Stammgäste im Regensburger Wöhrdbad erzählen sich das ganze Leben

Viele Regensburger ziehen morgens im Wöhrdbad ihre Bahnen – Im Becken kennt man sich.
Es ist kurz nach 7Uhr. Am Beckenrand dehnen sich zwei Studentinnen. Im abgetrennten Schwimmer-Streifen pflügen schnelle Krauler durch das Wasser. Zwei Drittel der Fläche aber gehören den geselligen Frühsportlern. Nebeneinander gleiten sie durch das 24 Grad warme Nass und unterhalten sich prächtig.
Monika Raß (78) und Elisabeth Werkmann (56) kennen sich vom täglichen Badbesuch und tauschen sich lebhaft aus. Beide sehen jünger aus. Am Beckenrand erzählt Raß: „Mein Aussehen – das ist das Schwimmen. Ich mache es jeden Tag, wenn es geht, eine halbe Stunde. Da fängt der Tag ganz anders an.“ Ihr Mann begleitet sie häufig. Monika Raß genießt die Kulisse mit den alten Baumriesen. Im Winter trainiert das Ehepaar im Fitnessstudio an Geräten.
Elisabeth Werkmann wohnt in der Nähe des Stadtparks und strampelt mit dem Fahrrad ins Wöhrdbad. „Das Bad ist so schön – toll, dass wir es haben und dass es auch am Wochenende um 7 Uhr aufmacht“, sagt sie. Werkmann ist Lehrerin an der Staatlichen Realschule Neutraubling. „Dass ich jeden Tag schwimme, ist mein Ferienvergnügen. Man muss nicht wegfahren. Wir haben alles vor der Haustüre.“
Danach in die Cafe-Bar
Die Schwimmerinnen schätzen die Gemeinschaft im Wöhrdbad. Wenn sie einen Tag fehlen, fragen andere Sportler beim nächsten Besuch nach, was denn los gewesen sei. Wieder andere melden sich ab, wenn sie verreisen. „Ich bin jetzt zwei Wochen bei meinem Vater in Hamburg“, kündigte ein Sportler kürzlich an.
Monika Raß fährt nach dem Sport heim und gönnt sich ein Frühstück auf der Terrasse: Müsli mit Obst, Tee und zum Abschluss einen Espresso. Elisabeth Werkmann fährt bei der Cafe-Bar vorbei. Sie lässt sich einen Cappuccino servieren und genießt das italienische Flair.
In den drei Monaten Juni bis August öffnet das Bad stets um 7 Uhr. Bis 9 Uhr schwimmen bei gutem Wetter immer 150 bis 200 Gäste. „Bei Regen kommen nur die Hartgesottenen“, beobachtet Christian Maier, der Leiter des Wöhrdbads. Die meisten Frühschwimmer kennt der 53-Jährige. Es sind Rentner, Studierende, Urlauber, die ihre Freizeit im Bad verbringen. „Die breite Masse kommt vor der Arbeit“, sagt er. „Sie wollen sich erfrischen und bewegen.“ Maier springt nach dem Dienst selbst ins Becken und legt einen Kilometer zurück. Das Wasser habe etwas Meditatives.
Eine schlanke Frau marschiert von der Umkleide Richtung Becken. Sie treibt Sport, um ihren Rücken zu stärken. „Beim Schwimmen kann man am wenigsten falsch machen.“ Die 59-jährige Diplom-Pädagogin wirft einen Blick ins Wasser. „Heute wird das Rückenschwimmen schwierig, weil viel los ist.“ Einen Wunsch an die Leitung will sie loswerden: „Es wäre wunderbar, wenn das Bad bis 22 Uhr offen hätte.“
Maria Theresia und Bernhard Buckenleib halten sich mit der morgendlichen Schwimmstunde fit. „Man wird leistungsfähiger“, sagt die 62-jährige Klavierlehrerin. Weil das Wasser 24 bis 25 Grad warm sei, koste es auch keine Überwindung. „Das macht man aus Spaß an der Freud‘.“
Längere Öffnung erwünscht
Ihr Mann (67), ein früherer Bankangestellter, ergänzt: „Es schenkt mir Zufriedenheit.“ Beide lieben die Kontakte. „Die Stammgäste erzählen sich untereinander das ganze Leben“, sagt Maria Theresia Buckenleib lachend. „Da weißt du mit der Zeit den Kontostand.“
Jeden Winter wechselt das Ehepaar ins Hallenbad. Die Buckenleibs sind traurig, dass es im Frühjahr für die Sanierung zusperren wird. Alexander Süß, der Betriebsleiter Bäder beim Stadtwerk, wiegelt ab. „Das Ostbad wird doch zeitnah eröffnet.“
Die Abende im Wöhrdbad aber werden nicht länger, denn die Öffnungszeiten richten sich nach der Dämmerung. Es gebe keine Unterwasserscheinwerfer wie im Westbad, die für Sicherheit sorgten, sagt Süß (34). Weil die Mitarbeiter um 22.30 Uhr den Dienst beenden, könne bei einer Schließung nach 20 Uhr nicht mehr gereinigt werden. Für eine Verlängerung sei der Bedarf zu gering.
Manuela Erhardt rückt ihre Schwimmbrille zurecht. Ehe sie ins Wasser steigt, möchte die 56-Jährige das Stadtwerk für die Öffnung um 7 Uhr früh, auch am Wochenende, loben. „Das macht weit und breit kein Bad.“ Erhardt schwimmt jeden Samstag- und Sonntagmorgen. „Es tut der Psyche gut.“
Die Serie
Urlaubszeit: Es ist Sommer in der Stadt – für die meisten Regensburger eine besondere Zeit mit Ausflügen an die Donau und die Seen in der Region, geselligem Draußensitzen auf den Plätzen der Stadt und dem Flanieren durch die Gässchen.
Porträts: In unserer Serie „Sommermenschen“ porträtieren wir Menschen aus der Stadt und dem Landkreis Regensburg, für die der Sommer auf ganz verschiedene Art und Weise eine außergewöhnliche Bedeutung hat.



