Ein Wissenschaftskrimi: Schwarze Flecken im Gesicht des Trenck

Von Martin Hladik · 22. August 2024 um 11:00

Es ist schon beinahe ein Wissenschaftskrimi, den Karlheinz Schröpfer da erzählt. Ausführlich wiedergeben und mit allen interessanten Details beschrieben wird das Ganze in seinem Buch über Kathi Schwab und Oberst Trenck, das im September vorgestellt werden wird. Uns hat er vorab schon einmal die kurze Version erzählt.

Die Vorgeschichte beginnt im letzten Jahrtausend. So würde es wahrscheinlich in einem Roman über den Abenteurer und Kriegsherrn von der Trenck stehen. Prosaischer schreibt es sich so: 1999 planten die Museumsmacher auf der Veste Spielberg in Brünn eine Ausstellung zum 250. Todestag des Freiherrn. Sie traten in Kontakt mit dem Trenck-Kenner Karlheinz Schröpfer. Der konnte einige Stücke zur Ausstellung beitragen, und seitdem gibt es zwischen dem Grenzland- und Trenckmuseum in Waldmünchen und dem Stadtmuseum auf der Veste Spielberg in Brünn eine enge Verbindung.

Ein rekonstruiertes Gesicht

Die zahlte sich 20 Jahre später ein weiteres Mal aus, berichtet Schröpfer. Denn in Brünn wollte man die Mumie des Freiherrn von der Trenck wissenschaftlich untersuchen. Er sollte durch einen Computertomographen geschickt werden. Ziel war es nicht nur , Zeichen von Krankheiten oder Verletzungen zu finden, sondern vor allem dem Trenck wieder ein Gesicht zu geben. Das Gesicht sollte mit forensischen Methoden, die auch in der Kriminalistik Verwendung finden, rekonstruiert werden. Ein Grund dafür war auch der Titel der Ausstellung von 2019, erzählt Schröpfer: „Baron Trenck – das Gesicht einer Legende“.

Wegen des guten Kontakts zu Schröpfer habe der Museumsleiter Petr Vachut mit ihm gemailt. Denn die Ergebnisse der detailreichen Aufnahmen hätten ergeben, dass es in einer Gesichtshälfte von Trenck und in den Wangenknochen Pulverspuren gab. Warum, habe man sich in Brünn nicht erklären können.

„I scho!“, sagt Schröpfer gleich danach. Er habe sogar auf den Tag genau sagen können, wann und wo das passiert sei. „Als ich das mitgeteilt habe, ist der Museumsdirektor fast ausgeflippt!“

Dann erzählt Schöpfer in seiner lakonischen, fast druckreifen Art zu sprechen weiter. Am 17. Juli 1742 habe Trenck die Burg Dießenstein im Landkreis Freyung-Grafenau erobert. Weil ihm die Burg nicht freiwillig übergeben wurde, glaubte Trenck, dass im Keller der Burg Schätze versteckt sein könnten. In seinem „Übereifer“ durchsuchte er den Burgkeller mit einer Fackel und entzündete dabei „ein Fassl Pulver“, berichtet Schröpfer. Trenck sei sieben Meter weit weggeschleudert und schwer verletzt worden. Er sei nach Passau zum Wirtshaus „Goldene Waage“ gebracht worden. Die untersuchenden Ärzte hätten nur wenig Hoffnung gehabt, dass Trenck seine Verletzungen überleben könne. Rettung habe ein „Kräuterweiblein“ gebracht. Sie habe Trenck Blätter aufgelegt und „nach drei Wochen konnte er wieder unter die Leute“, erzählt Schröpfer. Allerdings sei eine Seite seines Gesichtes wegen der Pulvereinschlüsse dunkel geblieben.

Dominante Adlernase

Schröpfer zeigt ein Computerporträt eines Mannes, der neben seinen Bartstoppeln auch noch andere schwarze Flecken im Gesicht hat. So haben die Fachleute in Brünn anhand der forensischen Daten und der Erkenntnisse über die Explosion das Gesicht Trencks rekonstruiert und für die Ausstellung genutzt. Im Prinzip ist es das gleiche Verfahren, das Kriminalisten für Phantombilder von Leichen nutzen.

Schröpfer ist seines Wissens der erste deutschsprachige Autor, der diese und weitere Erkenntnisse aus der CT-Untersuchung für sein Buch nutzen konnte. So haben die tschechischen Fachleute festgestellt, dass Trenck „markante Augenbögen“ und „eine dominante breite Adlernase“ hatte. Allerdings sei sein Gesicht asymmetrisch gewesen und habe sicher nicht dem Schönheitsideal entsprochen, heißt es einer Beschreibung der Gesichtszüge.

Festgestellt wurde auch, so Schröpfer, dass einer der Schneidezähne Trencks völlig abgerieben war, weil er hier seine Pfeife hielt. Zudem wurden diverse Verletzungen an den Knochen festgestellt, die mit Trencks Kriegserlebnissen in Zusammenhang stehen könnten. Mehr dazu wird man aus dem neuen Buch Schröpfers erfahren können, das im September in Waldmünchen vorgestellt wird.