Diese Gästeführerin kennt kein Sommerloch: Andrea Gallersdörfer zeigt Regensburgs schönste Ecken

Malerische Innenhöfe, versteckte Gässchen: Andrea Gallersdörfer weiß, welche verborgenen Plätze in der Regensburger Altstadt Besucher in Entzückung versetzen. Lieblingsstation der Gästeführerin, die seit sieben Jahren Touristen wie Einheimischen die Stadt zeigt, ist dennoch ein ganz bekannter Ort: Der Haidplatz.
„Hier lässt sich ganz wunderbar über das Thema Steinerne Stadt sprechen“, sagt sie, „wenn man bedenkt, dass es sich einst um einen Markt- und Turnierplatz gehandelt hat, versteht man, warum Bäume hier früher nur gestört hätten“. Wenn sie bei Temperaturen von rund 30 Grad mit ihren Gästen über dieses „Steinerne Erbe“ spricht, macht die 62-Jährige das jedoch nicht mitten auf dem Platz. Zuhören lässt es sich besser im Schatten abseits der heißen Pflastersteine. „Man muss schließlich darauf achten, dass sich alle wohlfühlen“, sagt sie.
Immer freundlich bleiben
Gallersdörfer, die ursprünglich aus Franken kommt, lebt seit 40 Jahren in Regensburg. „Ich liebe diese Stadt“, sagt sie. Da sie schon immer gern in der Altstadt unterwegs, aber nie ein „Shopping-Mensch“ gewesen sei, hätten Stadtführungen irgendwie nahe gelegen. „Ich interessiere mich sehr für Geschichte“, sagt sie, „und in Regensburg gibt es endlos viel zu entdecken“.
Souverän, locker, offen – und immer freundlich: Diese Eigenschaften müsse ein guter Gästeführer mitbringen, sagt Gallersdörfer. Ob Kinder oder Erwachsene, Urlauber auf Städtetrip, Kreuzfahrt-Touristen oder Einheimische: Für jede Gruppe gelte es, das passende Programm zu finden. „Damals in der Ausbildung hat man uns gesagt, dass es keine fünf Minuten dauern wird, bis wir wissen, was eine Gruppe will. Heute brauche ich dafür keine Minute mehr“, sagt sie.
Führung sind immer gefragt
Ausbilden lassen hat sie sich über den Regensburger Verband Kulttouren e. V., einem Zusammenschluss von rund 120 freiberuflich tätigen Gästeführern. Heute zeigt sie nicht nur Besuchern die Stadt, sondern kümmert sich als erste Vorsitzende des Verbandes in einem dreiköpfigen Vorstandsteam auch um Vereinsleben und Marketing. „So ist man immer nah dran am Stadtgeschehen“, sagt sie.
Zu tun gebe es dabei immer etwas – und auch, was die Führungen betrifft, ist Gallersdörfer durchgehend gefragt. „Früher gab es im August immer einen kleinen Durchhänger“, sagt sie, „doch jetzt existiert so etwas wie ein Sommerloch eigentlich gar nicht mehr. Städtereisen und innerdeutscher Tourismus werden auch während der Sommerferien immer beliebter“. Gallersdörfer freut das. Die Führungen im Sommer sind ihr die liebsten. „Selbst, wenn es mehrere Gruppen am Tag sind, habe ich viel mehr Energie“, sagt sie, „es fühlt sich alles viel leichter an“. Auch die Gäste, beobachtet sie, seien während der warmen Monate viel entspannter. „Im Winter bin ich entsprechend vorbereitet, mit dicker Kleidung und Wärme-Pads. Die Zuhörer aber vielleicht nicht unbedingt. Frierend, bei Minusgraden, können einem eineinhalb Stunden Stadtführung dann natürlich lang vorkommen.“
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Wasserflasche ist immer dabei
Auch abseits der Touren genießt Gallersdörfer das Sommerwetter. Wenn sie nicht im Regen baden geht, ist sie mit einem guten Buch auf der Terrasse oder in der Hängematte zu finden. „Lesen ist ein großes Hobby von mir“, sagt sie. Dass sie auch hier die Geschichte nicht loslässt, zeigt ihre neueste Lektüre: Eine Biografie von Johannes Kepler. „Um Führungen dazu geben zu können, muss mich ja entsprechend einlesen“, sagt sie.
Ist sie als Gästeführerin im Einsatz, lässt sie den schweren Lesestoff lieber zuhause. Immer im Gepäck hat sie nur ihre Wasserflasche. „Wenn ich mir etwas wünschen dürfte, wären es mehr öffentliche Trinkwasserbrunnen in der Altstadt – angefangen beim Rathausplatz und beim Haidplatz“, sagt sie.
Führung zum Thema Wasser
Gerne erinnert sie sich auch an den Sommer 2022, als der PlayFountain auf dem Haidplatz gestanden habe. „Dass der Spielbrunnen jetzt auf dem Neupfarrplatz aufgebaut ist, ist auf jeden Fall sinnvoller. Aber rein optisch hat er dort schon toll hin gepasst.“
Rund um das Thema Wasser gebe es mittlerweile sogar ein eigenes Führungsangebot, erzählt Gallersdörfer noch. „Zu viel Wasser, zu wenig Wasser – das alles hat eine Bedeutung für die Stadt“, sagt sie, „das ist wirklich spannend“.