Ein Stück Italien in Neumarkt: Gottfried Stöckl führt das „Buon Italia“ seit 23 Jahren

Von Josef Wittmann · 21. August 2024 um 11:00

Vom Einzelhandelskaufmann zum absoluten Italien-Liebhaber: Dass Gottfried Stöckl nun seit 23 Jahren in der Kirchengasse für die am kulinarischen Dolce Vita interessierten Neumarkter eine gute Adresse ist, wurde dem geborenen Hörmannsdorfer nicht in die Wiege gelegt.

Als gelernter Einzelhandelskaufmann hat er lange bei einem Neumarkter Traditionsunternehmen, das es heute nicht mehr gibt, Farben und Tapeten verkauft. „Aber es war schon immer mein Wunsch, irgendwann ein kleines Geschäft zu haben“, erinnert er sich. „Vor 23 Jahren war dann dieser Laden zu vermieten, wo früher ein Fotogeschäft und noch früher ein Friseur war. Der hatte gerade die richtige Größe.“

Italien lieben gelernt – und das vor 40 Jahren

Und weil Gottfried Stöckl seit über 40 Jahren Italien-Fan ist und im Urlaub zum Beispiel in San Gimignano bei Florenz die kleinen Läden lieben lernte, hat er zugegriffen. „Buon Italia“ heißt das Ladenlokal. Glückliches Italien also – mitten in Neumarkt. Die Liebe zu Italien musste erst reifen, erzählt er. „Als ich in Jugendjahren mit der Parsberger Blaskapelle, wo ich Posaune und Tenorhorn spielte, nach Rom kam, hat es mir dort eigentlich überhaupt nicht gefallen, weil alles und auch das Meer so schmutzig war. Aber dann hat mir jemand das andere Italien in der Toskana gezeigt.“ Die italienische Sprache hat er sich dann mit Kassettenkursen selbst beigebracht und konnte sich bald gut unterhalten und auf den Märkten einkaufen.

Nudeln, Pesto, Wein und Grappa aus Italien

„Das Lebensgefühl dort hat mich immer fasziniert. Wir leben hier, um zu arbeiten und die Italiener arbeiten, um zu Leben“, seufzt Gottfried Stöckl über seine 70-Stunden-Woche. „Da geht man abends bis Mitternacht zum Essen fort und sogar die Kinder sind wohlerzogen.“

Ursprünglich wollte er „ein paar Mal im Jahr mit einem VW-Bus in Italien die Ware holen und das mit einem kleinen Urlaub verbinden. Das hat sich aber nicht lange bewährt. Benzin ist immer teurer geworden und den Laden in der Zeit immer zuzusperren, ist auch nicht optimal“. Mittlerweile kommen die Nudeln und das Pesto, der Wein und der Grappa, die Antipasti und alle anderen Leckereien in den Regalen von Einkaufsgenossenschaften aus allen Regionen seines Traumlandes, vom Gardasee bis Apulien. Im Supermarktregal sucht man das alles vergeblich.

Kochen hat sich Gottfried Stöckl vor Jahren selbst beigebracht

Und Gottfried Stöckl fabriziert mit seinem Partner und einer Mitarbeiterin daraus auch seine beliebten Geschenkkörbe in allen Preisklassen und Variationen. „Ich habe eine gute Stammkundschaft, die zum Kaffeetrinken und zum Mittagessen kommt.“

Das Kochen hat er sich selbst beigebracht. „Ich hab schon immer gerne gekocht und mit drei Gerichten angefangen.“ Heute stehen auf der Tageskarte Leckerbissen von der Gemüsesuppe über die frischen Ravioli mit verschiedenen Gemüsefüllungen bis zu Brezenknödeln mit Waldpilzsauce und Salat mit Tortellini. Auch Hausspezialitäten wie Lachs-Weißweinsauce oder Hackfleischlasagne und vieles mehr listet die Speisekarte auf.

„Wir haben viele Stammgäste, auch unter den Leuten, die in den umliegenden Geschäften arbeiten.“ Andere kommen von weiter her, wie Urlauber aus Norddeutschland, die auf dem Weg in den Süden regelmäßig in Neumarkt in Urlaubsstimmung kommen. „Und Catering für Familienfeiern bis 60 Leuten machen wir auch.“

Von Mittwoch bis Samstag dient sein Lokal als Treffpunkt

Auch wer noch nie bei Gottfried Stöckl eingekehrt ist, hat schon sehnsuchtsvoll auf seine Stammgäste geguckt, wenn sie vor dem „Buon Italia“ in der Kirchengasse ihren Espresso oder Cappuccino genießen. Dabei hat die Genehmigung dafür lange gedauert. „Da muss immer eine Frau mit Zwillingskinderwagen vorbei kommen, war das Argument“, erinnert er sich und ist dankbar für die inzwischen erteilte Genehmigung. „Wenn zum Beispiel jemand mit Rollator kommt, lassen meine Gäste ihn immer höflich durch.“

Von Mittwoch bis Samstag treffen sich hier jetzt wie in Italien die Werktätigen nach Feierabend für einen Absacker. Und untertags hat sich der eine oder andere Stammtisch entwickelt.