Folgenschwere Attacke: War Angriff im Regensburger Diskothekenviertel doch Notwehr?

Die folgenschwere Attacke im Regensburger Diskothekenviertel auf einen 25-jährigen Fahnder im Februar beschäftigt die Justiz in Regensburg bis heute. Erstmals melden sich nun die Verteidiger der verhafteten Männer zur Wort.
Am 11. Februar wollen Zivilfahnder in Regensburg die wilde Prügelei vor einem Club stoppen, geraten aber selbst ins Visier – einem Beamten wird der Kiefer gebrochen. Szenen der Auseinandersetzung haben Videokameras aufgezeichnet, die der Kripo vorliegen. Die Verteidiger der Tatverdächtigen schildern das ganz anders: Es war Notwehr, sagen sie. Ihre Mandanten hätten nicht erkannt, dass es Polizisten waren, die eingriffen.
Gewalt gegen Regensburger Polizeibeamte „mit vergleichbar schweren Folgen, wie in diesem Fall“ gab es laut Polizeisprecher Matthias Gröger nicht so oft. Der betroffene Kollege erlitt im Februar einen Kiefer- und Augenhöhlenbruch. Auch ein Nerv im Gesichtsbereich wurde verletzt, wie das Polizeipräsidium damals mitteilte. Der 25-Jährige habe operiert werden müssen – er war längere Zeit arbeitsunfähig.
Polizeibeamten wollten Schlägerei vor Club beenden
Schauplatz der heftigen Attacke war der St.-Peters-Weg in Regensburg, inmitten des sogenannten Diskothekenviertels. Es ist die Nacht auf Sonntag, 11. Februar, als zwei Zivilfahnder zu Augenzeugen einer Schlägerei wurden. Sie schritten ein und konnten die Streithähne zunächst trennen. Ein 40-Jähriger aus Regensburg sowie ein 27-Jähriger aus Neutraubling flüchteten, weshalb die Polizisten in Zivil sie verfolgten.
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Bis dahin ist das Geschehen gegen 3.30 Uhr morgens unstrittig. Strafverteidiger Johannes Büttner betonte, dass sein Mandant vor dem Club von anderen angriffen worden wäre. „Da gab es im Vorfeld massive Drohungen, wie: Wir knallen Euch ab.“ Der 27-Jährige, den der Anwalt vertritt, sei Türsteher, an jenem Abend aber nicht im Dienst gewesen. Die Angreifer wären in der Vergangenheit vielfach wegen Problemen des Lokals verwiesen worden. Am 11. Februar, so habe sein Mandant geglaubt, hätten die Männer nun abrechnen wollen.
Dass die Tatverdächtigen geflüchtet seien, ließe sich auf Videos aus jeder Nacht gut nachvollziehen. Mit gezogenen Pistolen wurden sie verfolgt, wie Büttner und Strafverteidiger Jörg Meyer betonten. Dass die Verfolger jedoch Polizeibeamte waren, wollen die später verhafteten Männer weder gewusst, noch die „Polizei“-Rufe gehört haben. Fakt ist: Im vollen Lauf drehte sich der jüngere der beiden um und versetzte dem 25-Jährigen einen massiven Faustschlag. „Reflexartige Notwehr“, nannte Büttner das und betonte: „Hätte er gewusst, dass das Polizisten sind, hätte er doch nie zugeschlagen.“
Anwälte: Polizisten in Zivil waren nicht erkennbar
Zeugen des Vorfalls wollen die Rufe der Beamten gehört haben, ein anderer Zeuge dagegen nicht. Ob die tatverdächtigen Männer das wahrnahmen, ist offen. „Das war alles eine sehr dynamische Situation“, betonte Meyer, der den 40-jährigen Regensburger vertritt. Durch Uniformen erkennbar wären die Polizisten aber nicht gewesen. Und auch ausgewiesen hätten sie sich nicht. Darauf pochten die Anwälte in Stellungnahmen an die Staatsanwaltschaft Regensburg.
Dort sind die Ermittlungen im Wesentlichen abgeschlossen, wie Oberstaatsanwalt Thomas Rauscher, der Sprecher der Behörde, auf Anfrage mitteilte. Mit einer Abschlussverfügung sei noch im August zu rechnen – ob das aber eine Anklage gegen die beiden Männer oder die Einstellung des Verfahrens ist, ließ Rauscher offen.