Tobias Schromm aus Furth im Wald macht sich als Langschwertkämpfer einen Namen

Von Alexander Frimberger · 25. August 2024 um 05:00

Zum ersten Mal hat mit Tobias Schromm ein echter Further ein Schwert-Turnier auf dem Cave Gladium gewonnen. Grund genug ihn zu besuchen, sich mit ihm über seine außergewöhnliche Leidenschaft und seinen kometenhaften Aufstieg zu unterhalten.

Wir sitzen in der Küche, trinken Tee und Mineralwasser, vor mir sitzt ein aufgeräumt wirkender junger Mann. Nichts deutet darauf hin, dass er in der Arena mit einem Deutschen Langschwert auf andere losgeht. Sein Kampfname lautet „Kayne“. Der hat keine besondere Bedeutung. „Das Cave erlaubt Spitznamen, also habe ich mir den ausgesucht.“

Außergewöhnliches Talent

Wer jetzt glaubt, Schromm wäre mit seinen 23 Jahren schon ein alter Hase auf dem Gebiet, der irrt gewaltig. Im vergangenen Jahr hat seine Karriere auf dem Cave Gladium angefangen. Davor hat er nur mal mit Stahlhelm und -handschuhen gekämpft. Das ist jetzt völlig anders. Um in den Chambauen in den Ring steigen zu dürfen, braucht es eine Fechtmaske, die den entsprechenden Stichschutz hat. Einen Stich von der Stärke 1600 Newton muss er aushalten können. Das ist beim Spaßturnier in Furth allerdings nicht so maßgeblich, denn im Gegensatz zu anderen Turnieren, wird dort nicht zugestochen, sondern geschlagen. Und zwar nur auf Torso, Oberarme und Oberschenkel. Die restlichen Körperteile, also auch der Kopf, sind tabu.

Damit das Ganze eine zwar Adrenalin getränkte, aber sichere Sportart bleibt, sind neben dem Kopf auch Hände, Schienbein, Knie und Ellenbogen mit Schonern zu versehen. Komplett und für den Kampf zugelassen ist der Recke dann mit einer Fechthose und entsprechender Jacke. Schromm zeigt einen blauen Daumennagel: „Das ist die schlimmste Verletzung, die ich mir zugezogen habe“, sagt er und lacht. Blaue Flecken, räumt er ein, kann es dagegen schon mal geben. „Man darf nicht zimperlich sein und muss schon was wegstecken können.“ Trotzdem, im Laufe seiner früheren Fußballkarriere in Furth und Ränkam hat er sich wesentlich schlimmere Blessuren zugezogen. Übrigens, der Papa wollte, dass er Tennisspieler wird. Daraus ist nichts geworden: Jetzt schwingt Tobias statt dem Schläger halt das Schwert.

Doch zurück zum Cave, wo alles begonnen hat. Im wahrsten Sinne des Wortes. Schon als Kind hat es ihm das Mittelalterlager angetan. Mit Freunden hat er sich mit Holzschwertern in der Arena gemessen. Später ist er einer Lagergruppe beigetreten, in der auch ein Kumpel Mitglied war. Die haben vor allem Schaukämpfe veranstaltet. „Das ist so ähnlich wie die Kämpfe beim Drachenstichfestspiel.“

Das war dem ehrgeizigen jungen Mann aber nicht genug. Er suchte den Wettkampf und so stand er im vergangenen Jahr erstmals mit dem Langschwert in der Further Arena und wurde überraschend Zweiter. Einer der Kampfgefährten hat das Talent erkannt und gesagt: „Du musst unbedingt dabei bleiben.“ Also hat sich Tobias umgesehen und ist in Strahlfeld fündig geworden. Dort trainiert er regelmäßig und feilt an seiner Technik. Das Virus Wettkampf hat ihn längst infiziert, heuer war er schon auf Turnieren in Köln und Potsdam. Und der „Rookie“ schlägt sich mehr als wacker. In der Rheinmetropole wird er zwölfter und in Potsdam scheitert er erst im Viertelfinale, wird schließlich Achter. „Da hatte ich ein bisschen Pech, dass ich mit Phillip Lechner auf den besten deutschen Hema-Kämpfer getroffen bin. Er ist zwanzigster der Weltrangliste. Von ihm habe ich eine Lehrstunde bekommen.“ Hema ist die Abkürzung für: „ Historical European Martial Arts“ was auf deutsch etwa historische Kampfkünste Europas bedeutet.

Nächster Termin ist Ende September beim Hanseschlag in Hamburg. Auch dort will Schramm wieder angreifen. Und er hat große Ziele. „Die beste Kampfzeit ist zwischen 28 und 30 Jahren“, sagt er. Genügend Zeit also, sich ganz an die Spitze vorzukämpfen. In den Nationalkader würde er mittelfristig gerne kommen. Da sind die acht Punktbesten der Saison vertreten. Im Moment wird er auf der Weltrangliste auf Platz 1100 von knapp 10000 Kämpfern geführt. Wohl gemerkt nach einem Jahr.

Fan von „Herr der Ringe“

Sein Talent mag er selbst nicht einschätzen aber einige mit denen er geredet hat, sagen schon, dass das eher eine Ausnahme sei. „Normalerweise wird man als Anfänger bei Turnieren abgefrühstückt.“ Schromm weiß sich dagegen zu wehren.

Doch der Erfolg hat viele Väter, und so möchte er vor allem auch seinem Lehrer danken. Vielleicht liegt seine große Liebe zu Hema ja auch daran, dass ihn Geschichten wie „Herr der Ringe“ immer schon fasziniert haben. Schließlich führt nicht nur der spätere König Aragorn eine feine Klinge. Trotz aller Kampfeslust ist die Community miteinander verbunden. Das kann man auch auf dem Cave beobachten, wo es in der Arena nicht nur äußerst fair, sondern vor und nach dem Kampf freundschaftlich und respektvoll zugeht. Zwei Mal die Woche trainiert er, dazu kommen Turniere und zwanglose Fechtertreffen; zum Beispiel an zahlreichen Wochenende unter der Theodor-Heuss-Brücke in einem Nürnberger Stadtpark.

Was braucht es denn an körperlichen Voraussetzungen um mithalten zu können? Koordination, schnelle Reaktion, Technik und Geduld, wenn man den Gegner vor der Aktion umkreist. „Ganz wichtig ist aber vor allem Fitness.“ Die ist für den dualen Studenten der Fitnessökonomie und -wissenschaften natürlich kein Problem. Seine Freundin ist übrigens ebenfalls höchst erfolgreich aktiv. Wenn es gegen einander geht, dann zumeist mit dem Messer. Was sich liebt, das sticht sich, könnte man in diesem Fall sagen.

Hema

Der Hema-Sport erfreut sich wachsender Beliebtheit. Die ganz großen Kämpfer kommen aus Ländern wie Finnland oder auch aus Osteuropa. Schromm sagt, Deutschland ist in der Szene gut vertreten.

Tobias Schromm kämpft hauptsächlich mit dem deutschen Langschwert, hat damit in diesem Jahr auf dem Cave sein Turnier gewonnen. Außerdem probiert er sich am Rapier aus, einem Hieb- und Stichschwert. Auch mit dem Messer, hantiert er.

Im Gegensatz zum olympischen Fechten, wo es nur vor und zurück geht, mag er den Raum, den man in der Arena hat. Man kann ausweichen, beobachten und die Bewegungsfreiheit nutzen.

Hema muss man nicht als Wettkampfsport betreiben, das geht auch nur so zum Spaß.

Das Langschwert mit dem langen Griff und ein Rapier mit verschnörkelter Griffverzierung.