Oberpfalz in Zahlen: Mehr Bürger, knapper Wohnraum und das trügerische Gefühl der Überfremdung

Der Zensus ist eine wichtige Arbeitsgrundlage – alle zehn Jahre wird er erstellt. Nun wurden die Zahlen für die Oberpfalz präsentiert und offenbaren einige Überraschungen. Etwa, dass der Anteil von nichteuropäischen Ausländern gerade mal bei 2,8 Prozent liegt.
Fast 2,4 Millionen Menschen in Bayern haben für den Zensus 2022 Auskunft gegeben – zu Alter, Familienstand, Religionszugehörigkeit und erstmals ausführlich zu ihrer Wohnsituation. Am Mittwoch hat das Landesamt für Statistik im Beisein von Regierungspräsident Walter Jonas das mächtige Zahlenwerk für die Oberpfalz vorgestellt. Und an so mancher Stelle zeigt sich, dass die Oberpfälzer eigene Ziele verfolgen, die auch mal von den anderen bayerischen Regierungsbezirken erkennbar abweichen. So gehören nirgendwo sonst mehr Menschen einer christlichen Kirche an. Und auch beim Heizen ist man Vorreiter.
• Die Einwohnerzahlen
Zum Stichtag 1. Mai 2022 lebten in der Oberpfalz 1,101 Millionen Menschen – 8,4 Prozent der bayerischen Bevölkerung. Damit ist die Einwohnerzahl zur letzten Zensuserhebung 2011 um 2,8 Prozent gestiegen. Allerdings musste nach unten korrigiert werden. In der jährlichen Fortschreibung war man noch von 28.000 Personen mehr ausgegangen. Dies dürfte laut Dr. Thomas Gößl, dem Präsidenten des Bayerischen Landesamtes für Statistik, unter anderem auf nicht erfolgte Abmeldungen nach Umzügen zurückzuführen sein. Der größte Anteil der Bevölkerung ist zwischen 40 und 59 Jahre alt (28,2 Prozent), gefolgt von den 25 bis 39-Jährigen mit 19,1 Prozent. Zehn Prozent der Oberpfälzer sind älter als 75 Jahre und 2,8 Prozent sind im Kleinkindalter unter drei Jahre.
Im Durchschnitt sind die Oberpfälzer 44,0 Jahre alt und damit minimal älter als die Bayern insgesamt (43,7). Die Studentenstadt Regensburg kommt auf ein Durchschnittsalter von 41,3 Jahre. Die jüngste Gemeinde ist Pielenhofen mit 40,3 Jahren, die älteste Weiding mit 50,8 Jahren. Das größte Wachstum verzeichneten die Städte Regensburg und Neumarkt mit 7,8 bzw. 7,7 Prozent sowie die Landkreise Regensburg und Schwandorf. Im Raum Tirschenreuth sank die Bevölkerung um 3,1 Prozent. Für Gößl durchaus ein Erfolg: „Nach dem Zensus 2011 lag die Prognose noch bei 13,1 Prozent minus.“ Unter anderem hätten hier größere Firmenansiedelungen gegengesteuert. Insgesamt ist die Bevölkerung seit dem letzten Zensus um 1,6 Jahre gealtert. Verjüngt haben sich Reichenbach, Parsberg, Burglengenfeld, Sünching und die Stadt Regensburg.
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• Die Staatsangehörigkeit:
Neun von zehn Personen haben die deutsche Staatsbürgerschaft. Die meisten Personen ohne deutsche Staatsangehörigkeit kommen aus einem Land der Europäischen Union (4,4 Prozent) oder dem sonstigen Europa (2,6 Prozent). Nur 2,8 Prozent sind außereuropäische Staatsangehörige. Die größte Gruppe bilden die Rumänen mit 11.181 (1 Prozent) Personen. In den meisten Fällen handele es sich laut Gößl um eine sogenannte Arbeitsmigration. Knapp 9000 Personen stammen aus der Ukraine und knapp 8000 haben die syrische Staatsbürgerschaft. Auch die Bewohner von Asylunterkünften seien in die Statistik mit einbezogen worden, sagt der Präsident des Landesamtes für Statistik.
• Die Religionszugehörigkeit
Die Oberpfalz ist noch immer deutlich katholisch geprägt – und prozentualer Spitzenreiter unter allen bayerischen Regierungsbezirken. Fast zwei Drittel der Bevölkerung sind Mitglied der römisch-katholischen Kirche (62,4 Prozent), was einen Rückgang gegenüber 2011 von 12,2 Prozent (bayernweit 13,8 Prozent) bedeutet. 10,9 Prozent (minus 10,5 Prozent, bayernweit minus 15,2 Prozent) gehören der evangelischen Kirche an. Die Zahl der Bekenntnislosen oder anders Gläubiger ist von 14,4 auf 26,8 Prozent gestiegen.
• Schulbildung
Hier gibt es ein deutliches Stadt-/Landgefälle. 39,1 Prozent haben in der Oberpfalz einen Haupt- oder Volksschulabschluss (Bayern: 33,1 Prozent). Je ein Viertel besitzen Mittlere Reife oder Abitur. In Städten wie Regensburg (49,2 Prozent) und Weiden (26,2 Prozent) sowie im Landkreis Regensburg (27,4 Prozent) ist der Anteil der Menschen mit Fachhochschul- oder Hochschulreife deutlich höher. 50,1 Prozent der Oberpfälzer haben eine abgeschlossene Berufsausbildung, 9,8 Prozent ein Diplom und gut ein Prozent hat promoviert. 24,1 Prozent haben (noch) keinen Berufsabschluss.
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• Wohnsituation:
Die Städte Regensburg und Neumarkt sowie die Landkreise Regensburg und Schwandorf sind seit der letzten Erhebung 2011 stark gewachsen – um fast acht Prozent. Oberpfalzweit wurden im selben Zeitraum rund 22.000 Wohngebäude errichtet, allerdings stehen auch 5,2 Prozent der verfügbaren Wohnungen leer. Ein Thema, das ihn sehr beschäftige, wie Regierungspräsident Walter Jonas bei der Vorstellung der Zahlen sagte. Die Gebäude stünden zum Teil unter Denkmalschutz, es finde sich kein passender Investor für eine Sanierung oder man wolle keine Mieter im Haus haben, nannte er einige Gründe. Zuletzt war auch aus Kostengründen die Bautätigkeit insgesamt deutlich eingebrochen.In der Oberpfalz wohnen 56,6 Prozent der Bürger im Eigentum (49,3 Prozent in Bayern). Die Wohnfläche ist seit 2011 um vier Quadratmeter gestiegen und liegt bei 107,4. Nur in Niederbayern ist sie mit 114,8 Quadratmetern noch größer. Zum Stichtag gab es 307.052 Wohngebäude, das heißt 22.000 Gebäude mehr als 2011. Insgesamt 561.862 Wohnungen stehen zur Verfügung. 52,6 Prozent sind freistehende Einfamilienhäuser, gefolgt von freistehenden Zweifamilienhäusern (18,0 Prozent). Lediglich 0,5 Prozent – 1475 Gebäude – verfügen über 13 und mehr Wohnungen. Knapp jedes zehnte Haus bietet Platz für drei bis sechs Mietparteien. Neun von zehn Häusern befinden sich im Privatbesitz, lediglich 0,7 Prozent der Gebäude sind in der Hand von Kommunen. Viele Gebäude in der Oberpfalz sind auch in die Jahre gekommen. 14,2 Prozent wurden bereits vor 1950 errichtet. Nach 2010 entstanden lediglich 10,9 Prozent. Die durchschnittliche Haushaltsgröße beträgt laut dem neuen Zensus 2,1 Personen, Knapp 40 Prozent der ermittelten 518276 Haushalte sind Ein-Personen-Haushalte. Die teuersten Quadratmeter-Mieten werden mit 9,38 Euro in der Stadt Regensburg aufgerufen. Im bayernweiten Vergleich liegen die Oberpfälzer Mietpreise dennoch mit 1,70 Euro unter dem Durchschnitt.
Das Pestel-Institut, das sich auf die Erforschung regionaler Wohnungsmärkte konzentriert, spricht von einem drängenden Problem – unter anderem im Landkreis Regensburg. Dort müssten bis 2028 jedes Jahr rund 1180 Wohnungen gebaut werden, um das aktuelle Defizit abzubauen, sagt Institutsleiter Matthias Günther. Wie überall, war auch hier die Bautätigkeit zuletzt stark eingebrochen. Bis Ende Mai 2024 wurden lediglich 285 Bauanträge gestellt.
Fossile Brennstoffe wie Heizöl (39,5 Prozent) oder Gas (28,2) dominieren die Energieversorgung. Auffällig hoch ist der Anteil von Holz und Pellets (18,4 Prozent, Bayern 12,8 Prozent). Solar-, Geothermie sowie Wärmepumpen liegen bei fünf Prozent.
