Corona: Kardiologe Jörg-Heiner Möller warnt vor einem „vertuschten Impfskandal“

Hat die Impfung gegen Covid 19 Menschen krank gemacht? Der Kardiologe Dr. Jörg-Heiner Möller, der Patienten aus dem Landkreis Neumarkt betreut, sagt ja – und zwar sehr viel mehr, als offiziell zugegeben wird.
„Post Vac – Die vertuschte Katastrophe“ lautet der Titel seines Buches. Das Paul-Ehrlich-Institut indessen erkennt kein „Risikosignal“ und spricht von extrem seltenen schwerwiegenden Nebenwirkungen.
Was versteht man unter der Bezeichnung „Post-Vac“?
Zu Post Covid oder Long Covid als Langzeitfolgen einer Corona-Infektion wird inzwischen weltweit geforscht. Doch allein die Bezeichnung „Post-Vac“ ist umstritten. Der Begriff wurde für Patienten geprägt, die an denselben Symptomen leiden, diese jedoch mit einer Covid-19-Impfung (englisch vaccination) in Verbindung bringen.
„Der Begriff Post Vac stellt keine medizinisch definierte Bezeichnung einer Krankheit dar“, erklärt das Paul-Ehrlich-Institut (PEI), das in Deutschland die Sicherheit von Impfstoffen überwacht. Er unterliege keiner eindeutigen Falldefinition, wenn es um die Meldung von Verdachtsfällen einer Nebenwirkung nach einer Impfung gehe. Die staatliche Behörde spricht deshalb von „langandauernden Long-/Post-Covid-ähnlichen Beschwerden“ und betont auf Nachfrage unserer Zeitung, dass dies auch international so gehandhabt werde.
Tatsächlich ist es schwer, Post-Vac zu konkretisieren. Denn Betroffene schildern unterschiedliche Symptome. Einige werden jedoch regelmäßig aufgezählt: darunter die chronische Erschöpfung Fatigue, eine Verschlechterung aller Symptome nach geringer Anstrengung oder Herzrasen. Auch brennende Nerven- und Muskelschmerzen sowie kognitive Einschränkungen werden häufig aufgelistet.
Kardiologe Jörg-Heiner Möller sieht neue Krankheit
Jörg Möller, 66 Jahre alt und Chefarzt an der Asklepios Klinik in Burglengenfeld, kann diese Liste noch verlängern. Er betreut Patienten aus ganz Deutschland – auch Ramona Lautenschlager aus Velburg, die vor kurzem eine Selbsthilfegruppe für Post-Vac-Patienten im Landkreis Neumarkt gegründet hat. Er spricht von einer neuen Krankheit, die von Behörden und Politik verschwiegen werde und bezeichnet dieses Verhalten in seinem Buch als „Contergan-II“-Skandal.
Lesen Sie dazu einen Kommentar von Redaktionsleiterin Eva Gaupp.
„Diese Impfung und die Art ihrer Umsetzung hat weit mehr Schaden angerichtet, weit mehr Existenzen vor allem junger Menschen zerstört, mehr Familien zerstört, mehr Beziehungen zerstört, mehr finanzielle Existenzen vernichtet als dass es die Zahl der durch die Impfung geretteten Leben nur annähernd rechtfertigen würde. Und diese Wahrheit wird weiterhin vertuscht und unterdrückt.“
Weil seine Lebensgefährtin nach einer Corona-Impfung verschiedenste schwerwiegende Symptome entwickelt habe, hat er begonnen, sich intensiv mit Patienten zu befassen, denen es genauso geht.
Möllers Vorwurf: Ein Impfskandal wird vertuscht
Sein Buch, „Post Vac – Die vertuschte Katastrophe“ nennt der Kardiologe einen Schrei: „Ein Schrei der Verzweiflung und der Not von Hunderttausenden von betroffenen Impfopfern in Deutschland und deren Freunden und Angehörigen, ein Schrei der Wut und der Anklage gegen diejenigen, die dieses hunderttausendfache Elend der schweren Erkrankung mit dem postakuten Covid-19-Impfsyndrom verursachten und bis heute das Ausmaß der Katastrophe zu verharmlosen suchen.“
„Dieser Vergleich ist absurd“, lautet die Reaktion aus dem PEI auf Möllers Erinnerung an den Skandal mit dem Schmerzmittel Contergan, das in den 1955 Jahren schwere Missbildungen bei Neugeborenen zur Folge hatte. In allen EU-Staaten würden Nebenwirkungen und Impfkomplikationen erfasst und bewertet. Dabei habe sich gezeigt, „dass diese Impfstoffe viele Millionen Todesfälle durch Covid-19 verhindert haben“. Bekannte Nebenwirkungen seien in den Produktinformationen aufgeführt und veränderten nicht „das mit der Zulassung festgestellte positive Nutzen-Risiko-Verhältnis“, teilt eine Sprecherin mit.
Persönliche Betroffenheit führt zu Recherchen zu Post Vac
„Ich bin kein Impfgegner und auch kein Verschwörungstheoretiker“, unterstreicht Möller im Gespräch mit unserer Zeitung. Ganz im Gegenteil. Aufgrund seines Alters und seines Berufs sei er erleichtert gewesen, sich als einer der Ersten impfen lassen zu können. Denn in seinem Krankenhaus habe er Patienten sterben sehen, die an Corona erkrankt waren. Doch dann ließ sich auch seine Partnerin impfen. „Und ich sah den Zusammenbruch eines Lebens.“
Alle herkömmlichen Untersuchungen und Laborwerte hätten keine Ursache zu Tage gefördert. „Da habe ich mich auf den Weg gemacht.“ In seinem Buch schildert er, wie er sich in neue wissenschaftliche und medizinische Bereiche einarbeitet, um seiner Partnerin sowie der wachsenden Zahl an Patienten zu helfen.
Diese Schicksale gehen Möller spürbar nah, verfolgen ihn bis in den Schlaf, weil Medikamente und Therapien fehlen, weil Versuche scheitern oder nur kurzfristig Linderung verschaffen. Patienten sterben oder nehmen sich das Leben. „Man kann als Arzt bei diesem Elend doch nicht danebenstehen und nichts tun!“.
Von Seite zu Seite scheinen Verzweiflung und Wut des 66-Jährigen zu wachsen auf Politik, Behörden, Gerichte, den Ethikrat und das Paul-Ehrlich-Institut. Er wirft der Politik und dem PEI vor, den Zusammenhang zwischen Impfung und Krankheitssymptomen zu negieren und deshalb keine gezielte Forschung anzustoßen. „Von den nunmehr 300 von mir betreuten Post-Vac-Patienten ist kein Einziger beim Paul-Ehrlich-Institut als Impfschaden anerkannt worden.“
Paul-Ehrlich-Institut sieht keinen Zusammenhang
Tatsächlich vermeldet das PEI 340282 Verdachtsmeldungen über eine Nebenwirkung oder Impfkomplikation zum Stichtag 31.03.2023. Aktuellere Zahlen lägen nicht vor, teilt eine Sprecherin mit und verweist auf die im Internet veröffentlichten Listen mit gemeldeten Nebenwirkungen bis 31.Dezember 2023. Eine Erweiterung dieser Listen bis einschließlich Juni 2024 sei in Arbeit und werde „in nächster Zeit veröffentlicht“.
Das trifft auch auf die Ergebnisse einer Beobachtungsstudie mit der SafeVac 2.0-App zu. Bis 22.9.2022 haben 730000 Personen über diese App ihren Gesundheitszustand vor und nach einer Corona-Impfung dokumentiert. Die Studie wurde Ende 2023 beendet, derzeit liefen die Auswertungen, teilt die Sprecherin des PEI mit. „Alle Teilnehmenden wurden ein Jahr nach der letzten Impfung nochmals nach ihrem Gesundheitszustand befragt.“
Angesichts der Aussage, auch eine Impfung könne Long- bzw. Post-Covid auslösen, stellt das PEI fest: Aufgrund der ihm vorliegenden Daten sehe es „kein Risikosignal für das Auftreten dieser Beschwerden nach einer Impfung mit einem bestimmten Covid-19-Impfstoffprodukt“. Ein Zusammenhang zwischen Impfung und „einem gemeldeten Verdachtsfall einer Nebenwir-kung“ könne nicht hergestellt werden. Wobei die Behörde ausdrücklich darauf verweist, dass ein „Verdachtsfall“ nicht mit einer Nebenwirkung gleichzusetzen sei.
Wie viele Betroffene von Post-Vac gibt es tatsächlich?
Angesichts von bundesweit mehr als 192 Millionen Impfungen mit einem der Corona-Impfstoffe ergebe sich bei 1547 Verdachtsfällen dieser Long-Covid-ähnlichen Symptomatik eine extrem seltene Melderate von weniger als einem Verdachtsfall pro 100000 Impfungen, also 0,73/100000), erklärt das PEI in einer Stellungnahme vom Mai 2023. Eine Recherche in der Nebenwirkungsdatenbank der Europäischen Arzneimittel-Agentur (EMA) komme zu demselben Ergebnis.
Auffällig ist, dass die Hälfte aller europaweit gemeldeten Verdachtsfälle aus Deutschland stammen. „Mögliche Erklärungsansätze dafür fallen in den Bereich der Spekulation. An Spekulationen beteiligt sich das Paul-Ehrlich-Institut als wissenschaftlich arbeitendes Institut nicht“, teilt das PEI dazu mit. Allerdings falle für Deutschland im Vergleich mit anderen Mitgliedstaaten des Europäischen Wirtschaftsraums (EWR) „eine hohe Meldefreudigkeit bei den Verdachtsfallmeldungen von Impfnebenwirkungen“ auf – und grundsätzlich bei ganz verschiedenen Impfstoffen.
Der Mediziner Jörg-Heiner Möller indessen eine ganz andere Rechnung auf: Angesichts seiner Erfahrungen schätze er, „dass in Europa als Folge der Impfung ein bis drei Millionen chronische Impfschäden entstanden sind, neuartige Autoimmunerkrankungen“.
Post-Vac-Patienten kämpfen um eine Entschädigung
Die Situation, in der sich diese Menschen befinden, beschreibt Möller als hoffnungslos – und das nicht nur aufgrund ihrer gesundheitlichen Situation. Da Post-Vac nicht als Krankheit anerkannt ist und keine definierte Therapie existiert, müssen Betroffene oft teure Behandlungen in der Regel selbst bezahlen, außerdem verabreichen Mediziner Medikamente „off label“. Das heißt, sie empfehlen Therapien, die für andere Krankheitsbilder zugelassen sind. Daraus entsteht ein erhöhtes Risiko für beide Seiten.
Patienten kämpfen darüber hinaus bislang oft erfolglos um eine staatliche Entschädigung. Denn Versorgungsämter und Gerichte beziehen sich in ihren Entscheidungen häufig auf die Aussage des Paul-Ehrlich-Instituts. Ein Zusammenhang zwischen Impfung und Erkrankung sei nicht bewiesen, heißt es in den Bescheiden, die unserer Zeitung vorliegen. Stattdessen wird eine psychische Erkrankung vermutet.
Insgesamt wurden in Bayern (Stichtag 31. Juli 2024)bislang 2790 Anträge auf Entschädigung gestellt. 145 davon wurden bewilligt – 2024 abgelehnt. Die Quote von knapp sieben Prozent Bewilligungen liegt damit im bundesweiten Mittel – wie unsere Zeitung aufgrund aktueller Zahlen aus allen 16 Bundesländern ermittelt hat.
Besonders viele Bewilligungen hat es bislang in Berlin gegeben, wo 22,27 Prozent der Anträge stattgegeben wurde. Ein auffallend großer Unterschied etwa zu Hamburg, wo nur 0,53 Prozent der Antragsteller Erfolg hatten, oder Sachsen-Anhalt, wo es 1,34 Prozent waren.
Ob er mit seinem Buch etwas an der Situation ändert, bezweifelt der Chefarzt aus Burglengenfeld. Aber er rechnet mit heftigem Gegenwind, weil er Verantwortliche namentlich kritisiert. „Der ,Schandpfahl‘ wird mir sicher sein.“
