Aktivisten fordern: Macht Regensburg noch heißer – und baut einen Dom aus Gold

Von Philip Hell · 27. August 2024 um 16:15

Im Hitze-Check der Deutschen Umwelthilfe hat es Regensburg „nur“ auf Platz drei geschafft. Das heißt: Zwei Städte in Deutschland sind heißer als die Domstadt. Eine Gruppe von Klimaaktivisten (BE.ton – Zukunftsvisionen für Regensburg) ist der Auffassung, dass da noch deutlich mehr geht. An fünf Stationen in der Altstadt unterbreiten sie daher satirische Vorschläge, damit es im kommenden Jahr zu Platz eins im Hitze-Check reicht. Ein satirischer Spaziergang durch eine heiße Stadt, die bald hoffentlich noch heißer wird.

• Schluss mit dem Dschungel in der Maxstraße

Es ist 9 Uhr am Dienstagmorgen. Theresa Martini und Simon Lachner von BE.ton stehen in der Maxstraße. Er trägt einen gelben Bauarbeiterhelm, sie einen Hammer.

Die beiden wollen was anpacken. Der Zettel, auf denen sie ihre Pro-Hitze-Maßnahmen erläutern, hängt in einem der Bäume, die die Stadt hier in Trögen gepflanzt hat. Die Straße, so die Aktivisten, drohe zu einem Dschungel zu werden. So könne man sich den Aufstieg im Hitze-Ranking definitiv abschminken, betonen die Aktivisten. Schließlich sorgten Grünflächen dafür, dass Wasser versickern und verdunsten könne, was wiederum einen positiven Effekt auf das Stadtklima habe. Immerhin seien Gebäude- und Fassadenbegrünung in Regensburg äußerst selten, betonen die Aktivisten.

• Ein Dom aus Gold? Und: So könnte Gloria helfen

Die nächste Station befindet sich unmittelbar vor dem Dom. Dort schreiben die Aktivisten: „Ja, grau ist spitze, aber seien wir mal ehrlich, auch etwas trist!“ Ihr Vorschlag: Der Dom könnte neu gebaut werden. Daher lassen die Aktivisten die Regensburger mit kleinen roten Stickern darüber abstimmen, ob er aus Gold, Eisen, Marmor oder doch Beton gebaut werden soll. Am Dienstagmorgen lag noch Beton recht klar vorne, zwei Regensburger plädieren allerdings für einen goldenen Dom. Auch ein Konzept für die Finanzierung steht bereits: Die Aktivisten sind sich sicher, dass ihnen Gloria von Thurn und Taxis zur Seite steht. „Seit Jahren ist sie die Nummer eins Supporterin, wenn es darum geht, Menschen vor Unkraut zu schützen“, schreibt die Gruppe. „Sorgfältig hält sie ihren Schlosspark vor der Außenwelt verschlossen und trägt damit zu unserem schnuckelig warmen Stadtklima bei.“

• Feuertonnen auf dem Neupfarrplatz

An der Station am Neupfarrplatz erläutern die Aktivisten den Hitze-Check der Umwelthilfe etwas genauer. Demnach hätten insbesondere der Grad der Versieglung einer Stadt und ihr Grünvolumen eine zentrale Rolle gespielt. Gerade ersteres sei am Neupfarrplatz bestens umgesetzt, befinden die Aktivisten vor Ort. Die Steine rund um den Platz nähmen die Hitze nur auf, während Grünflächen und Gewässer durch einen Verdunstungseffekt die Umgebung abkühlten. Den Neupfarrplatz möchten die Aktivisten noch heißer machen: Dort könnte man Feuertonnen aufstellen, oder Heizstrahler, die nun in Restaurants verboten sind. Darüber hinaus empfiehlt die Gruppe den Regensburgern, ja nicht über Nacht zu lüften, damit ein Wärmeaustausch stattfinden kann. Zwar führe die Hitze auch zu Toten, allerdings: „In Grünzeug leben Zecken und die sind schließlich auch gefährlich!“

• Brunnen muss weg: Schotter für den Bismarckplatz

Am Bismarckplatz zeigen die Aktivisten mit Bildern des Bund Naturschutz, wie „schlecht“ sich die beiden Brunnen auf das Klima auf dem Platz auswirken. So habe die Wasseroberfläche in etwa 25 bis 30 Grad, während das Theater bis zu 50 Grad heiß ist. Der Vorschlag der Aktivisten: „Schottergärten aus den Brunnen machen!“ Die Bayerische Staatsregierung wolle das Schottergarten-Verbot eh aufweichen. „Danke, dass ihr uns keine Steine in den Weg legt.“

• Weg mit der Donau: Parkplätze statt Polder

Die wohl radikalste Idee haben die Aktivisten für die Donau. Sie prophezeien in der Station an der Wurstkuchl, dass Starkregenereignisse – und damit Hochwasser wie Anfang Juni – immer weiter zunehmen. Flutpolder, das hätten die vergangenen Jahre gezeigt, kämen nicht besonders gut an. Das Konzept Schwammstadt sei auch nichts für Regensburg, „weil wir Versiegelung einfach zu sehr lieben“. Daher bleibt in den Augen der Aktivisten nur eine Idee übrig, um Hochwasser künftig zu verhindern: „Donau betonieren!“

Simon Lachner trägt den gelben Helm nach wie vor auf dem Kopf und lässt den Blick über den Fluss schweifen. „Wir müssen uns auch einfach mal fragen, was die Donau je für uns getan hat?“, fragt er ironisch. Ernst meinen die Aktivisten das natürlich nicht, wie Lachner stellvertretend für die ganze Gruppe sagt: „Wir wollten das mal aufs Korn nehmen und fragen: Was können wir noch schlimmer machen?“ Die Realität sei dagegen finster: „Die Klimakrise ist nicht mehr aufhaltbar, die Kipppunkte sind überschritten. Wir haben zu lange gezögert, haben uns zu lange über Klimaaktivisten lustig gemacht. Nun müssen wir darüber nachdenken, wie wir es mit der Klimakrise aushalten.“