Scherben als Waffe: So kamen die geflohenen Straftäter in Straubing an den Spiegel

Von Isabel Metzger · 21. August 2024 um 02:00

Nach dem Ausbruch von vier Straftätern aus dem Bezirkskrankenhaus Straubing kommen immer weitere Details ans Licht. Jetzt steht fest, woher der Spiegel kam.

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Nach dem Ausbruch von vier Straftätern aus dem Bezirkskrankenhaus Straubing kommen immer weitere Details ans Licht. Wie berichtet, hatten die Insassen einen Klinik-Mitarbeiter am Samstagabend unter anderem mit Spiegelscherben bedroht, ihn als Geisel genommen und gezwungen, die Sicherheitstüren der forensischen Klinik zu öffnen. Doch wie war das überhaupt möglich?

Spiegel war fürs Rasieren ausgehändigt

„Es handelte sich um einen Kunststoffhandspiegel, der einem Patienten ausgehändigt wurde, um sich zu rasieren“, erklärte am Dienstag der Ärztliche Direktor und Leiter des Maßregelvollzugs des Bezirkskrankenhauses, Prof. Joachim Nitschke, auf Anfrage der Mediengruppe Bayern. „Dieser wird persönlich ausgegeben und wird nach der Rasur wieder an das Pflegepersonal zurückgegeben.“ Ob sich der genaue Ablauf wie vorgeschrieben darstellte, ist dabei nicht bekannt.

Weiter keine Spur von den Flüchtigen

Der Klinik-Mitarbeiter habe sich in einer lebensbedrohlichen Situation befunden, schilderte der Bezirk Niederbayern als Träger des Krankenhauses die Szenen vom Samstag. Die Männer hätten gedroht, ihn zu töten, falls er ihnen die Pforte des gesicherten Klinikbereichs nicht öffnen würde. Seither sind die Straftäter, die wegen Diebstahls- und Betäubungsmitteldelikten sowie Körperverletzung im Drogenmilieu verurteilt wurden und zum Entzug in Straubing waren, auf der Flucht. Von ihnen gibt es nach wie vor keine Spur. Die Fahndung laufe weiter, sagte am Dienstag die Sprecherin des Polizeipräsidiums Niederbayern, Katharina Reiner. Es seien weitere Hinweise aus der Bevölkerung eingegangen, die geprüft würden. Am Freitagmorgen dann die Nachricht: Einer der vier Männer konnte gefasst werden.

Die vier Patienten würden wegen der Art und Weise ihrer Flucht und der damit verbundenen Gruppendynamik als gefährlich eingestuft, heißt es vom Bezirk. Allerdings gehen Ärzte und Sicherheitskräfte nicht davon aus, dass sie „ohne konkreten Anlass“ jemanden verletzen würden.

Laut „Bild“-Bericht einer ein brutaler Gewalttäter

Einem „Bild“-Bericht zufolge soll es sich bei einem der Ausbrecher um einen brutalen Gewalttäter handeln, der 2020 zu acht Jahren Haft verurteilt wurde. „Körperverletzung im Drogenmilieu bedeutet, dass es dort zur Anwendung von Gewalt gekommen ist“, sagte Chefarzt Nitschke dazu der Mediengruppe Bayern und ergänzte: „Dies kann z.B. die Anwendung von Gewalt sein, um angebliche Schulden bei anderen Drogenhändlern einzutreiben oder sein Revier zu verteidigen.“

Die SPD-Fraktion im Landtag fordert mit einem Fragenkatalog die Staatsregierung zu einer raschen Aufklärung auf und verlangt wirksame Konsequenzen. „Wir müssen den Menschen wieder ein Gefühl von Sicherheit vermitteln“, so der Sprecher für Verfassung, Recht und Parlamentsfragen, Horst Arnold.