Devise ist beispielsweise, bei haltbaren Produkten auf Vorrat zu kaufen. Aber der etwas größere Aufwand lohnt sich auch.
Was spricht für regionale Lebensmittel?
Foistner: Gerade wenn es um Gemüse geht, ist die Frische einfach unschlagbar. Und die schmeckt man. Wenn man regional einkauft, kauft man Produkte mit kurzen Wegen und in der Regel saisonal. Damit tut man auch etwas für den Klimaschutz. Anders als mit Erdbeeren im Winter aus Spanien. Wenn ich regional einkaufe, bleibt die Wertschöpfung auch bei den Bauern in der Region. Ich unterstütze sie ohne die Aufpreise für den Zwischenhandel. Außerdem komme ich mehr in Kontakt mit den Produzenten, dadurch bekommt man einen anderen Bezug zum Lebensmittel und zur Landwirtschaft.
Jura-Kistl, Bauernmärkte und Kloster Plankstetten: Wo es viele regionale Produkte gesammelt gibt
Für den Großeinkauf mehrere Direktvermarkter anzufahren ist im Vergleich zum Einkauf im Supermarkt unpraktisch. Gibt es Verkaufsstellen im Landkreis, die viele regionale Produkte bündeln?
Foistner: Wir haben im Landkreis schon super Strukturen. Es gibt viele Hofläden, die nicht nur eigene Produkte, sondern auch die von Direktvermarkter-Kollegen verkaufen. Außerdem gibt es diverse Bauermärkte. Das Jura-Kistl und der Bio-Markt Dinkelähre in Neumarkt bieten viele regionale Produkte an. Das Kloster Plankstetten ist auch sehr gut aufgestellt. Und die großen Supermarktketten haben sich das Thema Regionalität ebenfalls teilweise auf die Fahne geschrieben. Ich kaufe da persönlich auch ein. Beispielsweise Biomilch. Bei Produkten, die das Siegel von Verbänden wie Naturland, Demeter oder Bioland haben, kann man zudem davon ausgehen, dass die Erzeuger fair entlohnt werden.
Online einkaufen ist in vielen Lebensbereichen inzwischen normal. Auch bei Lebensmitteln nimmt das zu. Gibt es solche Angebote für regionale Produkte im Landkreis?
Foistner: Im Landkreis selbst gibt es aktuell noch kein Angebot. Im Nachbarlandkreis Amberg-Sulzbach gibt es den TLA Frischeservice, der auch Produkte von einigen Produzenten aus dem Landkreis anbietet und nach Online-Bestellung ins Haus liefert (mit Ausnahme des nordwestlichen Bereichs ist der gesamte Landkreis Liefergebiet; Anm. d. Redaktion).
Regional einkaufen und dann vielleicht auch noch bio ist teuer. Wie geht man mit dieser teils begründeten Vorstellung um?
Foistner: Man muss wissen, was man will. Will man nur die Verpackung aufreißen und einfach essen oder will man auch die regionalen Lebensmittelproduzenten unterstützen und deren Arbeit wertschätzen? Will man Genuss und, ich sage mal, auch ein bisschen Lebensgefühl? Ich bin außerdem überzeugt, dass es nicht immer zwingend teurer ist, regional einzukaufen. Man muss sich etwas mehr Mühe machen, gut planen und die Augen offenhalten.
Broschüre des Landkreises Neumarkt zeigt 75 Direktvermarkter
Sie haben die Direktvermarkter mehrfach angesprochen. Wie hat sich das Angebot im Landkreis entwickelt?
Foistner: Aktuell finden sich in der Broschüre über die Direktvermarkter im Landkreis 75 Anbieter. Insgesamt sind es aber rund 100, allerdings ist nicht jeder Direktanbieter auch in der Broschüre gelistet. Manche haben bereits einen festen und großen Kundenkreis und möchten nicht noch mehr Werbung machen.
Milch, Gemüse und Fleisch: Das erwartet man klassischerweise im Hofladen. Hat sich darüber hinaus etwas bei der Produktvielfalt getan?
Foistner: Es gibt inzwischen eine breite Palette an Produkten. Das sieht man schon, wenn man in der Broschüre der Direktvermarkter im Landkreis durch die Produktliste blättert. Ich bin immer wieder erstaunt, was es alles für Produkte gibt.
Haben Sie Beispiele?
Foistner: Es gibt Straußeneier. Man kann Essig, Mohnöl, Met kaufen und Joghurt gibt es nicht nur pur, sondern in verschiedenen, teils ausgefallenen Sorten. Die regionalen Produzenten haben tolle Ideen und machen sich viel Mühe.
Wie hat sich Ihr eigenes Einkaufsverhalten verändert, seit Sie beruflich mit dem Thema beschäftigt sind?
Foistner: Als Managerin für die Öko-Modellregion habe ich mehr Kontakt zu den Landwirten und habe entdeckt, welche Vielfalt an außergewöhnlichen Produkten bei uns im Landkreis hergestellt wird. Ich kaufe inzwischen auch sehr viele Bio-Produkte.
Gibt es ein Lieblingsprodukt?
Foistner: Die Knoblauchnudeln eines Bio-Bauern aus Lupburg sind in unserer Familie der Renner.

