Burschen lassen in Schwaig die Muskeln spielen – Und sorgen für Identität im Dorf

Von Jochen Dannenberg · 23. August 2024 um 19:00

Das Sterben der Dörfer geht oft langsam und unauffällig. Doch es ist nicht unausweichlich. Ein Neustädter Ortsteil hält erfolgreich dagegen.

Zwar hat in Schwaig vor einiger Zeit ein Traditionswirtshaus geschlossen, doch es gibt noch immer zwei Lokale, einen Pfarrer, sogar ein eigenes Theater und außerdem sehr rührige Vereine. Einer der Vereine sorgt jetzt dafür, dass das alte Dorfzentrum, das sich etwas abseits der Hauptstraße befindet, aufgewertet wird: Die Mitglieder des Burschenvereins greifen zur Schaufel und richten den Maibaumplatz her.

„Das hat hier schlimm ausgesehen“, sagt Michael Schmidt, 1. Vorsitzender des 158 Mitglieder zählenden Traditionsvereins. Der kleine Platz, gegenüber der alten Mühle, dem Kaltenbrunner Bach und an der Einmündung mehrerer Straßen gelegen, lud trotz einer Sitzbank schon lange nicht mehr zum Verweilen ein. Der Platz, der nur ein paar Dutzend Quadratmeter groß ist, war komplett zugewuchert.

Hier soll wieder Leben stattfinden, sagen Michael Schmidt, sein Stellvertreter Lukas Kiermayer und Niko Grillmeier, die an diesem Dienstagvormittag auf der Baustelle im Einsatz sind. Das alte Gestrüpp ist bereits verschwunden, neue Randsteine für das künftige Pflaster wurden gesetzt. Jetzt schaufeln die drei den Schotter, der als Untergrund für das neue Pflaster dient.

Mitten im alten Dorfkern

„Das ist hier der alte Dorfkern“, sagt der Vorsitzende des Burschenvereins. „Früher stand hier auch das Kriegerdenkmal.“ Noch heute ist der dörfliche Charakter des Ortes an dieser Stelle gut zu erkennen. In Sichtweite gibt es mehrere Bauernhöfe.

Michael Hartl, der für Schwaig dem Neustädter Stadtrat angehört, stellt fest: „Ich finde es gut, dass sich der Verein und damit insbesondere jüngere Bürger für den Ort und seine Bürger engagieren.“ Eigentlich, meint Hartl, wäre die „Aktion Maibaumplatz“ eine Aufgabe der Stadt gewesen, „aber da wären wohl noch Jahre ins Land gegangen. Und dann hat der Burschenverein die Arbeit übernommen“.

Tatsächlich hatte der Architekt und Städteplaner Karl Sperk vor fast drei Jahren im Stadtrat über Potenziale im Wohnungsbau in Neustadt a.d. Donau gesprochen. Das Credo des Architekten, der die Stadt seit vielen Jahren kennt und bei der Stadtsanierung berät, lautete nicht nur, in Anbetracht künftigen Bevölkerungswachstums bisher ungenutzte Flächen und Gebäude zu nutzen. Sperk stellte außerdem fest, „dass in den meisten Ortsteilen qualifizierte, identitätsstiftende Ortsmitten fehlen“.

Wann die Renovierung des Maibaumplatzes fertiggestellt sein wird, ist nicht klar. Dabei sind die Arbeiten überschaubar. Das neue Pflaster muss gesetzt, zwei Bäume und Gräser sollen gepflanzt werden. Außerdem wird es einen Tisch und zwei Bänke geben. Die Kosten fürs Material – und vielleicht auch für einen Imbiss anlässlich einer kleinen Einweihungsfeier – übernimmt die Stadt.

Party am Sportplatz

Vorher aber steht beim Burschenverein, dessen Mitglieder ehrenamtlich am Platz arbeiten und sich ansonsten um die Freizeitgestaltung der Dorfjugend kümmern, noch eine andere Veranstaltung an, die vorbereitet werden will: Am 14. September findet auf dem Sportplatz in Schwaig wieder der „Sommer Break“ statt. Einlass ist ab 20 Uhr und ab 21 Uhr sorgt DJ Wamax an den Turntables für Stimmung bis tief in die Nacht.

Und danach, vielleicht zum nächsten Jahr, wird auch der Maibaum aufgehübscht. Die Tafeln sind leider schon etwas verwittert, meint auch auch Michael Schmidt, der Vorsitzende des Burschenvereins Schwaig. alt

Die Mitglieder des Burschenvereins richten auch den Untergrund für das neue Pflaster her.
Am Maibaumplatz fließt der Kaltenbrunner Bach vorbei. Eine Mühle schließt sich an.